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Die Kandidaten hatten sich einen harten Wahlkampf geliefert.

Die Diaspora atmet auf

Nach Wahlkrimi: Das sagen die Österreicher zum Ergebnis

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Wolfratshausen – Die Wahl zum österreichischen Bundespräsidenten ist entschieden. Die hiesige österreichische Diaspora atmet nun kollektiv auf – und Bürgermeister aus den Partnergemeinden analysieren das Ergebnis.

Roswitha Beyer ist erleichtert, fast euphorisch. Die Wolfratshauserin hat am Montagabend sogar die Sektkorken knallen lassen, so sehr hat sie sich über den Wahlsieg von Alexander van der Bellen gefreut. „Und bei politischen Anlässen machen wir das selten“, betont die gebürtige Kärntnerin und SPD-Stadträtin. Seit den 70er-Jahren lebt Beyer in Bayern. Die österreichische Staatsangehörigkeit hat sie immer behalten. Das jedoch könnte sich unter Umständen bald ändern. Dazu aber später mehr.

Roswitha Beyer

Beyer, 64 Jahre alt, sieht es als ihre Bürgerpflicht, bei Wahlen in ihrem Heimatland auch ihre Stimme abzugeben. Für Norbert Hofer und seine FPÖ hat die ehemalige Siemens-Mitarbeiterin rein gar nichts übrig und findet entsprechend klare Worte. „Die FPÖ lebt ausschließlich von Destruktion und ist nur auf Angriff gebürstet“, zürnt die Lokalpolitikerin. Die Partei sei eindeutig demokratieschädigend und Beyer „gottfroh“, dass van der Bellen das Rennen gemacht hat.
 
66 Prozent hätten in Kärnten die FPÖ gewählt. „Da haut’s einem doch den Deckel raus“, findet die gelernte Programmiererin, die nach Deutschland kam, weil sie in der Datenverarbeitung tätig sein wollte. „1970 gab es in Kärnten nur zwei Computer.“

Nun hofft Beyer, dass der Rechtspopulist Hofer entzaubert wird. „Der ist nämlich ein ganz strammer Rechter, er tut nur immer so geschmeidig.“ Van der Bellen attestiert sie ein gutes diplomatisches Geschick. „Ich denke, er wird ein Bundespräsident werden, wie es sich gehört.“ Ihre österreichische Staatsbürgerschaft stand für Beyer bislang nie zur Disposition. „Wenn aber Heinz-Christian Strache Bundeskanzler wird, überlege ich mir, Deutsche zu werden.“

„Westeuropa ist froh – und ich auch.“ So kommentiert Albert Redl den Wahlausgang. Der 67-jährige Wolfratshauser stammt aus der Steiermark, Österreich hat er 1968 aus „wirtschaftlichen Gründen“ den Rücken gekehrt, erzählt der ehemalige technische Vertriebsmitarbeiter bei Eagle Burgmann.

Im Vorfeld habe er Angst gehabt, dass ein Ausgang zugunsten der Rechtspopulisten Österreich in Europa isoliert hätte. „Es löst Unbehagen aus, wenn sich eine rechte Szene etabliert“, so Redl. Allerdings müsse man sich schon fragen, was die EU falsch macht, wenn die Rechten vielerorts solch regen Zulauf verbuchen.

Gerhard Zapfl, Bürgermeister in Nickelsdorf

Nicht überrascht war Gerhard Zapfl (SPÖ) davon, dass in seiner Gemeinde Nickelsdorf fast 65 Prozent für Hofer stimmten. „Wir haben hier im Burgenland eine spezielle Lage“, sagt der Bürgermeister. Die Partnergemeinde von Geretsried habe die Flüchtlingswelle „geballt“ getroffen: „Wir sind von der Bundespolitik im Stich gelassen worden.“ Das sei ein großer Faktor gewesen. Dass am Ende van der Bellen gewann, liegt laut Zapfl daran, dass durch den Rücktritt von Bundeskanzler Werner Faymann das Signal für einen Neubeginn gegeben wurde.
 
Mit über 75 Prozent stimmten die Einwohner von Königsdorf im Burgenland – Partnergemeinde von Königsdorf im Landkreis – für Norbert Hofer. Das war erwartbar, sagt Bürgermeister Dieter Wirth (ÖVP). Die Stimmung sei aufgrund der Flüchtlingskrise aufgeheizt. „Wir sind das erste Bundesland hinter der Grenze zu Ungarn. Bei uns sind die Flüchtlingsströme durchgekommen. Wir haben die Ohnmacht der Behörden direkt mitbekommen.“ Seiner Meinung nach hätten die Leute im Ort nicht für den FPÖ-Politiker gestimmt, „weil er so ein Sympathischer ist, sondern weil sie Angst haben und verunsichert sind“.

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