Lisa Ettenberger und Leiter Max Aichbichler im Jugendhaus.
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Willkommen: Das Jugendhaus La Vida hat wieder geöffnet – sehr zur Freude auch von Mitarbeitern Lisa Ettenberger und Leiter Max Aichbichler.

Jugendhaus La Vida

Jugendhaus ist wieder offen - und gefragt bei den jungen Wolfratshausern

  • vonDominik Stallein
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Nach mehreren Wochen der Schließung ist das Jugendhaus La Vida wieder geöffnet. Im Betrieb gelten strenge Regeln. Die Pädagogen betonen, wie wichtig eine solche Anlaufstelle für die Heranwachsenden ist.

Wolfratshausen – Täglich um 16 Uhr öffnet das Jugendhaus La Vida seine Pforten. Der Andrang ist nach der wochenlangen Schließung groß. Coronabedingt dürfen sich momentan nur 15 Jugendliche gleichzeitig in den drei Stockwerken aufhalten. Um auch sicher einen Platz zu bekommen, treffen sich einige Cliquen nun schon deutlich vor der Öffnung am Jugendhaus. Das Personal reagiert darauf pragmatisch: „Wir losen die Plätze jetzt nach dem Zufallsprinzip unter denen aus, die warten“, sagt Max Aichbichler, Chef des La Vida. Eine Stunde dürfen die Besucher im Haus verbringen, dann sind die nächsten 15 dran. „Wir haben über den ganzen Tag verteilt im Durchschnitt etwa 50 Besucher“, sagt Aichbichler. Eine stolze Zahl, „aber ohne die Beschränkungen wären es sicher noch mehr“, ist der Sozialpädagoge sicher.

Man verbringt hier Zeit zusammen. Es ist gut, dass wir wieder kommen dürfen“

Dennis (17)

Der Ansturm auf die Einrichtung zeigt deutlich: Die Jugendlichen haben zentrale Treffpunkte wie das La Vida vermisst. „Hier kann ich meine Freunde sehen“, sagt der 17-jährige Dennis. „Sonst sind Treffen ja immer nur mit einem Kumpel erlaubt.“ Im Jugendhaus können ganze Cliquen zusammenkommen. Oder man trifft zufällig einen anderen Besucher, mit dem man länger keinen Kontakt hatte. Am liebsten hängt Dennis im Partykeller der Einrichtung herum, hört Musik und tauscht sich mit den anderen Besuchern aus. „Man verbringt hier Zeit zusammen, deswegen ist es gut, dass wir wieder kommen dürfen.“

Das La Vida ist mehr als ein Treffpunkt: Die Jugendlichen haben Gesprächsbedarf

Wie wichtig diese soziale Komponente für die Heranwachsenden ist, hat La Vida-Chef Aichbichler in den vergangenen Monaten immer wieder betont. „Einige leiden wirklich heftig unter der Situation“, sagte er in einem Interview mit unserer Zeitung über die Zeit der Schließung. Seit dem 15. März ist es wieder möglich, das Jugendhaus zu besuchen. Damit kann auch die pädagogische, begleitende Arbeit weitergehen. In der Corona-Zeit hat sich viel Gesprächsbedarf bei den Jungen und Mädchen angestaut: „Einige suchen aktiv die Gespräche mit uns“, sagt Cosima Kopetz, die ihr Freiwilliges Soziales Jahr im La Vida leistet. Andere seien zwar etwas verschlossener, „aber wenn man sie in einem kurzen Gespräch beiläufig fragt, erzählen sie trotzdem, wie es ihnen geht.“ Diese Begleitung der jungen Menschen ist den Pädagogen wichtig – gerade in der Pandemie, die bei vielen an den Nerven zehrt.

Im Haus öffnen sich die jungen Menschen - und suchen gemeinsam nach Lösungen

Während der Schließung hielten die Mitarbeiter über soziale Netzwerke den Kontakt aufrecht, oder in persönlichen Eins-zu-eins-Gesprächen, wenn ein Jugendlicher explizit danach fragte. „Das ist aber nicht dasselbe“, weiß Kopetz. Im Haus, so die Erfahrung, öffnen sich die jungen Menschen eher, teilen ihre Probleme und suchen im besten Fall gemeinsam nach einer Lösung.

Im Haus gelten strenge Regeln - die Kids scheint es nicht zu stören

Die Jugendlichen genießen den Aufenthalt in der Einrichtung am Josef-Bromberger-Weg sichtlich. „Ich wäre sonst wahrscheinlich zu Hause“, sagt Cansin, ein junger Besucher aus Wolfratshausen. „Man kann ja nicht viel unternehmen und fast niemanden treffen, wenn alles zu hat.“ Dass beim Besuch strenge Hygieneregeln gelten, scheint ihn nicht zu stören. Während des Plausches auf der Sofa-Landschaft merken die Jugendlichen nach kurzer Zeit nicht mehr, dass einige der Plätze abgesperrt sind, um die Abstände zu wahren. Beim Duell am Billardtisch tragen die zwei 16-jährigen Spieler selbstverständlich eine Maske.

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Mehrere Schilder in der Einrichtung weisen auf die Corona-Auflagen hin. „Wenn sich jemand nicht daran hält, erinnern wir ihn an die Regeln“, sagt Aichbichler. Das passiert genau zweimal, beim dritten Regelverstoß ist der Ausflug ins Jugendhaus für diesen Tag beendet. Gerade weil die wenigen Plätze so begehrt sind und wegen dem hohen Stellenwert, den das Haus bei seinen Stammgästen genießt , „zieht diese Regelung gut“. Aichbichler hofft, dass die Einrichtung auch weiterhin geöffnet bleiben darf – das hänge aber nicht zuletzt von den Inzidenzzahlen ab. „Für die Jugendlichen ist es auf jeden Fall wichtig, dass sie wieder eine Anlaufstelle haben“, und das nicht trotz, sondern teilweise gerade wegen der Pandemie. dst

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