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Steht seit Ende 2012 leer: das ehemalige Isar-Kaufhaus an der Wolfratshauser Marktstraße. 

Ehemaliges Isar-Kaufhaus

Nachbarn klagen gegen Bauvorbescheid

Anfang des Jahres schien es so, als würde dem Neubau des ehemaligen Isar-Kaufhauses nichts mehr im Wege zu stehen. Nun verkündet Rechtsanwalt Dr. Harald Mosler: „Wolfratshausen wird noch eine ganze Weile mit dem Schandfleck der Isar-Kaufhaus-Ruine leben müssen.“

Wolfratshausen Dr. Harals Mosler nennt auf Nachfrage unserer Zeitung den Grund für die Verzögerung des Projektes: Drei Nachbarn haben beim Verwaltungsgericht München jeweils Anfechtungsklagen gegen den vom Landratsamt erlassenen Vorbescheid eingereicht. Die Kreisbehörde bestätigt das gegenüber unserer Zeitung. Demnach sind dem Kreisbauamt die Klagen am 20. Februar sowie am 1. und am 21. März vom Verwaltungsgericht zugestellt worden. Mit dem Bauvorbescheid stimmte die Behörde am 10. Januar 2017 dem Antrag der damaligen Eigentümerin Angela Scheller zu, die gesamte Immobilie abreißen zu dürfen – und anschließend ensemblegerecht wieder aufzubauen.

Wenige Tage später fand der geschichtsträchtige Komplex im Herzen der Wolfratshauser Altstadt einen neuen Besitzer. Wie berichtet will die Untermarkt 7-11 GmbH, eine Projektgesellschaft, deren Hauptgesellschafter die Scherbaum AG aus Grünwald ist, dem Gebäude neues Leben einhauchen.

Dafür braucht es nun vermutlich einen etwas längeren Atem. Für Anfang 2018 hatte der Investor nach Auskunft Moslers den Abriss anvisiert. Das würde voraussetzen, dass bis Herbst 2017 eine Baugenehmigung vorliegt. Dieses Ziel ist angesichts der aktuellen Entwicklung in weite Ferne gerückt. „Ich verstehe keinen der Kläger“, sagt Mosler verärgert. „Es wurde vorher mit allen Nachbarn gesprochen. Ein Ehepaar war richtig happy. Ihre Motivation, jetzt plötzlich zu klagen, kann ich nicht nachvollziehen. Herr Scherbaum hat sich mit der Besitzerin eines Nachbargebäudes sogar persönlich getroffen. Sie können sich vorstellen, wie ihn diese Aktion jetzt motiviert.“ Der Investor werde nun natürlich erst einmal abwarten. „Das ist außerordentlich ärgerlich“, stellt Mosler fest.

Der „Schandfleck“ bleibt der Stadt noch länger erhalten

Dem Landratsamt liegt erst eine schriftliche Begründung zu den drei Anfechtungsklagen vor. Darin werde unter anderem die Erschließung der Baustellenzufahrt beanstandet. Und: Der Kläger weise darauf hin, dass Abstandsflächen einzuhalten seien und der Neubau sich gestalterisch in den alten Bestand einzufügen habe. Gerüchten zufolge soll es sich bei einem der Kläger um einen Wolfratshauser Rechtsanwalt handeln. Von unserer Zeitung gefragt, negiert der Jurist das mit wenigen Worten. Er habe jedoch „gehört, dass Nachbarn geklagt haben sollen“.

Mosler kann die Einwände nicht nachvollziehen: „Es wird im Bauvorbescheid neben zahlreichen Auflagen, die beim Neubau zu erfüllen sind, ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die gesetzlichen Abstandsflächen einzuhalten sind.“ Ebenso müsse sich das neue Gebäude in Höhe und Form dem Ortsbild anpassen. „Die Anfechtungsklage ist deshalb sinnlos“, urteilt der Rechtsanwalt. Mosler mutmaßt, dass es den Klägern lediglich darum geht, den Fortgang des Projekts zu behindern. „Der gravierende, negative Aspekt ist, dass sich die Neubebauung verzögert und Wolfratshausen noch eine ganze Weile mit dem Schandfleck wird leben müssen.“ Rudi Stallein

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