Eine S-Bahn
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„Bahnbetrieb ist mit Emissionen verbunden“: Zu diesem Ergebnis kommt die Deutsche Bahn nach Beschwerden aus Wolfratshausen.

Ehepaar wohnt in der Nähe der Gleise

Nachts, wenn es knallt: Wolfratshauser fühlen sich von Bahn um den Schlaf gebracht

Ein Ehepaar aus Wolfratshausen fühlt sich um den Schlaf beraubt. Verantwortlich dafür seien unsaubere Schweißnähte auf dem S-Bahn-Gleis.

  • Das Ehepaar Lambl hat genug - genug von dem Lärm vor ihrer Haustür.
  • Als Ursache für das „Knallen“ hat Martin Lambl ein Teilstück des S-Bahn-Gleises ausgemacht.
  • Lambl vermutet, dass die Schweißarbeiten nicht sauber durchgeführt worden sind.

Wolfratshausen – Sobald die S-Bahn am Garten von Martin Lambl und seiner Frau Christine vorbeifährt, hört man einige Sekunden lang ein monotones Rauschen. Daran hat sich das Ehepaar schon vor Jahrzehnten gewöhnt. „Wir merken das fast gar nicht mehr“, sagt Christine Lambl. Dachte sie zumindest. Denn seitdem vor einigen Wochen Ausbesserungsarbeiten am Gleis vorgenommen worden sind, wird das Ehepaar nachts aus dem Schlaf gerissen. Neben dem monotonen Rauschen knallt, schlägt oder rattert – da gibt es unterschiedliche Interpretationen – der Zug über die Gleise, die keine fünf Meter vom Gartenzaun der Familie Lambl entfernt liegen.

Ich habe hier noch die Dampflokomotiven erlebt. Nicht einmal die waren aber so laut wie der Lärm, den der Zug jetzt macht.“

Martin Lambl

Vor eben jenem Zaun sitzt Martin Lambl, wenn er von den Gründen für seine Schlaflosigkeit berichtet. Einige Teilstücke des Gleises wurden in den vergangenen Wochen ausgetauscht und wie üblich verschweißt. Das sehe man ganz deutlich an der Farbe der Schienen und den kleinen Nähten, die sich darin finden, meint der Wolfratshauser. So weit, so unspektakulär – eigentlich. Denn wenn ein Zug die drei Schweißstellen überquert, ist es vorbei mit der friedlichen Ruhe im Garten der Lambls. „Ich habe hier noch die Dampflokomotiven erlebt“, berichtet der 67-Jährige. „Nicht einmal die waren aber so laut wie der Lärm, den der Zug jetzt macht.“

Sind die Gleisarbeiten nicht einwandfrei verlaufen?

Zwei Minuten später tritt die Bahn selbst den Beweis dafür an: Mit merklichem Geräuschpegel nähert sich der Zug aus Icking. Dann knallt es. Einmal, zweimal, insgesamt zehnmal an derselben Stelle. „Du hörst hier jede Achse einzeln“, sagt Lambl. Und das gleich dreifach, weil es so viele Schweißnähte auf dem rund 25 Meter langen Schienenabschnitt gibt. „Eine Zumutung“ ist das in den Augen seiner Frau. „Die Züge fahren von früh morgens bis spät in die Nacht, ich wache regelmäßig auf von dem Krach.“

Martin Lambl vermutet, dass die Arbeiten am Gleis nicht ganz einwandfrei verlaufen sind. Das erklärt er, als sich der zweite Zug – diesmal aus entgegengesetzter Richtung – nähert. Wenn die Wagen über die Schweißstellen nahe der Weidacher Eisenbahnbrücke fahren, senke sich das Metall um ein kleines Stück ab. „Das kann für die Gleise ja nicht gut sein“, meint Lambl.

Die Bahn reagierte auf die Beschwerde per E-Mail

Mit einer Beschwerde wegen des Lärms wandte er sich per Mail an die Deutsche Bahn – und das gleich mehrmals, weil er tagelang keine Antwort erhalten habe. Dann, fast rechnete er nicht mehr damit, ging doch ein Schreiben in seinem elektronischen Postfach ein. „Mir wurde zugesichert, dass sich jemand der Sache annimmt“, erinnert sich der 67-Jährige. Passiert sei nichts. Also informierte Lambl die Polizei, und beobachtete einige Stunden später zwei Mitarbeiter des Verkehrsunternehmens in orangenfarbenen Westen am Gleis. „Als ich denen erklären wollte, was ich beobachtet habe, haben sie sich nicht einmal umgedreht, um mir zuzuhören.“ Also stand Lambl an seinem Gartenzaun und schaute den beiden DB-Mitarbeitern dabei zu, wie sie die Stelle begutachteten, sich Notizen auf einem Klemmbrett machten und wieder gingen. Der Lärm blieb.

Mit ihrer Beschwerde ist die Familie nicht alleine. „Viele Nachbarn, eigentlich alle im Umkreis, haben sich beschwert“, sagt Christine Lambl. „Die meisten haben gar keine Rückmeldung bekommen.“ Ein Sprecher der Bahn widerspricht auf Nachfrage unserer Zeitung: „ Zum vorliegenden Fall haben sich einzelne Anwohner an DB Netz gewendet. Selbstverständlich wurden die Schreiben der Anwohner beantwortet. Auf die Hinweise haben wir zudem reagiert.“ Heißt konkret: An den betreffenden Gleisabschnitten seien „Abschliffarbeiten“ durchgeführt worden.

Bahnbetrieb ist naturgemäß mit Emissionen verbunden“.

Ein Sprecher der Deutschen Bahn auf Nachfrage unserer Zeitung

Dass überhaupt neue Schweißnähte im Gleis entstanden sind, hänge damit zusammen dass „alle Anlagen regelmäßig geprüft“ werden und „in einem ordnungsgemäßen und sicheren Zustand“ gehalten werden, so der Konzernsprecher. „Bahnbetrieb ist naturgemäß mit Emissionen verbunden“.

Für Martin und Christine Lambl ist das kein Trost. Das Ehepaar ist ratlos. „Der letzte Weg, den ich noch beschreiten könnte, ist eine Anzeige wegen Lärmbelästigung“, stellt der Rentner fest. Eigentlich möchte er das nicht. „Aber wir möchten auch in Ruhe schlafen können“. dst

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