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Turbulent ging es am Freitag auf der Bühne der Loisachhalle zu. Das Lustspielhaus zeigte „Der nackte Wahnsinn“. 

Lustspielhaus in der Loisachhalle

„Der nackte Wahnsinn“ bringt Publikum zum 100. Mal zum Lachen

Die Kult-Komödie „Der nackte Wahnsinn“ sorgt für Lach-Anfälle in der Loisachhalle. Es war die 100. Aufführung - was beinahe vergessen worden wäre.

Wolfratshausen – Der erste Vorhang für die turbulente Komödie rund um Gabi Rothmüller, Alexander Liegl sowie eine Handvoll Lustspielhaus-Akteure fiel am 9. Januar 2012. Am Freitagabend gab’s ein Gastspiel in der Loisachhalle. Am Ende erfuhr das von Lach-Anfällen geschüttelte Publikum: Es war exakt die 100. Aufführung. Im Trubel des Theater-Alltags war das Jubiläum einfach untergegangen. Gabi Rothmüller: „Ich habe in der Pause lieber nochmal genau nachgezählt. Schließlich wollten wir vor Publikum nichts Falsches sagen.“

Eigentlich konsequent. Denn zu keinem anderen Bühnenstück passt so ein bisschen Theater-Chaos besser als zu Michael Frayns „Der nackte Wahnsinn“ von 1982. Darum geht’s: Eine Schauspieltruppe probt ein Boulevardstück. Im englischen Original „Noises off“ – was so viel bedeutet wie „Ruhe bitte“, also das, was vor einer Aufführung hinter der Bühne für Konzentration und Aufmerksamkeit sorgen soll.

Wie im richtigen Leben

Doch es klappt einfach gar nichts. Wo ist der Teller mit den Sardinen? Wer muss wann durch welche Tür? Könnte man die Rolle nicht auch so oder so spielen? Dazu kommen die Befindlichkeiten der einzelnen Darsteller: Eifersucht, Suff, Leidenschaft, das Buhlen um Anerkennung und gelegentlich gemeinsames Krabbeln auf der Bühne, um die verlorene Kontaktlinse zu suchen. Wie im richtigen Leben halt.

Die Situationskomik ist auf den Punkt gespielt, schnelles Tempo, eine Meisterleistung. Vor lauter Lachen muss man aufpassen, dass man nicht den Überblick verliert. Ist Sonja Kling jetzt Dotty Otley oder Hausmädchen Mrs. Clackett oder ist Constanze Lindner gerade Belinda Blair oder Flavia Brent? Egal wie – die Theater-Truppe ist durch und durch genial besetzt und aufeinander eingespielt.

Von Anfang an dabei waren Ferdinand Schmidt-Modrow als Garry Lejeune beziehungsweise Roger Tramplemain, Alexander Liegl als Freddy Felowes (Philipp Brent/Scheich) und Norbert Heckner als Mr. Selsdon (Einbrecher) – allesamt zum Niederknien.

Der rote Faden ist ein ganzes Woll-Knäuel

Auch „Neuzugang“ Johann Anzenberger (statt Michi Altinger) als Hausmeister Tim Allgood, Philipps Double und Einbrecher 2 spielte durch und durch überzeugend. Sexy Julia Loibl hatte sogar eine weitere Handlungsebene. Die Schauspielerin sauste in der Pause wirklich hinter die Bühne, stillte ihr Baby, bevor sie in Akt zwei wieder leicht bekleidet auf beziehungsweise hinter die Bühne musste. Ein Wahnsinn.

Eine Orientierungshilfe waren die großartige Gabi Rothmüller als Regie-Assistentin Poppy und Thomas Wenke als umwerfender Regisseur Lloyd. Der rote Faden ist ein ganzes Woll-Knäuel. Bemerkenswert, wie Frayn die Dynamik der Gruppe im Kontext eines Bühnenstücks konterkariert: Es klappt eigentlich gar nichts und trotzdem funktioniert’s. Alle kompensieren punktgenau ihre eigenen Neurosen und sorgen sich darum, dass Einbrecher Mr. Selsdon nicht zur Flasche greift und damit die ganze Produktion gefährdet.

Sprachlust und Spielpräzision waren eine Attacke auf Zwerchfell und Wimperntusche. In diesem Jahr haben die Schauspieler das Stück nur ein weiteres Mal aufgeführt. Einen neuen Termin gibt es erstmal nicht. Aber der Wahnsinn geht hoffentlich weiter. Bettina Sewald

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