Im Park der Kreisklinik ist ein Ärztehaus geplant. Kreisrat Prof. Matthias Richter-Turtur sieht das kritisch. Foto: archiv

Kreisklinik Wolfratshausen

Neubau in Klinik-Park: Kritik an Landrat Niedermaier

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Wolfratshausen - Die Diskussion um ein neues Ärztezentrum im Park der Kreisklinik geht in die nächste Runde. Die Kreisräte Richter-Turtur und Müller sind mit Niedermaiers Aussagen nicht zufrieden.

Nur mäßig zufrieden zeigten sich die Kreisräte Prof. Matthias Richter-Turtur und Angela Müller (beide Freie Unabhängige Wähler/FUW) mit der Antwort von Landrat Josef Niedermaier auf ihre Anfrage vom Mai. In deren Mittelpunkt steht die sogenannte „Weaning“-Abteilung. Hier sollen schwerkranke Patienten in Dauerbeatmung wieder das selbstständige Atmen lernen.

Die beiden Kreisräte wollten unter anderem wissen, in welcher Höhe eine wirtschaftliche Wertschöpfung durch die neue Abteilung erwartet wird. Es geht aber auch darum, wie man eine Übertragung resistenter Keime verhindern will, ob ein Krankenhaushygieniker eingestellt wird und vieles mehr. Generell wird die Notwendigkeit des geplanten Neubaus eines Ärztehauses – hierfür müssten Bäume gefällt werden – infrage gestellt.

„Weaning" - Weitere Spezialisierung der Klinik

In seinem Antwortschreiben erläutert der Landrat, dass der Aufbau der „Weaning“-Einheit ein Projekt im Rahmen der weiteren Spezialisierung der Klinik ist. Es wurde Mitte 2015 gestartet und werde auf der neuen Intensivstation in Zusammenarbeit von unter anderem Pneumologen, Kardiologen, Gastroenterologen, Intensivmedizinern und Anästhesisten durchgeführt.

Zur wirtschaftlichen Wertschöpfung werde die neue Einheit beitragen. Mehr Infos dazu gibt es mit Verweis auf die Nichtöffentlichkeit bestimmter Inhalte nicht. Was die Hygiene angeht, betonte der Landrat, dass die verbindlichen Richtlinien in der Klinik vorbildlich umgesetzt würden. „Auf der Intensivstation gelten hohe hygienische Standards, eine Isolierung ist auf der neu geschaffenen Intensivstation möglich.“ Handlungsbedarf sieht er nicht. Man beschäftige eine Hygienefachkraft und eine Expertin für das Antibiotika-Management. Es gebe einen Dienstleistungsvertrag mit einer Mikrobiologin und Hygienikern, drei hygienebeauftragte Ärzte und eine Hygienekommission. „Eine Vorgehensweise zur Aufnahme von Weaningpatienten wurde definiert, ein infektiologisches Screening findet bei Aufnahme in die Klinik statt.“

Auf die Frage, welche Rolle das geplante Gesundheitszentrum für die Weaningeinheit spiele, führte Niedermaier aus, dass das neue Zentrum das bisherige Angebot ergänzen würde. „Aus hygienischer und infektiologischer Perspektive und für aktuelle Präventions- und Behandlungsstrategien hat es mit unserer Klinik und ihren Abteilungen nichts zu tun.“

Richter-Turtur und Müller vermissen verlässliche Zahlen

Angela Müller und Matthias Richter-Turtur monieren, dass sie nach wie vor eine Berechnung der Wirtschaftlichkeit vermissen und dass der Landrat versuche, die Einstellung eines hauptamtlichen Krankenhaushygienikers zu umgehen. Als „unverständlich“ bezeichnen die Kreisräte die Aussage, dass das geplante Gesundheitszentrum mit Klinik und Abteilungen nichts zu tun habe. „Wir fragen uns, welche unabdingbare Notwendigkeit überhaupt dazu zwingt, den Park mit seinen schönen Bäumen zu zerstören für den Bau einer Einrichtung, die nichts mit der Klinik zu tun haben soll.“ Eine Begründung dafür habe man nach wie vor nicht bekommen. „Wir müssen daher weiter bezweifeln, dass der geplante Neubau im Klinikpark einen Vorteil für die Kreisklinik bringen kann.“

Auch Interessensgruppe meldet sich zu Wort

Hermann Böcking, Sprecher der Interessensgruppe zum Erhalt des Parks der Kreisklinik reagiert mit deutlichen Worten „Endlich lässt der Landrat die Katze aus dem Sack und nennt die wahren Beweggründe für ein zweifelhaftes Bauvorhaben. Wir sind sehr überrascht über die vollzogenen Kehrtwendungen und fassungslos in Anbetracht der damals sehr schnell getroffenen Entscheidung, auf dem Gelände ein Ärztezentrum zu errichten.“ Niedermaiers Worte würden im Klartext bedeuten, dass sich das Krankenhaus hin zu einer Spezialklinik entwickeln und vom Anspruch einer Allgemeinen Versorgungsklinik verabschieden werde. „Damit wird die Zukunft als Akutklinik für den Nordlandkreis in Frage gestellt, und damit entfällt ein wesentlicher Grund für alle Wolfratshauser, die Klinik bei diesem Vorhaben zu unterstützen.“ Wenn Niedermaier zugebe, dass das Gesundheitszentrum mit den Behandlungs- und somit Bestandsstrategien nichts zu tun habe, würden sich somit keine positiven Effekte für die Kreisklinik ergeben. „Wir haben diese Entwicklungen immer vermutet“, schreibt Böcking in einer Pressemitteilung. Der Landrat habe sie aber immer vehement dementiert. Immerhin sei es gelungen, die voreilige Fällung des Haselnussbaums zu verhindern.

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