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Kaum Interesse: Die Infoveranstaltung zu den Asylbewerberunterkünften war nur mäßig besucht.

Neue Asylbewerber: Infoabend stößt auf wenig Interesse

Wolfratshausen – Nur 25 Bürger kamen zu einer Infoveranstaltung der Stadt zum Thema Asylbewerberunterkünfte in die Aula der Hammerschmied-Schule. „Ich hätte mir ein paar mehr Besucher erwartet“, sagte Klaus Heilinglechner.

Zum geplanten Flüchtlingsheim im Altbau des Vermessungsamts an der Heimgartenstraße konnte der Bürgermeister nicht viel Konkretes berichten. Nur, dass das Essener Unternehmen „European Homecare“ die Bewohner betreuen wird. Auf Nachfrage unserer Zeitung sagt Martin Nell, Pressesprecher der Regierung von Oberbayern, dass frühestens im April 88 Personen dort einquartiert werden. Ziel der so genannten Anschlussunterbringung sei es, die Bewohner auf eine eigenständige Lebensführung in Privatwohnungen vorzubereiten und die Unterstützungsangebote anzupassen. Eine „Rund-um-die-Uhr-Betreuung“ sei grundsätzlich nicht vorgesehen. Für Gemeinschaftsunterkünfte setze die Regierung in der Regel keine Sicherheitsdienste ein, auch nicht an der Heimgartenstraße.

Einen Bezugstermin für die alte Polizei (zuletzt Waldorfschule) gibt es. Ab 1. Mai sollen dort zwölf unbegleitete minderjährige Flüchtlinge leben. Laut Bürgermeister werden dringend Sozialpädagogen für deren Betreuung gesucht. Zu einer Sammelunterkunft für rund 80 Menschen wird das ehemalige Pfarrheim am Loisachbogen umgebaut. Das Landratsamt wird die Einrichtung für drei bis fünf Jahre betreiben. Heilinglechner rechnet „eher ab Mitte April“ mit der Belegung.

Um für eine im Lauf des Jahres wieder steigende Zuwanderung gewappnet zu sein, hat die Stadt zwei Grundstücke im Visier, auf denen mobile Flüchtlingsheime, sprich Container aus Kunststoff oder Holz, für 82 bis 88 Menschen aufgebaut werden können: die Wiese am Zugspitzweg und eine Fläche am Nantweiner Förgenweg. An beiden Standorten kann die Stadt nach dem so genannten Asylbeschleunigungsverfahren vorübergehende Unterkünfte schaffen. Die Ausschreibung für die Container ist laut Bürgermeister vorbereitet. Sie soll nach Ostern veröffentlicht werden. Vorher will Heilinglechner mit Landrat Josef Niedermaier Rücksprache halten, „auch weil man im Landkreis nicht weiß, welche Flüchtlingszuweisungen nach Ostern zu erwarten sind.“ Die mobilen Heime sollen höchstens drei Jahre stehen.

Noch heuer möchte die Stadt auf drei weiteren Grundstücken soziale Wohnungen planen: an der Bahnhofstraße (Klein-Anwesen), an der Sauerlacher Straße und an der Auenstraße (ehemaliger Kindergarten). „Wir können nicht 600 Wohnungen auf einmal hinstellen wie Geretsried auf dem Lorenz-Areal. Dafür haben wir den Platz nicht. Aber die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum ist uns sehr wichtig“, sagte Heilinglechner.

Ines Lobenstein, Koordinatorin der rund 180 Asylbewerber-Helfer, sagte, es gebe in Wolfratshausen so wenige Probleme mit den bisher 146 hier lebenden Flüchtlingen aus 16 Nationen, weil sich so viele Menschen um deren Integration bemühten. „Hoffentlich bleibt das so bei den Großunterkünften.“ Der Helferkreis wolle auch dort regelmäßig vorbeischauen. Heilinglechner betonte, dass der Asyl-Helferkreis auch für die Nachbarn von Unterkünften da sei: „Viele haben berechtigte Ängste. Es kommen Menschen mit einer ganz anderen Kultur zu uns. Es ist verständlich, dass man da eine Hemmschwelle hat.“ Lobenstein bietet Anwohnern an, jeden Dienstag ab 17 Uhr in die Bürgersprechstunde im Asylzentrum am Obermarkt 7 zu kommen. Um Berührungsängste abzubauen, lädt sie zudem in die neue Einrichtung „WORld Café“ im Jugendhaus La Vida ein. Das erste Treffen mit Kaffee, Tee und gespendetem Kuchen ist am 2. April von 16 bis 18 Uhr.

Eine Besucherin fragte, wie viele Asylbewerber in Wolfratshausen nach ihrer Anerkennung Wohnung und Arbeit gefunden hätten. Genaue Zahlen konnte Lobenstein nicht nennen. Es seien jedoch einige Asylbewerber aus den Erstunterkünften ausgezogen. „Viele haben Arbeit, auch wenn es oft noch nicht reicht, um die Familie zu ernähren. Viele haben eine Ausbildung begonnen oder haben es vor“, sagte sie. Klaus Heilinglechner empfahl: „Machen Sie einen Schritt auf die Asylbewerber zu und unterhalten sich mit ihnen. Ich habe damit gute Erfahrungen gemacht.“

tal

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