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Runterladen oder nicht? Seit wenigen Tagen können sich Bürger auf ihr Handy die Corona-Warn-App downloaden. Sie zeigt an, ob man mit einem infizierten Mitbürger in Kontakt gekommen ist.

“Ein wichtiger Baustein“

Neue Corona-Warn-App: Viele Politiker und Mediziner haben sie schon heruntergeladen

Die neue, freiwillige Corona-Warn-App kommt gut an. Unsere Zeitung hat sich umgehört, wer sie schon auf sein Handy geladen hat. 

Bad Tölz-Wolfratshausen – Lange hat man auf die Corona-Warn-App warten müssen, jetzt ist sie da. Das Herunterladen und Nutzen ist freiwillig. Ihr Erfolg hängt jedoch maßgeblich davon ab, dass genügend Leute mitmachen. Unsere Zeitung hat sich umgehört, wer die App auf sein Handy herunterlädt und wer nicht.

Alexander Radwan, CSU-Bundestagsabgeordneter

Alexander Radwan, Bundestagsabgeordneter (CSU): „Ich werde mir die Corona-App herunterladen und sie nutzen. Wir müssen Lösungswege schaffen, um auch langfristig mit den Herausforderungen des Virus umzugehen und die Ausbreitung einzudämmen. Ich halte die App für eine gute Möglichkeit, mithilfe moderner, digitaler Technik die Verbreitung zu kontrollieren – gerade im Hinblick auf den Herbst, wenn wieder mit steigenden Fallzahlen zu rechnen ist. Durch den hohen Datenschutzstandard ist die Corona-App deutlich sicherer als die Apps der meisten privaten Anbieter.“


Andreas Wagner, Bundestagsabgeordneter (Linke): „Mein Smartphone erfüllt leider nicht die Systemvoraussetzungen für eine Installation der Corona-Warn-App. Wenn ein Update des Betriebssystems meines Handys möglich ist, werde ich die App installieren, weil sie dazu beitragen kann, die Pandemie einzudämmen. Gleichzeitig finde ich wichtig, dass die Nutzung der App tatsächlich bedingungslos freiwillig ist. Wer die App nicht installiert oder kein Smartphone hat, darf hierdurch keinerlei Nachteile haben. Die Bundesregierung muss dies gesetzlich sicherstellen.“


Martin Bachhuber, Landtagsabgeordneter (CSU): „Ich werde mir die App selbstverständlich auf mein Handy downloaden, weil sie im Augenblick als das verlässlichste Hilfsinstrument erscheint, um herauszufinden, ob man mit einem an Corona erkrankten Menschen in Kontakt stand. Gerade im Hinblick auf die Lockerungen und den nun wieder vermehrt stattfindenden Umgang mit anderen Leuten ist es sehr wichtig, mögliche Kontakte im Ernstfall nachvollziehen zu können, ohne dass es hier datenschutzrechtliche Bedenken gibt. Allerdings entbindet uns die App nicht von der Verpflichtung, weiterhin den Mindestabstand einzuhalten.“


Hans Urban, Landtagsabgeordneter (Grüne): „Ich bin in Sachen Corona-Warn-App heute zu nichts gekommen, finde es aber gut, dass es sie nun endlich gibt. Genauso wichtig wird es sein, verantwortlich miteinander umzugehen, Abstand zu halten, Masken aufzusetzen und Hygieneregeln einzuhalten. Einsatz und Begrenzung der App sollten gesetzlich geregelt sein, damit ein Missbrauch verhindert wird und die Bürger Vertrauen fassen können. Unsere grünen Kollegen im Bund bemühen sich um eine Regelung.“


Ursula Fiechtner, Kreisbäuerin aus Wackersberg: „Ich möchte die App ungern auf meinem Handy haben. Lieber halte ich meine Abstände ein. Ich bin ja absoluter Laie, was Digitalisierung angeht. Da fühle ich mich schon ein bisschen ausgeliefert. Ich könnte mir gut vorstellen, dass die App zur Überwachung genutzt wird.“

Ursula Fiechtner, Kreisbäuerin im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. 



Patrick Lechner, Informationsfreiheitsbeauftragter des Wolfratshauser Stadtrats und IT-Experte: „Ich habe die Corona-Warn-App bereits heute Morgen auf meinem Handy installiert und aktiviert. Wichtige Schritte für den Datenschutz wurden in der App erfolgreich umgesetzt. So werden die eigentlichen Kontaktdaten nur dezentral und verschlüsselt auf den Smartphones zwei Wochen zeitlich begrenzt gespeichert. Ich denke daher, dass die App in Deutschland das so wichtige Thema Datenschutz erheblich besser berücksichtigt als entsprechende Apps in vielen anderen Ländern. Damit bekämpfen wir das Virus endlich nicht länger nur mit Instrumenten aus dem Mittelalter.“


Hubert Oberhauser, Bürgermeister von Egling:„Ich würde die App installieren. Ich glaube, dass die Vorteile die Nachteile überwiegen. So viel Vertrauen habe ich schon in den Staat, dass er mich nicht ausspioniert. Und selbst wenn jemand herausfinden sollte, wo ich essen war und wo ich einkaufen gewesen bin: Das ist sicher nicht staatstragend.“

Josef Niedermaier, Landrat


Josef Niedermaier (Landrat): „Diese App ist technisch und qualitativ sicher eine gute Sache, da steckt viel deutsche Gründlichkeit drin. Aber viele meiner Landratskollegen und ich haben Zweifel, ob sie geeignet ist, Infektionsketten zu unterbrechen. Ein Problem ist die absolute Freiwilligkeit. Das betrifft ja nicht nur die Frage, ob man sie sich herunterlädt oder nicht. Das betrifft auch den Umgang mit einer eventuellen Meldung. Angenommen, Sie bekommen am Tag x den Hinweis von der App, dass Sie Kontakt mit einem infizierten Mitbürger hatten. Dann ist es allein Ihre Sache, ob Sie sich beim Gesundheitsamt melden und mit den Mitarbeitern klären, was jetzt zu tun ist. Macht das jeder? Und die Gesundheitsämter müssen mit komplizierten Codes arbeiten. Bitte nicht missverstehen: Ich bin weit entfernt, die App schlecht zu reden, der Weg bei der Bewältigung geht über die Digitalisierung. Ein handschriftliches Ausfüllen von irgendwelchen Zetteln in Wirtschaften, das geht auf Dauer nicht. Aber es muss schon noch einiges passieren. Zum einen müssen die Bürger überzeugt werden, damit möglichst viele mitmachen. Und zum anderen muss die App auch weiterentwickelt werden. Beim deutschen Landkreistag in Berlin, wo ich gerade bin, sind eigentlich alle dieser Meinung. Es ist ein guter Anfang, aber es liegt noch viel Arbeit vor uns. Ein Grundproblem ist und bleibt der Interessenskonflikt zwischen Datenschutz und Gesundheitsschutz. Wir im Landkreis müssen jetzt erst einmal abwarten, welche Erfahrungen unser Gesundheitsamt macht. Ich persönlich werde die App sicher in den nächsten Tagen auf mein iPhone herunterladen. Aber Wunderdinge erwarte ich mir persönlich nicht.“

Andreas Schäfer, Kreisgeschäftsführer des Bayerischen Roten Kreuzes: „Ich habe ein Diensthandy, auf das ich die App schon heruntergeladen habe. Der Landesverband hat uns dringend empfohlen, auf diese Weise mitzuhelfen, Infektionsketten aufzuklären. Bisher, muss ich sagen, ist bei uns ja alles gut gelaufen. Ich hoffe, es bleibt so. Die App trägt da sicher ihren Teil bei.“

Dr. Jörg Lohse, Allgemeinarzt in Münsing. 


Dr. Jörg Lohse, Allgemeinarzt in Münsing: „Ich habe gleich versucht, mir die App herunterzuladen, aber es hat nicht geklappt, offenbar war der Server überlastet. Ich halte die App für ein extrem wichtiges Instrument für den Tanz, der uns in nächster Zeit noch bevorsteht. Wir können gottfroh sein, dass sie endlich da ist. Die App erlaubt es uns, die richtige Balance zwischen notwendigen Einschränkungen und vernünftiger Öffnung zu finden. Wenn man auf die neue Welle in China schaut, muss man sagen: Wir stehen wieder ganz am Anfang wie zu Zeiten von Webasto, nur, dass wir ein bisschen schlauer geworden sind. Alles hängt davon ab, dass eine repräsentative Anzahl von Leuten mitmacht. 70 Prozent von allen, die ein Smartphone haben – das wäre schon gigantisch.“

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