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Gut besucht war der Mühlen-Vortrag von Christian Steeb (re.).

Zehn Kühe für einen Mahlstein

Neue Erkenntnisse zur Geschichte der Wolfratshauser Mühlen

Hobbyhistoriker Christian Steeb hat wieder geforscht, und zwar diesmal über die Wolfratshauser Mühlen. Seine neuesten Erkenntnisse stellte er jetzt vor.

WolfratshausenVor knapp fünf Jahren wurde bei Sanierungsarbeiten in einem Gebäude am Untermarkt ein alter Mühlstein entdeckt. Für Hobbyhistoriker Christian Steeb ein Grund, Nachforschungen über die Geschichte der Wolfratshauser Mühlen anzustellen. Seine Erkenntnisse stellte er in einem Vortrag vor, zu dem der Burgverein eingeladen hatte.

Rund 40 Zuhörer kamen am Dienstagabend in das Wirtshaus Flößerei und erfuhren zunächst alles über die Entstehung von Mühlsteinen, die ihren Ursprung in der Antike haben. Hilfreich war dabei ein Blick in das vom Burgverein bilderreich gestaltete Themenheft, das für eine kleine Spende erworben werden konnte. So waren auch Laien in der Lage, den komplizierten Aufbau einer Wassermühle zu verstehen. Die aus Granit, Basalt und Sandstein hergestellten Mühlsteine hatten meist einen Durchmesser von 1,25 Metern und eine Dicke von etwa 45 Zentimetern. „Die teuersten Steine konnten so viel wie zehn Kühe kosten“, berichtete Steeb.

Nach dieser Einführung lud das Burgvereinsmitglied zu einer Zeitreise ins mittelalterliche Wolfratshausen Für die ersten beiden Mühlen gibt es bereits Anfang des 14. Jahrhunderts schriftliche Belege. Die Birn- und die Kastenmühle waren für die Herzöge lukrative Einnahmequellen und wurden auf Lebenszeit verpachtet. Dennoch war das Müllergewerbe zu dieser Zeit laut Steeb ein „unehrenhafter Beruf“. Da viele Menschen im Mittelalter noch nicht lesen konnten, kam es bei den Gewichtsangaben des Müllers immer wieder zu Streitigkeiten und Gerichtsprozessen.

Während des Dreißigjährigen Kriegs brannten die Schweden die Birnmühle am Untermarkt ab, die jedoch ein gewisser „Christoph aus Tölz“ schon kurz darauf wieder aufbaute. Nicht Feuer, sondern hoch aufgetürmte Eisschollen zerstörten die unweit der heutigen Musikschule gelegene Kastenmühle. „Heute kaum vorstellbar, aber wahr: 1675 fror die Loisach zu“, berichtete Steeb. „Bei darauffolgendem Tauwetter setzte sich die Eismasse in Bewegung und zerstörte die Kastenmühle vollständig.“ Der Müller Philipp Langmayr, der auch den 2013 am Untermarkt gefundenen Mühlstein signierte, errichtete an gleicher Stelle gleich fünf Mahlmühlen, in denen unter anderem Stein geschliffen und Holz verarbeitet wurde.

Noch riskanter war der Betrieb der Pulvermühle am Oberen Poing. „Wegen der Explosionsgefahr war die Errichtung für die anderen Müller in der Nachbarschaft eine Kampfansage“, erzählte Steeb. Mit weiteren Anekdoten zur Obermühle am Gries, der Kronmühle und der Ölstampfmühle am Besenbräu beendete er seinen kurzweiligen Vortrag, der auch die Burgvereinsmitglieder mächtig beeindruckt hatte. „Der Mann ist eine wandelnde Festplatte – unglaublich, was der alles weiß“, staunte Zweiter Vorsitzender Ernst Gröbmair.

Peter Herrmann

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