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Symbolbild

Diskussion beim CSU-Ortsverband

Das neue G 9 wird „kein Abi light“

Bildungs-Staatssekretär Bernd Sibler stellt sich Fragen von Eltern und Lehrern: Beim Besuch des CSU-Ortsverbands musste er aber keine Kritik zum G9 entgegen nehmen.

Wolfratshausen Bei der Einführung des achtjährigen Gymnasiums (G 8) vor 13 Jahren wäre ein Bildungspolitiker wohl nicht so freundlich aufgenommen worden wie jetzt, nachdem sich die Bayerische Staatsregierung zur Rückkehr zum G 9 entschlossen hat. Bernd Sibler, Staatssekretär im Ministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst, musste sich kaum Kritik anhören bei seinem Besuch des CSU-Ortsverbands, der ins Wirtshaus Flößerei eingeladen hatte.

Bernd Sibler Staatssekretär im Ministerium für Bildung

Mit der Wiedereinführung des neunjährigen Gymnasiums ab dem Schuljahr 2018/2019 jedenfalls zeigten sich die vielen Lehrer und Elternvertreter unter den rund 30 Zuhörern zufrieden. „Wir werden nicht zum alten G 9 übergehen, sondern werden es ein gutes Stück weiterentwickeln“, sagte Sibler. Dazu gehöre, das historische und politische Wissen der Jugendlichen zu stärken. Das Fach Informatik solle ausgebaut werden, ebenso der Religionsunterricht. In den Hauptfächern werde es wieder mehr Stunden geben. In der neunten Klasse wolle man das Element „berufliche Orientierung“ einführen mit eventuell verpflichtenden Praktika. Was bleibe, sei die zweite Fremdsprache bereits in der sechsten Klasse. „Dadurch haben die Kinder mehr Zeit beim Erlernen der Sprache. Das Ganze wird entzerrt“, so der ehemalige Gymnasiallehrer für Deutsch und Geschichte.

CSU-Politiker liegt „Charakterbildung“ am Herzen

Dass der verpflichtende Nachmittagsunterricht größtenteils wegfallen wird, sieht Sibler als Vorteil. Ihm persönlich wichtig sei die „Herzens- und Charakterbildung“, für die „hoffentlich“ künftig wieder mehr Raum bleibe, sagte er – und betonte im selben Atemzug, ein „Abi light“ werde das Abitur nach neun Jahren aber sicher nicht werden.

Das Kultusministerium, so der Staatssekretär, sehe 1000 zusätzliche Planstellen ab 2018 für die Gymnasien vor. Toni Lenhart, Elternbeiratsvorsitzender an der Geretsrieder Realschule, kritisierte in diesem Zusammenhang, dass an den Realschulen Lehrer fehlen würden. Ein anderer Besucher der CSU-Veranstaltung stellte fest, dass Gymnasiallehrer im Moment oft gar keine Anstellung finden würden. Sibler gab zu, dass der Bedarf an Geografie- und Geschichtslehrern gegen Null tendiere. Mit Mathe und Physik dagegen habe man bessere Chancen. Der Staatssekretär wies darauf hin, dass die Regierung ein Umsatteln auf Grundschule oder Mittelschule unterstütze.

Obwohl die G 9-Diskussion mit teils sehr fachspezifischen Fragen und Anmerkungen der Lehrer im Mittelpunkt des Abends stand, ging Sibler auch auf die Mittelschulen ein. „Wir haben sie nicht aufgegeben. Im Gegenteil: Der Anteil der Mittelschüler ist mit 30 Prozent recht stabil“, sagte der CSU-Politiker. Jugendliche mit Quali hätten in Zeiten des Fachkräftemangels „richtig gute Chancen“ auf einen Ausbildungsplatz. Den Wert einer praktischen Ausbildung wüssten übrigens auch immer mehr Abiturienten zu schätzen. 15 Prozent von ihnen machten nach der Reifeprüfung erst einmal eine Lehre.

Grundschule: Druck machen auch viele Eltern

Zur Wortmeldung einer Mutter, der Druck in der dritten und vierten Grundschulklasse werde immer größer, meinte Sibler, Vater von zwei Söhnen im Alter von zwölf und 16 Jahren, dass die Eltern meist selbst diesen Druck ausüben würden, weil sie ihr Kind unbedingt aufs Gymnasium schicken wollten. Er erinnerte daran, dass im bayerischen Schulsystem „jeder Abschluss einen Anschluss“ biete. Voraussetzung sei die „Anstrengungsbereitschaft“ der Jugendlichen. 

Tanja Lühr

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