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Integration gelungen: Der Syrer Ousama Al Manla zeigt stolz eine der Visitenkarten, die ihm sein Münchner Arbeitgeber hat drucken lassen.

Neue Heimat Wolfratshausen

Ein Leben ohne Krieg und Bomben

Wolfratshausen – Die große Welle von Flüchtlingen riss vor einem Jahr ab. Seitdem bemühen sich viele Asylbewerber, in unserer Gesellschaft Fuß zu fassen. So auch Ousama Al Manla. Der Syrer erzählt die Geschichte seiner Flucht und seiner gelungenen Integration. 

Sein Deutsch ist für die kurze Lernzeit hervorragend. Erst seit gut einem Jahr ist Ousama Al Manla in Deutschland, doch klar und verständlich – völlig ohne Dolmetscher – schildert der 29-Jährige in der neuen Sprache seine dramatische Flucht. Ousama lebte in Aleppo – bis zum Jahr 2015. Dann floh er. „Ich habe es nicht mehr ausgehalten“, sagt er. „Man ist morgens zur Arbeit gegangen und wusste nicht, ob man abends wieder nach Hause kommt.“ Die Erinnerungen schmerzen den eigentlich lebensfrohen jungen Mann. Wenn er von den Bombenanschlägen auf seine Stadt spricht, wird sein Gesichtsausdruck kalt und traurig. „Wir hatten am Ende keinen Strom, kein Wasser und wenig Geld.“ Seine Heimat lag in Trümmern. „So wie Dresden nach dem Weltkrieg.“

Mit dem Bus floh er in die Türkei. Nach einem halben Jahr dort setzte er mit einem Boot über nach Griechenland und kam von dort nach Deutschland. „Ich wollte eigentlich nach Schweden“, sagt Ousama. Entfernte Verwandte des Syrers leben in Skandinavien. „Aber als ich in Deutschland war, hieß es, dass ich hier bleiben soll.“ Im August kam er nach Wolfratshausen. Und schnell stand für ihn fest: „Hier möchte ich ein Leben aufbauen und arbeiten.“ Dafür musste er die Sprache lernen. Zwar hatte Ousama in Aleppo neben Buchhaltung auch Englisch studiert, „aber ich konnte kein Deutsch“. Also setzte er sich an seinen Computer und lernte anhand von Videos und Sprachprogrammen Deutsch. „Das ist mir nicht schwergefallen“, sagt er. Wer den 29-Jährigen Deutsch sprechen hört, glaubt ihm das sofort.

Gelungene Integration

Dann machte sich Ousama auf Jobsuche. „Ich war im Sozialreferat in München und habe meinen Lebenslauf und Zertifikate von der Universität vorgelegt. Ich habe gesagt, dass ich unbedingt arbeiten möchte.“ Welchen Beruf er ergreifen wollte, das war ihm egal. „Ich hätte in einem Restaurant, einem Krankenhaus oder irgendeiner Firma gearbeitet“, sagt er. Aber am liebsten als Logistik-Manager, so wie in seiner Heimat. Drei Monate nach diesem Gespräch meldete sich eine Firma aus München bei ihm: „Mag&More“, ein Unternehmen, das medizinisch nutzbare Magnetstimulatoren produziert, suchte einen Mitarbeiter in der Logistik-Abteilung. Ousama hat „sofort zugesagt“. Bis vor einer Woche arbeitete er dort als Praktikant. Jetzt hat er eine feste Anstellung. Stolz präsentiert er die Visitenkarten, die ihm sein Arbeitgeber angefertigt hat. „Das ist eine richtige Arbeit“, freut er sich.

Die Arbeitswelt in Deutschland hat ihn in den ersten Monaten überrascht. „In Syrien haben wir jeden Tag elf Stunden geschuftet“, sagt er, „jetzt habe ich acht Stunden Dienst.“ Diese Arbeit belastet den Syrer auch weniger als in der Heimat – „weil die Kollegen nett sind, und die Chefs auch“. Das hat ihm die Eingewöhnungsphase immens erleichtert. „Ich habe zwar das meiste verstanden, aber manchmal musste ich nachfragen.“ Die Kollegen seien geduldig mit dem studierten Buchhalter gewesen. „Sie haben mir vieles erklärt und haben mir wirklich geholfen.“

Engagement im Helferkreis

Dank der Arbeit kann sich Ousama eine eigene Wohnung leisten. In seiner Freizeit engagiert er sich im örtlichen Helferkreis – als Dolmetscher oder Unterstützer bei verschiedenen Veranstaltungen. „Ich habe hier Freunde gefunden, treffe viele Menschen, alle sind nett zu mir.“

An seiner Situation möchte er nichts ändern. „Für mich ist klar, dass ich arbeite und mein Leben selbst finanziere.“ Ein Taschengeld vom Staat bekommt er nicht mehr, das möchte er auch gar nicht. „Ich will nicht, dass Menschen jeden Tag arbeiten gehen, und ich liege auf der Couch und bekomme dafür Geld“, betont er. Das sei eine Mentalitätsfrage: „Ich kenne das so. Wir sind fleißig.“ Ja, es gebe sicher auch Fälle, bei denen das anders ist, „aber für mich ist das ganz klar“.

Von Dominik Stallein

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