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Blaue Karten: Die Handball-Schiedsrichter Marcus Helbig (l.) und Lars Geipel zeigen die neuen Karten. Das Gespann pfiff auch bei Olympia in Rio. Zum Einsatz können die blauen Karten bei einer Disqualifikation kommen.

Eine Sportart im Umbruch

Neue Saison: Diese Handball-Regeln ändern sich

Bad Tölz-Wolfratshausen – Zur neuen Saison erwartet auch die Handball-Amateure in Bayern Neuerungen: Blaue Karten und Sieben-Feldspieler-Regelung werden eingeführt.

Bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro wurde es einem breiten Publikum vor allem durch spektakuläre Tore klar: Irgendwas läuft anders beim Handball. Denn die schlitzohrigen Treffer wurden von Torhütern erzielt. Dass dies jetzt auch in allen bayerischen Amateurligen – und somit auch für die Teams der HSG Isar-Loisach – möglich wird, ist einer Regeländerung der Internationalen Handball-Föderation (IHF) zu verdanken. Die trat zum 1. Juli in Kraft und birgt für die im September beginnende Saison noch andere Überraschungen. Merkur-Mitarbeiter Wolfgang Eichmann verfolgt und beschreibt künftig nicht nur die regionale Handballszene. Er ist auch in ganz Oberbayern als Schiedsrichter unterwegs. Weshalb der Regelfuchs prädestiniert dazu ist, den neuen Modus zu erklären.

Blaue Karte

Zunächst einmal gibt es jetzt zur Roten und Gelben auch die Blaue Karte. Sie kann bei einer Disqualifikation zusätzlich zur Roten Karte gezeigt werden und signalisiert allen Beteiligten (Teams, Offiziellen und Zuschauern), dass der Schiedsrichter über den Vorfall einen Bericht schreiben wird, der bereits ohne Beteiligung des Sportgerichts eine automatische Sperre nach sich zieht. Also ist das de facto keine Änderung, sondern nur eine Erweiterung der bestehenden Regelung.

Letzte 30 Sekunden

Anders verhält es sich bei Szenen, die sich in den letzten 30 Sekunden abspielen. Begeht ein Abwehrspieler in dieser Phase eine grobe Regelwidrigkeit oder unterbindet eine Wurfausführung, bekommt er die Rote Karte (ohne Bericht). Für die gegnerische Mannschaft gibt’s automatisch einen Siebenmeter-Strafwurf. Damit soll gezielt ein bewusst unsportliches Verhalten verhindert und genommene Chancen wiederhergestellt werden.

Passives Zeitspiel

Beim passiven Spiel (Zeitspiel) ist es nicht erlaubt, den Ball in Besitz zu halten, ohne erkennbaren Versuch, anzugreifen oder ein Tor zu erzielen (unabhängig vom Zeitpunkt). Genauso regelwidrig ist es, wiederholt die Ausführung eines An-, Frei-, Ein- oder Abwurfs der eigenen Mannschaft zu verzögern. Das wird nur als „passives Spiel“ betrachtet, das mit einem Freiwurf für die gegnerische Mannschaft geahndet wird – sofern die passive Tendenz nicht aufgegeben wird. Nach dem Anzeigen des Warnzeichens (senkrecht nach oben gestreckter Arm der Schiedsrichter) muss die ballführende Mannschaft den Angriff nach sechs Pässen abschließen. Wichtig ist: Die bisherige Regel bleibt bestehen. Das heißt: Die Schiedsrichter können weiterhin jederzeit auf passives Spiel ohne Vorwarnzeichen entscheiden, wenn sie den Eindruck der Verzögerung haben. Bei einem Frei- beziehungsweise Einwurf nach dem sechsten Pass ist noch ein weiterer Anspielversuch erlaubt.

Siebter Feldspieler

Wird ein siebter Feldspieler statt des Torwarts eingesetzt (das ist die Regel, die in Rio oft praktiziert wurde), muss er nicht zwingend ein in den Keeperfarben gehaltenes Leibchen tragen. Bei dieser Spielsituation darf der siebte Feldspieler den eigenen Torraum nicht zur Abwehr betreten. Geschieht das, ist dieser Spieler progressiv (wegen Unsportlichkeit) zu bestrafen. Die gegnerische Mannschaft erhält zudem einen Strafwurf. Die alte Regel (siebter Feldspieler mit Torwart-Leibchen) bleibt aber bestehen. In diesem Fall hat der Feldspieler die Möglichkeit, bei einem Gegenangriff als Torwart zu agieren. Es können während eines Spiels beide Varianten genutzt werden.

Verletzte Spieler

Auch der Umgang mit verletzten Spielern ist jetzt klar geregelt. Wird ein Offizieller bei einer Verletzung auf dem Spielfeld tätig, darf dieser Aktive danach nicht an den nächsten drei Angriffen teilnehmen. Damit soll künftig verhindert werden, dass Spieler mutwillig Gegenstöße unterbinden, indem sie eine Verletzungspause erzwingen. Die Überwachung erfolgt durch das Kampfgericht. Doch es gibt eine Ausnahme: Wird der Gegenspieler be-straft, entfällt diese Regel. Gleiches gilt für einen Kopftreffer des Torwarts, wenn er eine Behandlung benötigt. Das wird als Tatsachenentscheidung des Schiris gewertet und ist somit kein Grund für einen Einspruch. Das gilt auch, wenn der pausierende Spieler vom Kampfgericht zu früh wieder auf Feld geschickt wird. Betritt der Spieler von sich aus zu früh das Parkett, gibt’s eine Zwei-Minuten-Zeitstrafe. Diese neue, recht komplexe Regel gilt jedoch nicht für den in Oberbayern überwiegenden Jugend- und Amateurbereich.

Doch mit diesen Änderungen könnte in naher Zukunft noch längst nicht Schluss sein. Denn die IHF hat die Entscheidung getroffen, dass der Griff in die Harztube – die Baumsubstanz macht den Ball griffiger – künftig nicht mehr erlaubt sein wird. Stattdessen soll es einen haftenden Ball geben. Spekuliert wird mit einer Änderung ab der Saison 2017/18. Dieser Vorstoß hat in der Handballszene bereits viel Staub aufgewirbelt. Auch weil die angeführten Beweggründe für diese Entscheidung nicht wirklich nachvollziehbar sind.

von Wolfgang Eichmann

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