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2012 wurde das Kino von Gudrun Heigl und ihrer Tochter Cornelia John auf Digital umgestellt. Jetzt wird auch die Tontechnik modernisiert.

Neue Tontechnik macht Umbauarbeiten erforderlich

Wolfratshauser Kino schließt – aber nur für zwei Monate

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Das Kino in Wolfratshausen schließt. „Ja, davon haben wir auch schon gehört“, sagen Gudrun Heigl und ihre Tochter Cornelia John lachend. „Aber genauso sicher ist, dass wir wieder öffnen“, zerstreuen die Kinobetreiberinnen alle Gerüchte.

Wolfratshausen – Fakt ist: Das Lichtspielhaus wird ab 2. Mai für etwa zwei Monate geschlossen. Grund ist die Modernisierung der Tontechnik. Seit 1923 gibt es das Kino in Wolfratshausen. „Da hieß es noch ,Filmtheater‘“ erzählt Gudrun Heigl. Sie selbst hat es 1971 von ihrer Tante übernommen. „Damals gab es einen großen Saal mit 350 Sitzplätzen und einem Balkon“, erinnert sich die 74-Jährige. Tochter Cornelia John (48) berichtet von den Anfängen des Kinos: „Ganz früher wurde vor dem Hauptfilm noch die Wochenschau gezeigt, die über die neuesten politischen, kulturellen und sportlichen Ereignisse informierte. Zu dieser Zeit hatten ja die Wenigsten einen Fernseher.“ In Johns Jugend gab es zwar TV, aber nur drei Programme – und nachmittags das Testbild. „Heute hingegen weiß man oft gar nicht, wie viele Sender der Fernseher zu bieten hat.“

Jeder Familienabend ist um 19.30 Uhr zu Ende

Gudrun Heigl mit einer alten Filmrolle aus dem Jahr 1998. 

Apropos Jugend: Viele Kinder hätten sie bestimmt beneidet, dass ihre Familie ein Kino besitzt, meint die 48-Jährige. „So nach dem Motto: Die kann sich jeden Film anschauen.“ Dass dies mit viel Arbeit verbunden ist, würden die wenigsten sehen. „Für uns ist jeder Familienabend um 19.30 Uhr zu Ende – egal, ob am Wochenende oder unter der Woche. Man ist einfach gebunden.“ Zwei große Veränderungen hat das Kino seit 1923 erlebt: 1984 wurde ein weiterer Vorführraum mit 90 Plätzen eingerichtet. Anfang der 1990er-Jahre rückten erneut Bauarbeiter an und lösten den großen Saal auf – hier befindet sich heute die Radlwerkstatt Oswald. Stattdessen entstanden zwei Säle mit 92 beziehungsweise 94 Plätzen. John: „So waren wir flexibler.“ Die Technik hat sich in den vergangenen Jahrzehnten rasant verändert. „Ich weiß noch gut, wie wir die Filmkopien hin- und hergeschleppt haben“, erinnert sich Gudrun Heigl. „Und wehe, wenn die Rolle heruntergefallen ist und sich dabei abgespult hat. Einmal bin ich die ganze Nacht dagesessen, habe geschnitten und geklebt.“ Dass heute alle Filme digitalisiert sind, ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Erleichterung. Wog eine Rolle so an die 15 Kilo, „habe ich jetzt so eine Art Köfferchen mit zwei Kilogramm“, erklärt die 74-Jährige. Trotzdem ist sie schon etwas wehmütig: „Ich mochte das Herrichten sehr gerne.“

Anfang Juli will das Kino wiedereröffnen

Die neue Technik bedingt auch die nächste Veränderung im Kino an der Bahnhofstraße. Viele Filme sind mit weiteren Toneffekten hinterlegt, dem Dolby Surround 7.1. „Da fährt der Zug sozusagen direkt um einen herum“, erklärt Cornelia John und lacht. Deshalb müssen neue Kabel verlegt werden. Und weil ohnehin alles aufgerissen wird, „erneuern wir in diesem Zuge auch gleich die Stühle, den Boden und die Wandbespannung“.

Voraussichtlich Anfang Juli wird das Kino wiedereröffnet. Dann wird das Mutter-Tochter-Gespann wie eh und je nach der Vorstellung an den Ausgängen stehen und seine Gäste verabschieden. „Und natürlich noch ein wenig ratschen. Das Persönliche gehört für uns einfach dazu.“

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