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Neuer Stadtarchivar: Simon Kalleder (33) hat seine Begeisterung für Geschichte zum Beruf gemacht. 

Stadtarchiv Wolfratshausen

Geschichte zum Anfassen

Wolfratshausen - Simon Kalleder (33) ist der neue Archivar der Stadt Wolfratshausen. Er freut sich, die vielen Relikte der lokalen Geschichte betreuen zu dürfen. 

Simon Kalleder stöbert in alten Urkunden. Hinter ihm steht ein Regal mit Büchern, deren Alter biblisch anmutet. „Ich kann mich für so was einfach begeistern“, sagt der 33-Jährige lächelnd. „Diese alten Schätze finde ich unglaublich spannend.“ Für seinen neuen Job ist diese Einstellung die optimale Voraussetzung. Seit Beginn des Monats ist Kalleder neuer hauptamtlicher Stadtarchivar in Wolfratshausen. Die Stelle ist sein Traumberuf: „Ich wollte immer schon im Archiv einer kleinen bayerischen Kommune arbeiten.“ Dass Wolfratshausen auf eine über 1000-jährige Geschichte zurückblicken kann, macht die Arbeit umso spannender. Bei einer derart üppigen Historie ist klar, dass Kalleder noch nicht alle Archivarien in Augenschein nehmen konnte. „Einige Schätze habe ich aber schon gefunden“, sagt er.

Ein Brief von Ludwig II. an Bürgermeister Schneider

Kalleder zeigt einen Original-Brief von König Ludwig II., adressiert an den damaligen Wolfratshauser Bürgermeister Melchior Schneider. Verfasst wurde das Schreiben am 27. April 1864 – das Jahr, in dem der Märchenkönig den bayerischen Thron bestieg. Mit seinem Brief reagierte Ludwig II. auf ein Kondolenzschreiben Wolfratshausens nach dem Tod seines Vaters. Auf dem Tisch daneben liegen Luftaufnahmen der Loisachstadt von 1945. Akten von Gerichtsprozessen der Flößerinnung gegen einen Waffenschmied, die aus dem 18. Jahrhundert stammen, sind fein säuberlich im Regal hinter dem Tisch untergebracht. Kalleder öffnet einen der vielen Kartons, die sich in der Sammlung aneinanderreihen. Darin befindet sich eine Messingplakette zu Ehren eines Bischofs aus dem 17. Jahrhundert.

Das Archiv steht jedem Wolfratshauser offen

„Das Archiv besteht nicht aus staubiger Historie, das ist Geschichte zum Anfassen“, sagt Kalleder. Wer den 33-Jährigen über seinen Beruf sprechen hört, merkt sofort seine Begeisterung für die Relikte lokaler Geschichte. „Ich habe zuhause auch kleine Antiquitäten“, verrät er. Historische Bierkrüge, Kupferstiche, alte Bücher – bayerische Geschichte ist die Passion des Diplom-Historikers. Diese Euphorie möchte er auch an die Wolfratshauser weitergeben. „Das Archiv ist ja nicht nur dafür da, hochwissenschaftliche Fragen zu beantworten. Hierher kann jeder Bürger kommen, der sich für Geschichte interessiert.“ Kalleder hofft, dass viele Wolfratshauser das Angebot des neuen Stadtarchivs nutzen, das im Mai an der Bahnhofsstraße eröffnen soll. „Da gibt es große Ausstellungsräume, in denen wir die Archivalien ganz lebendig präsentieren können.“ Auch Vorträge sind angedacht. Mit dem neuen Standort in der ehemaligen Landwirtschaftsschule ist der Starnberger mehr als zufrieden. „Das ist hochmodern und trotzdem ein optimales Umfeld für die historischen Exponate.“

Als Kind war der Starnberger manchmal im Märchenwald

Der Diplom-Historiker arbeitete bis vor kurzem noch im Bayerischen Staatsarchiv in München. „Da hatte ich auch schon Berührungspunkte mit Wolfratshausen.“ Viele Akten zu Gerichtsprozessen in dem ehemaligen Landgericht am Untermarkt 10 wanderten dort bereits über Kalleders Schreibtisch. Auch als Kind war der gebürtige Münchner bereits in der Loisachstadt. „Mit meinen Eltern war ich gelegentlich im Märchenwald“, erinnert er sich. Dann lacht er: „Vom Märchenwald ins Stadtarchiv.“ Dominik Stallein

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