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Baustelle am Untermarkt 29: Das Gebäude, in dem sich einst ein Kramerladen befand, wird saniert.  

Gebäude am Untermarkt wird saniert

Neuer Glanz für‘s „Arme-Leute-Haus“

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Das „Arme-Leute-Haus“ am Untermarkt 29 ist in die Jahre gekommen. Jetzt wird es saniert. Im Erdgeschoss soll wieder ein Geschäft einziehen

Wolfratshausen Von der zweiflügeligen, grünen Eingangstür blättert die Farbe. Feine Risse ziehen sich durchs Mauerwerk. Das Schaufenster ist mit Papier zugeklebt, an der Scheibe laden verwitterte Plakate zu längst verklungenen Klavierkonzerten und Fußball-Camps für Kinder ein. Kurz: Der Lack ist ab, das Gebäude ist keine Augenweide mehr – und das schon eine ganze Weile.

Dieses Schicksal teilt das Haus Nummer 29 am Untermarkt mit ein paar anderen in die Jahre gekommenen Gebäuden in der Altstadt. Teilte, muss man sagen, um genau zu sein. Denn es gibt einen gravierenden Unterschied zu anderen angehenden Ruinen: Seit Kurzem wird das alte Gemäuer einer grundlegenden Sanierung unterzogen. Später soll im Erdgeschoss wieder ein Geschäft einziehen, in den Stockwerken darüber stehen rund 100 Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung. „Die Fassade bleibt stehen, der Rest wird abgerissen“, sagt Bauherr Hans Frey vom benachbarten Spielwaren Tausend. Die Vorderseite zur B 11 genießt Ensembleschutz.

Gebäude stand unter Denkmalschutz

„Früher stand das Haus mal unter Denkmalschutz“, erläutert Frey. Sonst hätte man es schon vor Jahren saniert. „Es hat ja keine Freude mehr gemacht, das Haus anzuschauen.“ Und kaufmännisch habe sich das verwinkelte Gebäude mit seinen Zwischendecken, Kleinst-Räumen und vielen Stufen „überhaut nicht mehr gerechnet“. Die Faszination der Denkmalpfleger rührte nach Ansicht des Bauherrn wohl vor allem daher, dass das einst als „Arme-Leute-Haus“ bezeichnete Gebäude ein sogenanntes Mitteldurchgangshaus gewesen sei. „Bei starkem Regen ist das Wasser vom Bergwald durch das Haus geflossen“, erzählt Frey. Ansonsten habe man wenig gefunden, was irgendwann einmal einen Denkmalschutz hätte rechtfertigen können. Deshalb sei auch das Denkmalpflegeamt inzwischen von seiner früheren Einschätzung abgerückt.

Vor wenigen Wochen konnte der Baukran im Garten aufgestellt werden, was sich als echtes Spektakel erwies. „Das war wirklich beeindruckend: Die haben den Kran wie ein Spielzeug übers Dach gehoben“, erinnert sich der Spielwarenfachmann an die Aktion, als der Markt für ein paar Stunden für den Verkehr komplett gesperrt werden musste. Nach Abschluss der Bauarbeiten (bis Ende dieses Jahres soll der Rohbau stehen) soll nicht nur die Fassade den früheren Charme des Hauses wieder zum Vorschein bringen. Auch die einstige Nutzung als Geschäftsraum soll wieder belebt werden.

Seit gut fünf Jahren stehen die Räume leer

Früher beherbergte das Haus Nummer 26 einen Kramerladen. „Da gab es alles: Bier und Brot, Salz und Butter, Hörnchen und Backwaren – so lange, bis die Inhaberin gesundheitlich nicht mehr in der Lage war, das Geschäft zu führen“, sagt Frey. Zuletzt beherbergte der putzige Laden am Obermarkt ein Käsegeschäft mit Cateringservice. Seit gut fünf Jahren stehen die Räume leer.

Während sich die Gespräche mit dem Denkmalpflegeamt in die Länge zogen („Der Architekt hat eine Detailzeichnung nach der anderen eingereicht“), kam kurzzeitig die Idee auf, im Erdgeschoss ein Café einzurichten. Doch die Pläne seien schnell vom Tisch gewesen, so der Bauherr. Das Gebäude verfiel zusehends, entwickelte sich „schrittweise zur Ruine“. Derzeit sind die Abrissarbeiten hinter der Fassade in vollem Gange. Der obere Giebel werde erneuert, dahinter entstehe alles neu. Erhalten bleibe auch der kleine Garten zum Bergwald hin. Im Erdgeschoss soll nach dem Wunsch des Bauherrn wieder ein Gewerbe einziehen. „Nichts Gastronomisches“, so Frey. Aber „von Einzelhandel bis zu Versicherung, Friseur oder Goldschmied“ könne er sich alles vorstellen. 

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