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Willkommen und Abschied: Dr. Elisabeth Kurzweil (re.) verlässt das Amtsgericht Wolfratshausen, Andrea Titz (li.) übernimmt die Nachfolge. Peter Küspert (Mitte), Präsident des Bayerischen Verfassungsgerichtshofs, lobte beide in hohen Tönen. 

Weiter geht‘s mit Frauenpower

Neuer Job für „Miss High Heels“: So war der Empfang für Andrea Titz

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Wechsel an der Spitze des Wolfratshauser Amtsgericht: Am Mittwoch wurde Dr. Elisabeth Kurzweil im Pfarrsaal St. Andreas emotional verabschiedet. Ihre Nachfolge tritt Juristin Andrea Titz an.

Wolfratshausen – Eine leichte Beklemmung war spürbar, als sich Dr. Elisabeth Kurzweil ans Mikrofon stellte. „Es ist nicht so leicht, nicht bewegt zu sein“, sagte sie angesichts der Lobreden, mit denen sie von ihren Vorrednern bedacht worden war. „Aber das Lob gebührt nicht mir allein“, sagt sie. Vielmehr reichte sie es weiter an ihr „unglaublich schlagkräftiges Verwaltungsteam“, ebenso an ihre „enorm engagierten Richterkollegen“.

Im Eildurchlauf ließ sie die sechs Jahre als Chefin des Wolfratshauser Amtsgerichts Revue passieren, bedankte sich bei Rechtspflegern, Gerichtsvollziehern und Wachtmeistern. Und als ihr beim Schwenk auf ihre neue Herausforderung – sie wird Senatsvorsitzende am Oberlandesgericht – plötzlich die Stimme versagte, wischte sich auch der eine oder andere im Publikum verstohlen eine Träne aus dem Augenwinkel.

Auch Richter haben Gefühle

Ja, auch Richter haben Gefühle. Das zeigte dieser emotionale Moment anlässlich der Verabschiedung der bisherigen Direktorin des Amtsgerichts, Dr. Elisabeth Kurzweil, und der Amtseinführung ihrer Nachfolgerin, Andrea Titz, im voll besetzten Pfarrsaal St. Andreas. Dort hatten sich am Mittwoch zahlreiche Vertreter aus allen Bereichen der Justiz zu einer festlichen Feierstunde eingefunden.

Thomas Engel, Präsident des Landgerichts München II, hob in seiner Eröffnungsrede hervor, dass es Kurzweil verstanden habe, dass „das Amtsgericht in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird und seinen festen Platz in der Mitte der Stadt hat“.

Dieses Bild machte Andrea Titz zu dem wohl bekanntesten Gesicht der bayerischen Justiz.

Peter Küspert, Präsident des Bayerischen Verfassungsgerichtshofs und des Oberlandesgerichts, richtete das Augenmerk darauf, dass am Amtsgericht Wolfratshausen zwei Frauen aufeinander folgen. Das wäre Anfang des vorigen Jahrhunderts noch „als Ausgeburt ungezügelter Fantasie verlacht worden“, sagte er. Beim Deutschen Richtertag 1921 hätten 248 von 250 anwesenden Richtern und Staatsanwälten Frauen die Eignung als Berufsrichterin abgesprochen. Sichtlich erfreut, dass diese Zeiten vorbei sind, zeigte sich Landrat Josef Niedermaier, der zum Führungswechsel am Amtsgericht sagte: „Wir setzen die Damenpower fort. Das tut uns allen gut.“´

Rechtssuchendes Publikum wird ernst genommen

Küspert würdigte, dass es unter der Führung der scheidenden Direktorin gelungen sei, auch dem rechtssuchenden Publikum das Gefühl zu vermitteln, dass es ernst genommen wird. In der neuen Direktorin Tietz habe man jemanden gefunden, der diesen Weg weitergehen werde, sagte Küspert.

Andrea Titz sei eine „ausgesprochen kluge Juristin“: So beschrieb Landgerichtspräsident Thomas Engel die neue starke Frau an der Spitze des Amtsgerichts. „Ihre große Aufmerksamkeit gilt dem Erscheinungsbild des Richters“, sagte Engel. Damit meinte er nicht das ausgeprägte modische Faible der Richterin, die einer breiten Öffentlichkeit durch ihre TV-Auftritte als Pressesprecherin des Oberlandesgerichts, unter anderem beim NSU-Prozess, bekannt geworden ist.

Dieser Zeit trauert Andrea Titz nicht nach. „Ich bin froh und stolz, hier sein zu dürfen“, beteuerte die Oberpfälzerin. Sie sei bestrebt, das Ansehen des Amtsgerichts in der öffentlichen Wahrnehmung weiter zu fördern. „Vertrauen und Akzeptanz gewinnt der Bürger nicht durch brillante Rechtsausführungen, sondern dadurch, wie wir mit ihm umgehen.“ Das passende Motto für beide Frauen formulierte Kurzweil, nachdem sie ihre Stimme wiedergefunden hatte. „Feuer frei für neue Ideen und frischen Wind“, rief sie ihrer Nachfolgerin zu. „Wir können uns nicht aussuchen, woher der Wind weht, aber wir können die Segel richtig setzen.“

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