Dr. Fritz Fenzl
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Kraftort: Dr. Fritz Fenzl in Holzhausen, wo ein Unwetter die 1000-jährige Linde fällte – die kleine Madonna aber unversehrt blieb.

Eine Linde in Holzhausen, die Villa Max und anderes mehr

Neues Buch über mystische Ort im Oberland

  • Sabine Hermsdorf-Hiss
    VonSabine Hermsdorf-Hiss
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Unheimliche Orte ziehen Fritz Fenzl an. Darüber hat er jetzt ein Buch geschrieben - mit vielen Beispielen aus dem Oberland.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Ein magischer Hügel, der Fußabdruck des Teufels, Geisterbeschwörung und ein Urtier auf dem Grund des Sees: Bayern ist voller Schauplätze von Sagen und Legenden. Dr. Fritz Fenzl hat 75 dieser Plätze besucht und deren Geschichten in dem „Buch der unheimlichen Orte in Bayern – Mystische Plätze und ihre Geschichten“ niedergeschrieben. Die Fotos dazu stammen von Raphael Lichius.

So berichtet Fenzl von der „Tausendjährigen Linde“ bei Holzhausen, die in ihrem Stamm eine kleine Madonna beherbergte. 1996 zog ein heftiges Unwetter auf, dem der Baum zum Opfer fiel. Doch die Marienfigur in ihrer Baumgrotte blieb unversehrt. „Vor Ort kann man ein gewisses Britzeln und Kribbeln unter den Fußsohlen spüren“, beschreibt der Autor seine eigenen Empfindungen. „Ein klassischer magischer Ort mit schier unglaublicher Kraft von unten her.“

Die Villa Max: Ein Geisterhaus?

Nur ein paar Kilometer weiter, direkt am Starnberger See, steht laut Fenzl ein Geisterhaus. Hier, in der fast vollkommen verfallenen Villa Max, lebte einst der bedeutende Maler Gabriel von Max, der als Okkultist bekannt war. In geheimen Séancen rief er Geister an. „Und die sind immer noch da“, glaubt Fenzl. „Von Max hat wissentlich Grenzen überschritten – und das spürt man hier.“

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Einige Kilometer weiter südlich hingegen, im Walchensee bei Kochel, soll ein Urtier auf dem Grund hausen. Ruhig, sich selbst in den Schwanz beißend, bildet er eine Art magischen Ring. Der Sage nach musste jährlich ein Opfer gebracht werden, meist in Form eines Goldrings. Denn wehe, wenn sich seine Kraft eines Tages wie eine Explosion entlädt...

Fenzl hat das Buch in vier Regionen (München, Oberbayern, Allgäu und Schwaben, Franken) unterteilt. In einem Infokasten weist er zudem auf die besondere Charakteristik des jeweiligen Ortes hin, oft mit einem Augenzwinkern. Auch finden sich hier Tipps zur Einkehr. „So ist im Ambacher Landhotel Huber“, schwärmt Fenzl beispielsweise, „der Saibling Müllerin ein Erlebnis.“

Der Autor hat 65 Bücher geschrieben

Der Autor wurde 1952 in München geboren. Zum Schreiben – er war in den 70ern der jüngste Turmschreiber – kam er als Student (Germanistik, Katholische Theologie, Geschichte, Kunstgeschichte und Bildhauerei), seine Promotion handelte von Ludwig Thoma. Später leitete er neun Jahre lang das Münchner Literaturarchiv Monacensia, verfasste neben 65 Büchern Texte für den Bayerischen Rundfunk.

Das Interesse am Magischen und seine Orte entdeckte Fenzl bereits sehr früh, es wurde durch eigene Recherchen über Sagen und Wunder noch vertieft. „Zudem bin ich eine lebendige Wünschelrute“, sagt er und lacht dabei herzlich. „Ich spüre zum Beispiel Wasseradern im Boden nur mit den Händen.“ Und: „Alle Orte haben ihren Grund – im negativen wie im positiven Sinn.“

Lektüre für graue Herbsttage: Fritz Fenzls neues Buch.

Dass besonders negative Plätze auch Negatives anziehen, fiel ihm zusätzlich zu seinen Recherchen auf. „Eine kerzengerade Strecke im Bayerischen Wald – und dennoch passieren hier immer wieder schwere Unfälle. Oder die Großhesseloher Brücke. Warum wählen so viele Menschen den gleichen Ort für einen Freitod?“ Verschiedene Quellen vermelden übereinstimmend, dass zwischen 1877 und 1978 rund 290 Menschen von hier aus in den Tod sprangen. „Das kann kein Zufall sein.“ Beim Neubau der Brücke vor 35 Jahren wurde daher der Fußgängerüberweg vergittert.

Info:
„Das Buch der unheimlichen Orte in Bayern – mystische Plätze und Geschichten“ erscheint im J. Berg Verlag für 22,99 Euro unter ISBN 978-3-86246-702-0

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