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Im alten Pumpenhaus am Loisachufer soll das Heimatmuseum einen Platz finden. Ein Anbau soll Wechselausstellungen dienen. 

Gemeinsamer Vorstoß von drei Parteien

Neues Heimatmuseum am Loisachufer

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Die Bürgervereinigung Wolfratshausen (BVW), die SPD und die Grünen wollen das „Gezerre“ um die städtische Immobile am Untermarkt 10 beenden. Der Bürgermeister soll prüfen, ob die Städtische Wohnungsbaugesellschaft das denkmalgeschützte Eckhaus übernehmen und sanieren kann.

Wolfratshausen – Lange Zeit sah es so aus, als ob am Untermarkt 10 ein Bürgerladen eingerichtet wird. Doch die Wolfratshauser entschieden in einem Bürgerentscheid: Nein, an dem Standort kommt das nicht infrage. Kurz darauf kam die Hiobsbotschaft: Die Sanierung der Immobilie wird teuer. Zu teuer für die Kommune, bilanzierte der Stadtrat und fasste den Beschluss, das Haus einem privaten Investor anzubieten, der es in Erbbaurecht übernehmen kann. Doch ein Interessent fand sich bis heute nicht – zudem war eine wichtige Frage unbeantwortet: Was wird aus dem Heimatmuseum, das im Obergeschoss am Untermarkt 10 untergebracht ist?

Untermarkt 10 der StäWo überlassen?

BVW, SPD und Grüne haben in der jüngsten Stadtratssitzung einen Vorschlag auf den Tisch gelegt, der gleich drei Standorte beziehungsweise Liegenschaften der Stadt umfasst. Stadträtin Krischke erläuterte das Vorgehen in drei „Modulen“. Punkt eins: Das Haus am Untermarkt 10 soll der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft (StäWo), eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der Kommune, übertragen und saniert werden. Voraussetzung: Die Immobilie wird geräumt, das heißt, das Heimatmuseum mit Hunderten Exponaten muss raus. 17 Stadträte sagten Ja zu diesem Vorschlag, die sieben Vertreter der CSU stimmten dagegen.

Punkt zwei: Das alte Pumpenhaus am Loisachufer wird neue Heimat fürs Heimatmuseum. Dazu müsste die in die Jahre gekommene Immobilie ertüchtigt und durch einen Anbau vergrößert werden. Mit 17:7 Stimmen sprach sich der Stadtrat dafür aus, dass Bürgermeister Klaus Heilinglechner die Weichen für dieses Projekt stellt und prüfen lässt, ob für diese Maßnahme mit staatlichen Zuschüssen zu rechnen ist.

Das dritte Modul, für das Krischke im Namen der drei Fraktionen warb: Die alte Happ’sche Apotheke am Untermarkt 13, die die Stadt im vergangenen Jahr gekauft hat, könnte (während der Bauphase am alten Pumpenhaus) als Zwischenlösung fürs Heimatmuseum dienen. Darüber hinaus möchten BVW, SPD und Grüne eine Tourist-Info mit Souvenir-Verkauf, den Kartenverkauf für Veranstaltungen, ein Trauzimmer sowie Räume für den noch zu suchenden City-Manager und für die städtische Kulturmanagerin Marion Klement in dem Gebäude schaffen. Für die Ausarbeitung eines konkreten Nutzungskonzepts votierten 16 Räte, acht lehnten den Antrag ab.

Fleischer vermisst Kostenaufstellung

Kritik an dem Drei-Punkte-Plan kam aus den Reihen der CSU. Alfred Fraas zeigte sich verwundert über die „Immobilien-Rochade“. Er plädierte dafür, auf dem eingeschlagenen Weg zu bleiben, das heißt, das Haus am Untermarkt 10 einem Investor zu überlassen. Mit Blick auf die geplante Erweiterung des Pumpenhauses an der Loisach rechnet Fraas mit Protest aus der Bevölkerung. So platzte vor einigen Jahren das Vorhaben, am westlichen Loisachufer ein neues Stadtarchiv zu bauen, durch einen Bürgerentscheid. Summa summarum sei er angesichts der noch zu erwartenden großen finanziellen Herausforderungen (Stichwort S-Bahn-Verlängerung) nicht bereit, drei Großbaustellen in der Stadt anzulegen. „Wir nehmen sehr viel Geld in die Hand, das an anderer Stelle fehlen wird“, urteilte Fraas.

Sein Fraktionskollege Dr. Manfred Fleischer hieb in dieselbe Kerbe. Er vermisste „seriöse Angaben, was das alles kostet“. Fleischer meldete Zweifel an, dass die StäWo aufgrund ihrer bereits hohen Schuldenlast dazu geeignet ist, die Immobilie am Untermarkt 10 zu sanieren. Wie berichtet rechnet der von der Stadt beauftragte Bauplaner Anton Leitner damit, dass die Arbeiten rund zwei Millionen Euro verschlingen werden. „Für einen Schnellschuss stimme ich nicht“, konstatierte Fleischer, einen „finanzpolitischen Blankoscheck“ werde er nicht unterschreiben.

Dasselbe galt für Peter Plößl (CSU). Der Stadtrat sollte „aus Fehlern lernen“, sagte er mit Hinweis auf die Sanierung der Loisachhalle. Plößl warnte vor einem „finanziellen Abenteuer“. Es sei geradezu fahrlässig, „so ein gewaltiges Projekt ohne belastbare Zahlen“ zu beginnen.

Meixner: „Keine Rolle rückwärts“

„Es wird ja noch nicht morgen gebaut“, betonte Krischke. Erst würden die Planer beauftragt, anschließend könne man über konkrete Kosten reden, pflichtete ihr der Fraktionsvorsitzende der SPD, Fritz Meixner, bei: „Eine Kosten-Verifizierung muss natürlich sein.“ Meixner legte Wert auf die Feststellung, dass der Stadtrat mit seiner Entscheidung „keine Rolle rückwärts macht“. Nicht zuletzt durch den Kauf der Happ’schen Apotheke habe sich „eine neue Ausgangslage“ ergeben. In puncto Museumsneubau am westlichen Loisachufer (Rathausseite) versprach Bürgermeister Heilinglechner: „Wir werden eine Gestaltung hinkriegen, die auch dem Bürger gefallen wird.“

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