Ein Mann hält einen Zettel hoch.
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Da schaut her: Mitte Oktober präsentierte Wolfratshausens Bürgermeister Klaus Heilinglechner den Entwurf der Außenansicht des am Hammerschmiedweg geplanten neuen Schulzentrums. Die Planung stammt vom Büro „karlundp“.

An Planung festhalten – oder Fraas-Entwurf prüfen?

Neues Schulzentrum in Wolfratshausen: Stadträte am Scheideweg

  • Carl-Christian Eick
    vonCarl-Christian Eick
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In Wolfratshausen sollen die Würfel nun fallen: Wie geht‘s mit dem am Hammerschmiedweg geplanten neuen Schulzentrum weiter? Die Planungen begannen 2016.

  • 2016 begannen die Planungen für ein neues Schulzentrum in Wolfratshausen.
  • 60 Millionen Euro Investitionskosten stehen im Raum.
  • Kulturreferent Alfred Fraas (CSU) hat ein deutlich günstigeres Konzept vorgelegt.

Wolfratshausen – Vor vier Jahren begannen die Planungen für ein neues Schulzentrum in der Innenstadt. Stand heute kostet die Sanierung- und Erweiterung der Grund- und Mittelschule am Hammerschmiedweg rund 60 Millionen Euro. Doch das Planungsbüro „karlundp“ hat wie berichtet etwa 20 Millionen Euro Einsparpotenzial ausgemacht. In der Stadtratssitzung am Mittwoch (18 Uhr, Loisachhalle) zücken die Räte voraussichtlich ihre Rotstifte. Oder es schlägt die große Stunde von Kulturreferent Alfred Fraas.

Schon im Oktober hätten die Bürgervertreter entscheiden sollen: Tiefgarage ja oder nein, der Neubau eines Lehrschwimmbads am Hammerschmiedweg oder nicht, der Verzicht auf Schulcontainer während der Bauzeit? Zehn einzelne Module hat das Münchner Architektenbüro „karlundp“ unterm Strich ausgemacht, auf die die Flößerstadt verzichten könnte – ohne das grundsätzliche Vorhaben, eine zukunftsfähige Schule zu schaffen, zu gefährden. Doch die Würfel fielen im vergangenen Monat noch nicht, denn kurz vor Sitzungsbeginn hatte Altbürgermeister Erich Brockard (83) sein Veto eingelegt. Inzwischen ist sein Einwand (Stichwort Eingemeindungsvertrag) von der Rechtsaufsicht des Landratsamt geprüft und als nicht stichhaltig beurteilt worden.

Rechtsaufsicht: Einwand des Altbürgermeisters nicht stichhaltig

Mit dem Konzept, am Hammerschmiedweg in der Wolfratshausen Innenstadt für einen hohen zweistelligen Millionenbetrag ein neues Schulzentrum zu schaffen, ist die Auflösung der Weidacher Schule verknüpft. Nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Erwägungen, denn die Sanierung des Schulgebäudes an der Weidacher Hauptstraße sowie des seit Jahren geschlossenen Lehrschwimmbeckens im Untergeschoss würde summa summarum gut sechs Millionen Euro kosten.

Allerdings legte Altbürgermeister Erich Brockard (83) im Oktober sein Veto ein: Er pochte in einem Brandbrief an Heilinglechner auf den Erhalt der Schule an der Weidacher Hauptstraße sowie die Wiedereröffnung des Lehrschwimmbads. Dies, so Brockard, sei im Eingemeindungsvertrag, den die einst selbstständige Gemeinde Weidach und die Stadt Wolfratshausen 1975 geschlossen haben, so festgeschrieben.

Rathauschef Heilinglechner ließ den aus seiner Sicht „relevanten Einwand“ Brockards wie berichtet von der Rechtsaufsicht des Landratsamts prüfen. Das Ergebnis: Der vom Altbürgermeister ins Feld geführte Vertragspassus gelte nur, falls der Schulsprengel nicht geändert wird. Dies sei jedoch 1992 geschehen. Und: Im Eingemeindungsvertrag sei nicht der dauerhafte Bestand der Weidacher Schule fixiert, sondern die Klausel, dass die Kommune das Gebäude nicht verkaufen darf. Eine eventuelle Nutzungsänderung, so Heilinglechner im Gespräch mit unserer Zeitung, sei nicht explizit ausgeschlossen. Er hatte diese Informationen zunächst mündlich erhalten. Inzwischen „liegt das Prüfungsergebnis schriftlich vor“, so der Rathauschef am Donnerstag auf Nachfrage. (cce)

Ausführlich mit dem angedachten Schulzentrum befasst hat sich auch ungefragt Kulturreferent Fraas (CSU). Er präsentierte ein eigenes Konzept, das nach seinen Worten alles beinhaltet, „was sich die Stadt von dem Projekt erhofft hat“. Fraas hat ausgerechnet, das die Umsetzung seines Vorschlags etwa 24 Millionen Euro kosten würde – inklusive Lehrschwimmbecken, einer zusätzlichen Dreifachturnhalle und einer „Halbtiefgarage mit Platz für bis zu 40 Pkw“.

Rathauschef und Schulreferent haben Zweifel

Rathauschef Heilinglechner (BVW) und der Schulreferent des Stadtrats, Fritz Meixner (SPD), meldeten in einem Pressegespräch erhebliche Zweifel am Fraas-Konzept an. Für Meixner ist das „kein Alternativentwurf“, weil sein christdemokratischer Stadtratskollege „von anderen Grundlagen ausgegangen ist“. Laut Meixner und Heilinglechner fehlen im Fraas-Entwurf unter anderem Klassenzimmer. Denn: Auch die Mittelschule Waldram soll ins neue Schulzentrum am Hammerschmiedweg integriert werden, so Meixner. Die CSU-Fraktion und die Wolfratshauser Liste haben jedoch gemeinsam beantragt, dass das Konzept des Kulturreferenten überprüft wird. „Dann müssten wir ganz von vorne beginnen“, gibt Bürgermeister Heilinglechner zu bedenken. Er legt Wert auf die Feststellung, dass das Büro „karlundp“ ausnahmslos das geplant habe, „was der Stadtrat beschlossen hat“.

Nun ist das Gremium am Mittwoch wieder gefragt: Zunächst steht auf der Tagesordnung die „weitere Entscheidung“ über die Eingliederung der Grundschule Weidach in das Großprojekt. Dann folgt – oder auch nicht – die „Bestätigung der Variante zwei“ des Schulentwicklungskonzepts. Demnach soll „der erste Zug der Mittelschule Waldram in das Schulzentrum am Hammerschmiedweg integriert werden“, erklärt Heilinglechner im Gespräch mit unserer Zeitung. Das wären alle fünften bis neunten Klassen sowie die sogenannte M-Klasse.

Fürs Fraas-Konzept könnte es buchstäblich eng werden

Danach steht die Abstimmung an, ob der Entwurf von Fraas geprüft werden soll. Der nächste Tagesordnungspunkt heißt: „Sanierung und Erweiterung der Grund- und Mittelschule am Hammerschmiedweg, hier: Einsparungen.“ Ja, sagt Heilinglechner, die Reihenfolge der Tagesordnung „legt der Bürgermeister fest“. Und ja, er habe sich bei der Reihung etwas gedacht. „Was? Das werde ich der Heimatzeitung nicht vor der Sitzung sagen.“ De facto ist es so: Stimmen die Stadträte dem Umzug der Weidacher Grundschule sowie der Waldramer Mittelschule in die Innenstadt zu, könnte es mit dem Fraas-Konzept im buchstäblichen Sinne eng werden.

Eines steht allerdings schon fest: Sollte der Antrag von CSU und Liste WOR, den Fraas-Plan vertieft zu untersuchen, eine Mehrheit finden, würde der Tagesordnungspunkt „Einsparungen“ beim „karlundp“-Projekt „gestrichen“, so der Bürgermeister. Dazu muss man wissen: CSU und Liste WOR stellen zusammen nur acht von 25 Stadtratsmitgliedern. Angeblich kann CSU-Fraktionschef Peter Plößl auch nicht mit allen seinen Parteifreunden mit Blick auf das Schulbaukonzept des Kulturreferenten rechnen. (cce)

Lesen Sie auch: Das sagt Schulreferent Fritz Meixner zum geplanten Schulzentrum in Wolfratshausen.

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