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Sensible Schnittstelle: Am Rande des FFH-Gebiets soll ein Wasserkraftwerk entstehen.

Am Loisach-Isar-Kanal zwischen Farchet und Waldram

Neues Wasserkraftwerk: Sorge um die Flößerei

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Wolfratshausen - Am Loisach-Isar-Kanal ist die Errichtung eines Wasserkraftwerks geplant. Ist deswegen die Flößerei in der Stadt in Gefahr? Es gibt kritische Stimmen.

6500 Megawattstunden Leistung will die Wasserkraft Farchet GmbH, die sich aus den beiden Anteilseignern Bayernwerk Natur GmbH und Wasserkraft Oberland GmbH zusammensetzt, mit ihrem Kraftwerk produzieren. In der aktuellen Projektierungsphase geht es aber noch nicht ums Baurecht, sondern „um die wasserrechtliche Thematik“, betonte CSU-Fraktionschef Günther Eibl in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses.

Gemäß den Antragsunterlagen ist vorgesehen, eine so genannte Kaplanturbine zur Wasserkraftnutzung einzubauen und einen Fischabstieg zu errichten. Um eine ausreichende Fallhöhe von 4,50 Metern zu erreichen, soll die Sohle des vorhandenen Unterwasserkanals vertieft werden. Die geplante Gesamtbauzeit beträgt ein knappes Jahr. Die Zufahrt zur Baustelle würde über die Farcheter Mehrzweckhalle und den nördlich des Kanal verlaufenden Fuß- und Radweg führen. „Hierfür werden unter anderem Grundstücke der Stadt Wolfratshausen zur Verbreiterung des bestehenden Weges benötigt“, berichtete Bürgermeister Klaus Heilinglechner (Bürgervereinigung). Die Kommune würde es jedoch lieber sehen, wenn die Baustellenfahrzeuge über die B 11 zur Waldramer Brücke, zur Grubigsteinstraße und dann über den Fuß- und Radweg rollen würden.

Hast die Wasserführung fatale Folgen für die Flößerei?

Ein zweiter Knackpunkt ist die Wasserführung. Durch die Baumaßnahme könnte zu bestimmten Zeiten der Pegel der Loisach sinken – das hätte fatale Folgen für die Flößerei. „Wir dürfen den Flößern nicht das Wasser abgraben“, konstatierte der Rathauschef. Sollte die internationale Flößerstadt Wolfratshausen plötzlich auf dem Trockenen sitzen, wäre das der Treppenwitz des Jahrhunderts. Er, Heilinglechner, stehe diesbezüglich in Kontakt mit den Flößerbetrieben – und werde die Forderung hinsichtlich einer Mindestwassermenge „mit dem Wasserwirtschaftsamt besprechen“. Es sei unverzichtbar, dass die Flöße in der Saison vom 1. Mai bis Anfang/Mitte September in Weidach problemlos vom Ufer ablegen könnten. Auch das Kastenmühlwehr „muss mit der nötigen Mindestwassermenge bedient werden“, betonte der Bürgermeister.

Einige Stadträte sorgen sich um die Flora und Fauna

Der Fraktionsvorsitzende der Bürgervereinigung, Josef Praller, sowie Grünen-Stadtrat Dr. Hans Schmidt sorgten sich um die Folgen für Flora und Fauna. Schmidt stellte vor diesem Hintergrund drei Anträge, die die Gremiumsmitglieder einstimmig befürworteten:

  • Die Mindestwassermenge der Loisach muss so groß sein, dass weder Flora noch Fauna geschädigt werden. „Vernasste Flächen“, die derzeit als Biotope dienen, dürften als Folge des Kraftwerksbaus „nicht austrocknen“, stellte Schmidt fest.
  • Die in den Loisach-Isar-Kanal eingeleitete Wassermenge muss kontinuierlich gemessen und im Internet öffentlich zugänglich gemacht werden.
  • Der beabsichtigte Eingriff in FFH-Gebiet muss detailliert beschrieben und dargestellt werden.

Kraftwerk kann 1200 Haushalte mit Öko-Strom versorgen

„Warum greifen wir an dieser sensiblen Schnittstelle zum FFH-Gebiet ein?“, fragte sich Praller. Er betrachtete vor allem das vom Bauherrn vorgesehene Zwischenlager, das 4000 Kubikmeter Erdaushub aufnehmen soll, kritisch. Auf der anderen Seite, überlegte Praller weiter, könnten durch das Wasserkraftwerk rund 1200 Haushalte mit sauberem Öko-Strom versorgt werden.

Zerstreuen konnte Bürgermeister Heilinglechner die Befürchtung von Stadträtin Dr. Ulrike Krischke (Bürgervereinigung). Das Projekt Surfwelle würde durch das Bauvorhaben nicht gefährdet. Der Kraftwerksbetreiber an der Weidach-Mühle – dort soll die Surfwelle in einem Loisach-Nebenarm installiert werden – habe von Eon Wasserkraft „die Zusicherung“ der für den Betrieb benötigten Wassermenge.

cce

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