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Kunst ist bunt: Der „Sirenenchor“ aus Wolfratshausen und Geretsried stimmte die Gäste in der gut gefüllten Loisachhalle am Freitagnachmittag musikalisch auf die Kunstmeile sechs ein. Die Ausstellung von Werken knapp 100 Künstler an rund 70 Standorten im öffentlichen Raum dauert bis zum 8. Oktober.

Kunstmeile sechs eröffnet 

Nicht das Brot, aber der Wein des Lebens

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In den nächsten 14 Tagen begegnet man in Wolfratshausen auf Schritt und Tritt Bildern, Grafiken, Skulpturen, Fotografien und Installationen: Am Freitagnachmittag ist die Kunstmeile sechs eröffnet worden.

Wolfratshausen– Zwei, drei leere Schaufenster in der Innenstadt waren für den Verein Lebendige Altstadt Wolfratshausen (LAW) der Auslöser: „Wir haben seinerzeit die Hauseigentümer gefragt, ob wir die Schaufenster mit Kunstobjekten schmücken dürfen“, erinnert sich LAW-Vorsitzender Hans-Werner Kuhlmann. Die Idee entwickelte sich zur Erfolgsstory. Für die mittlerweile sechste Kunstmeile in der Flößerstadt bewarben sich sage und schreibe 110Künstler. Erstmals entschied eine dreiköpfige Jury, bestehend aus den Wolfratshauser Malern Sandra Eder und Hamit Cordan sowie Kunsthistorikerin Ute Gatzka, wer vom 22. September bis zum 8. Oktober dabei sein darf. Offiziell eingeläutet wurde die Kunstmeile sechs am Freitagnachmittag in der Loisachhalle.

Kunst ist bunt: Das bewies der „Sirenenchor“, der zu Beginn der Vernissage die Bühne des Musentempels in Beschlag nahm. Die grell geschminkten und gewagt kostümierten Hobby-Sängerinnen aus Wolfratshausen und Geretsried (die von einigen Kindern und Vertretern des vermeintlich starken Geschlechts unterstützt wurden), stimmten die Zuhörer unter anderem mit dem Lied „Mein kleiner grüner Kaktus“ auf die Kunstmeile ein. „Odysseus hat die Sirenen gehört und starb – sie haben’s überlebt“, bemerkte Kuhlmann mit einem Augenzwinkern. Für die passenden musikalischen Töne in der Loisachhalle sorgte zudem das Jugendensemble der Stadtkapelle Wolfratshausen.

„Die Innenstadt wird zu einer Open-Air-Galerie“, freute sich der LAW-Vorsitzende. Kunst fördere das Miteinander „und erhebt sich über Grenzen“, betonte Kuhlmann. Dem Organisationsteam (Ute Gatzka, Astrid Göpfert, Marianne Wirth-Grabow und Arnold Sedlmayr) überreichte er als Dankeschön Blumensträuße beziehungsweise einen guten Tropfen aus dem italienischen Piemont. Das Quartett sowie Kuhlmann haben heuer unterm Strich gut 1000 Arbeitsstunden ehrenamtlich in die Kunstmeile investiert. Gewidmet ist die Ausstellung dem deutschen Dichter und Publizisten Jean Paul (1763 bis 1825). Der stellte fest: „Die Kunst ist zwar nicht das Brot, aber der Wein des Lebens.“ In diesem Sinne wünschte Kuhlmann allen Besuchern der Kunstmeile, „die Kunst zu genießen“.

Schirmherr Bürgermeister Klaus Heilinglechner stellte fest, „dass Kunst in der heutigen Zeit oft verkannt wird“. Er empfahl, sich die Muße zu nehmen, um Kultur in all’ ihren Facetten zu genießen. „Sie wissen nicht, was ihnen sonst entgeht.“ Die Kunstmeile, so der Rathauschef, sei „eine wahre Bereicherung für unsere Stadt“. Heilinglechners Dank galt dem Verein LAW, aber auch dem Werbekreis Einkaufsstadt Wolfratshausen. Dessen Mitgliedsbetriebe stellen den Künstlern ihre Schaufenster und/oder Verkaufsräume zur Präsentation der Werke zur Verfügung. Kunst finde in den nächsten zwei Wochen vor Ort, im öffentlichen Raum statt, so der Bürgermeister. Das sei ein Alleinstellungsmerkmal der Flößerstadt.

Gemälde in Geschäften? Das sei nicht jedermanns Sache, räumte Kuhlmann ein. Doch Kunst und Kommerz seien genau genommen seit Albrecht Dürer keine Todfeinde mehr. Stattdessen seien sie eine Symbiose eingegangen.

In einem Punkt stimmten Kuhlmann und Heilinglechner am Freitag überein, beide hatten dasselbe Zitat von Karl Valentin in ihr Grußwort-Manuskript geschrieben: „Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit.“

An die Kunstmeilen-Vernissage schloss sich nahtlos die vom Werbekreis organisierte „Late Night“ in der Innenstadt an.

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