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Zu einer Geldstrafe wurde ein Wolfratshauser vom Amtsgericht verurteilt. Sein Delikt: Fahrlässige Gefährdung des Straßenverkehrs.

Verhandlung vor dem Amtsgericht

Nierenversagen bei voller Fahrt

Wolfratshausen - Wegen eines Nierenversagens, das ihn in voller Fahrt ereilte, hat ein Wolfratshauser einen anderen Wagen auf der Autobahnausfahrt gerammt. Dafür musste sich der Mann jetzt vor dem Amtsgericht verantworten. 

Der Mann aus Gauting (39) sah das Unglück kommen. Er war am 14. Juni vergangenen Jahres auf dem Weg in den Wolfratshauser Märchenwald und unterhielt sich mit seiner Mutter, als er Rückspiegel sah, dass ein Auto mit großer Geschwindigkeit von hinten auf ihn zukommt. Auf der Autobahnausfahrt Wolfratshausen kam ihm der fremde VW-Bus immer näher. „Ich wollte ausweichen, vorfahren, aber es ging nicht, die Autos stauten sich an der Ampel.” Im nächsten Moment krachte ihm der Bus ins Heck und drückte seinen Pkw in die Leitplanke.

Der Wolfratshauser erinnert sich nur an den Aufprall - dann an nichts mehr

Jetzt musste sich der Fahrer des Busses, ein Wolfratshauser (58), wegen fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs vor dem Strafrichter verantworten. Wie sich herausstellte, war es ein akutes Nierenversagen, das den Angeklagten befallen und zu dem Unfall geführt hatte. Der Wolfratshauser war am Fronleichnamstag auf dem Rückweg von München nach Wolfratshausen. „Den Aufprall habe ich mitbekommen, mehr weiß ich nicht”, erklärte der Mann. Weil Alkoholgenuss als Unfallursache ausschied, wurde der Mann nach der Kollision auf dem Autobahnzubringer im Streifenwagen ins Krankenhaus gefahren. Dort wurde das Nierenversagen festgestellt.

Die zentrale Frage: Hätte der Fahrer das Unglück verhindern können?

In der Verhandlung ging es um die Frage, ob der Angeklagte hätte erkennen können, dass er nicht mehr fahrtüchtig war und somit das Unglück hätte verhindert werden können. So stellte es jedenfalls die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklageschrift dar. Ein medizinischer Gutachter erklärte: „Die Niere hat hier zwar ihre Funktion vollkommen eingestellt. Aber es hätte für den Fahrer durchaus noch Wahlmöglichkeiten gegeben.” Seine Einschätzung stützte der Experte auch auf die Beobachtung eines Zeugen. Dieser war auf der Fahrt in die Berge ein Stück hinter dem Wolfratshauser hergefahren und hatte beobachtet, wie dieser Schlangenlinien fuhr. Das Handyvideo, das er aufgenommen hatte, zeigte, dass der VW-Bus mehrmals leicht nach links über den Mittelstreifen fuhr, aber sofort wieder nach rechts zog. Das bewusste Gegensteuern zeige, dass er wahrgenommen habe, das etwas nicht stimmte, so der Gutachter.

Das Urteil: 1050 Euro Strafe und acht Monate Führerscheinentzug

Dem schloss sich Richter Helmut Berger in seiner Urteilsbegründung an. „Er hätte an der Rastanlage Höhenrain raus fahren, stehen bleiben und den Krankenwagen rufen können”, sagte er. Das Gericht verurteilte den Wolfratshauser zu einer Geldstrafe von 70 Tagessätzen zu je 15 Euro (gesamt 1050 Euro), auf seinen Führerschein muss der 58-Jährige insgesamt acht Monate verzichten. Rudi Stallein

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