Flößer Josef Seitner und der Hauptgeschäftsführer der IHK, Dr. Manfred Gößl, stehen auf einem Floß.
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Große Ehre: Josef Seitner (li.) und Dr. Manfred Gößl, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer München.

Industrie- und Handelskammer würdigt Wolfratshauser Flößereibetrieb

170 Jahre Flößereibetrieb Seitner: „Normal wäre ein Empfang mit Markus Söder“

  • Sabine Hermsdorf-Hiss
    vonSabine Hermsdorf-Hiss
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Josef Seitners Großvater legte um 1900 nicht wie viele andere das Ruder aus der Hand: Heuer existiert der Wolfratshauser Flößereibetrieb seit 170 Jahren. Aufgrund der Corona-Pandemie legt allerdings in diesem Jahr kein Holzgefährt in Richtung München ab.

  • Wolfratshausen ist Internationale Flößerstadt - nicht zuletzt Dank Männern wie Josef Seitner
  • Der Flößereibetrieb Josef Seitner feiert heuer sein 170-jähriges Bestehen
  • IHK-Hauptgeschäftsführer Gößl gratuliert - und kündigt Bayerns Ministerpäsidenten an

Wolfratshausen – „So eine Urkunde überreicht man nur sehr selten“, ist sich Dr. Manfred Gößl, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) für München und Oberbayern sicher. „Das ist eine absolute Ausnahme.“ Der Adressat: Der Flößereibetrieb Josef Seitner. Der Grund: Das 170-jährige Bestehen des Betriebs.

„Ich selbst bin die vierte Generation“, rechnet Josef Seitner vor. „Die fünfte steht in den Startlöchern.“ Er lässt seinen Blick über die zahlreichen aufgebockten Baumstämme am Ufer der Loisach schweifen. Normalerweise transportiert Seitner mit seiner Mannschaft zwischen Mai und Mitte September unzählige Floßfahrer von Wolfratshausen nach München. Dieses Jahr wie berichtet keinen einzigen – Corona lässt grüßen. Denn auf dem Floß lassen sich die Bestimmungen nicht einhalten. „Was früher die Pest war, ist eben jetzt die Pandemie“, sagt Seitner und zuckt mit den Schultern. „Alle 100 bis 200 Jahre kommt so etwas. Da müssen wir durch.“

Josef Seitners Großvater erwies sich als recht streitbar

Seitner ist stolz darauf, dass der Betrieb schon so lange in Familienhand ist. Um 1900 haben viele Flößer ihr Handwerk aufgegeben und verkauft. „Mein Großvater nicht, im Gegenteil.“ Der erwies sich eher als recht streitbar, wenn es um die Zukunft der Flößerei ging. „Er hat vor Gericht durchgesetzt, dass die Isar-Amper-Werke Floßgassen bauen müssen, damit wir weiterhin nach München fahren können“, erinnert sich sein Enkel. So kann heute noch das Wissen um das Bauen der Flöße und die Fahrten weitergegeben werden. Allerdings: „Um ein Floß führen zu dürfen, muss man erst einmal sechs Jahre lang Erfahrung sammeln.“ Der Fluss verändert sich jeden Tag. „Man muss aus dem Wasser lesen können.“

Gößl bedauert, dass er Seitner die Auszeichnung der IHK nur in kleinem Rahmen übergeben kann. „Normal wäre ein Empfang mit Markus Söder“, beschreibt er das übliche Vorgehen. „Aber wir holen das nach. Spätestens in fünf Jahren bei der Feier zu Ihrem 175. Bestehen.“  sh

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