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Vorlesen lassen kann man sich die Homepage der Stadt Wolfratshausen.

Hilfestellung für Sehbehinderte

Ohne Hürden ins Netz: So sind die Rathäuser in Tölz-Wolfratshausen aufgestellt

Wer eine Sehbehinderung hat, findet sich nicht ohne Hilfe im Netz zurecht. Viele Gemeinden versuchen, diesen Menschen die Informationen der Stadt-Homepages trotzdem zugänglich zu machen.

Bad Tölz-Wolfratshausen Öffnet man die Homepage der Stadt Wolfratshausen, erscheint auf der linken Seite ein kleines längliches Feld mit der Aufschrift „Vorlesen“. Nach einem Klick darauf folgt einem das Kästchen beim Scrollen der Seite. Mit dieser Funktion können sich Nutzer sämtliche Texte der Webseite vorlesen lassen. Auch eine Schriftvergrößerung ist möglich. Hierbei handelt es sich um barrierefreies Internet: Sehbehinderten und blinden Menschen wird so der Umgang mit dem WorldWide Web erleichtert.

„Die Anfrage war da, und Vorgaben von der EU gibt es ja ebenfalls“, sagt der Wolfratshauser Amtsleiter Franz Gehring. Die Funktion ist nicht nur für Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen von Vorteil, sondern hilft auch Auswärtigen. „Die Texte können in verschiedene Sprachen übersetzt werden“, sagt Gehring – neben Englisch, Französisch und Italienisch unter anderem auch in Russisch, Japanisch, Arabisch und Chinesisch. Das Programm läuft über den Google-Übersetzer. Der Nachteil: Manchmal entstehen seltsame Konstrukte. Aus Kernseife macht der Translater beispielsweise Nuclearsoap. Im Großen und Ganzen klappe die Verständigung laut Gehring aber.

Die Stadt Geretsried überarbeitete zu Beginn des Jahres ihre Internetseite, „dabei haben wir natürlich das Thema Barrierefreiheit in den Fokus genommen“, erklärt Pressereferent Thomas Loibl. Neben einer übersichtlichen und einheitlichen Struktur wurde das Kontrastverhältnis zwischen Schrift und Hintergrund verändert. Außerdem passt sich die Homepage nun allen Mobilgeräten und Betriebssystemen an. „Damit haben wir eine Basis gelegt, die in Zukunft – etwa in Form von Mehrsprachigkeit oder einer Vorlesefunktion – ergänzt werden kann und soll.“

Ein Vorreiter in puncto barrierefreies Internet ist Bad Tölz: Seit mehreren Jahren existiert auf der städtischen Webseite eine Vorlesefunktion. „Im Konzept unseres Rathauses spielt die Barrierefreiheit eine große Rolle – das gilt natürlich auch für die Homepage. Außerdem haben wir als Rathaus ja die Verpflichtung, für alle Bürger verfügbar zu sein“, sagt Sprecherin Birte Otterbach. „Die Umstellung war kein großer Aufwand.“ Allerdings ist die Tölzer Online-Barrierefreiheit teilweise eingeschränkt: Die Nutzung per Smartphone läuft „noch nicht ideal“, räumt Otterbach ein, „aber daran arbeiten wir“.

Hinzu kommt, dass die Kreisstadt drei Internetseiten verwaltet: eine für die Bürger, eine für die Wirtschaft und eine für den Tourismus. Aktuell existiert die Vorlesefunktion nur für die Bürgerseite – was sich aber ändern soll. In Planung ist überdies eine einfache und leicht verständliche Sprache, „damit sich der User bei jedem Text zwischen zwei Fassungen entscheiden kann“, so die Pressesprecherin.

Markus Ertl ist blind: So kämpft der Lenggrieser europaweit für barrierefreies Internet

In Eurasburg bleibt die Suche nach einem barrierefreien Internet-Auftritt bisher vergebens, „aber wir wissen um das Problem“, erklärt Markus Gerold aus dem Rathaus. „In den vergangenen Jahren haben wir die Homepage des Kindergartens und der Schule umgestellt, als nächster Schritt ist das für unser Rathaus geplant.“

Ob sich die Gemeinde Dietramszell in nächster Zeit im Netz ohne Hürden präsentiert, ist laut Marianne Herfellner aus dem Rathaus offen. „Unser Geschäftsführer hat vor Kurzem gesagt, dass es eine Umstrukturierung der Homepage geben soll. Aber Näheres kann ich dazu aktuell leider nicht sagen.“ Eine Vorlesefunktion bietet auch der Internet-Auftritt des Eglinger Rathauses nicht. „Wir haben einen gewissen Rhythmus, in dem es zu Erneuerungen unserer Homepage kommt“, erklärt Franz Foitzik. Er ist für das Web-Angebot der Kommune verantwortlich. „Wenn das wieder ansteht, wird die Barrierefreiheit sicher angesprochen. Die nächsten Neuerungen werden kommen, aber das kann sich ein paar Monate hinziehen.“ Ähnlich sieht es in Lenggries aus. Eine barrierefreie Homepage besitzt die Gemeinde bislang nicht. „Wir sind aber gerade in der Planung, da wird in nächster Zeit etwas kommen“, sagt Franz Schwaiger, im Rathaus zuständig für die EDV.

kof

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