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Ganz nah am Team: Wenn die Geretsrieder River Rats spielen, ist der Schriftzug der Sparkasse auf dem Rücken zu sehen.

Wie finanzieren sich Sportvereine?

Ohne Sponsoring läuft nichts

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Wolfratshausen – Egal, ob ein Verein hochklassig spielt oder nicht, ob es Fußball, Eishockey oder Badminton ist. Alle haben eines gemeinsam: Ohne Sponsoren geht nichts. Die Geldgeber zu finden und bei Laune zu halten, ist eine Kunst – und für die Vereine lebenswichtig.

Ein Beispiel ist die Badminton-Sparte des TuS Geretsried. Sie bietet hochklassigen Sport, tritt in der dritthöchsten deutschen Liga an. Entsprechend hoch sind die Ausgaben. Der Etat der Sparte liegt bei 40 000 Euro. „Das muss man erst mal herkriegen“, sagt Trainer Stephan Heinle, vor nicht allzu langer Zeit noch Vorsitzender des Gesamtvereins. Mit den Mitgliedsbeiträgen allein ist dies nicht zu erwirtschaften. Die 100 Mitglieder zahlen dafür etwa 13 000 Euro. 40 Prozent davon müssen die Ball-Artisten für Geschäftsführung und Hallennutzung an den Hauptverein abtreten. Mit anderen Worten: Gut 30 000 Euro muss über Sponsoring und Gönner in die Kasse kommen.

Technik, Transport, Ausrüstung: Anforderungen steigen

Den großen Finanzbedarf kennt auch Dr. Peter Seemann. „Die Professionalisierung schreitet in allen Bereichen des Lebens voran“, sagt der Vorstandsvorsitzende der Handballer der HSG Isar-Loisach. Die Anforderungen an die Vereine würden immer höher – egal ob es um Technik, Transportmittel oder Ausrüstung geht. Auch der Auftritt in den Medien gewinne immer größere Bedeutung – sei es auf Homepage oder auf Facebook. Spielen die Mannschaften immer hochklassiger, steigt auch der Bedarf an Geld rapide. Die Reisekosten werden höher, die Ausgaben für Trainer steigen: „Qualifizierten Leuten muss man Geld zahlen“, sagt Seemann. „Wenn die Trainer dreimal pro Woche nach Geretsried fahren und am Wochenende bis nach Bayreuth reisen müssen, wollen sie auch ein paar Euro 50 und Spesen.“

Hinzu kommt das Honorar der Unterparteiischen, das in höheren Ligen üppiger ausfällt. „Schiedsrichter aus anderen Teilen Bayerns verlangen ein paar hundert Euro“, sagt Seemann. „Die Frage ist nur: Wo kriege ich das Geld dafür her?“ Er betont: „Nur von den Mitgliedsbeiträgen kann kein Verein leben – die HSG Isar-Loisach genauso wenig wie der FC Bayern.“

Das Problem der hohen Kosten ist auch Thomas Stöber bestens bekannt. „Man muss sich immer was einfallen lassen, um neue Sponsoren anzusprechen“, sagt der Vorsitzende des ESC Geretsried. So erhalten Geldgeber Karten für den VIP-Raum. Einmal pro Jahr gibt es ein Sponsoren-Treffen. „Da geht’s um die Fragen: Wo tut’s weh? Was können wir ändern? Wie gehen wir in die Zukunft?“

„Vor den Erfolg ist der Schweiß gesetzt“ 

Aber wie kommt man überhaupt an Sponsoren heran? „Man braucht ein persönliches Netzwerk und muss seine Ansprechpartner kennen“, sagt Seemann. „Und man muss den Sponsoren eine Story geben, die sie interessant finden.“

Dr. Manfred Fleischer, Vorsitzender des BCF Wolfratshausen, ergänzt: „Vor den Erfolg ist der Schweiß gesetzt. Man braucht gewachsene Kontakte. Die gibt es beim BCF, weil es seit vielen Jahren ein stabile Führung gibt.“ Höchstens zwei bis drei Leute kümmern sich darum, dass neue Geldgeber hinzukommen. „Mehr Leute kommen dafür nicht in Frage, weil man nicht jeden zu den Sponsoren hinschicken kann“, sagt Fleischer.

Amateurbereich für große Firmen uninteressant 

Was ESC-Chef Stöber bedauert: Es ist quasi unmöglich, an größere Firmen heranzukommen: „Die interessieren sich nur noch für Radio- und Fernsehwerbung.“ Das kann Dr. Peter Seemann nur bestätigen: „Im Amateurbereich gibt es keine Firma, die 10 000 oder 20 000 Euro auf den Tisch legt.“

Auch Heinle würde sich wünschen, dass sich mehr große Firmen engagieren und beispielsweise in einen Fördertopf für Top-Talente einzahlen. Denn noch scheitert laut Heinle so manche Badminton-Karriere daran, dass die Eltern den Sport ihrer Kinder nicht finanzieren können. Wer an Stützpunkt-Training und internationalen Turnieren teilnehmen will, muss schon mal einen fünfstelligen Betrag hinblättern. Das kann sich kaum jemand leisten. „Die bayerische Sportförderung reicht da nicht“, sagt Heinle. „Für die Firmen wäre es doch eine tolle Publicity, wenn mal ein Olympiasieger aus Geretsried käme.“

pr

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