Männer und Frau stehen auf Gerstenfeld
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Gerstenernte um die Jahrhundertwende: Der Wolfratshauser Sensenlehrer Thomas „Isi“ Isermann (Mitte, mit Hut) und sein Kollege vom Sensenkolleg, Erwin Zachl (2. v. li.), unterwiesen die Schauspieler Sascha Maaz (li.), Mercedes Müller und Klaus Steinbacher (re.) im richtigen Umgang mit dem historischen Arbeitsgerät.

Thomas Isermann schwingt die Sense

„Oktoberfest 1900“: Dieser Wolfratshauser wirkt in ARD-Serie mit

  • Carl-Christian Eick
    vonCarl-Christian Eick
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Die ARD-Serie „Oktoberfest 1900“ fesselt Millionen Fernsehzuschauer. An der bildgewaltigen Produktion war ein Wolfratshauser beteiligt: der Sensenlehrer Thomas „Isi“ Isermann (53).

  • „Oktoberfest 1900“: Millionen TV-Zuschauer verfolgten die ersten Episoden der bildgewaltigen ARD-Serie.
  • Der Sensenlehrer Thomas Isermann aus Wolfratshauser hat an dem Film mitgewirkt.
  • Der 53-Jährige unterwies Schauspieler wie Klaus Steinbacher im Umgang mit dem scharfen Arbeitsgerät.

Wolfratshausen – O’zapft is, das Oktoberfest hat begonnen! Nein, auf der Theresienwiese wird heuer bekanntlich aufgrund der Corona-Pandemie keine Mass ausgeschenkt, doch die ARD bringt zumindest einen Hauch von Wiesn in die Wohnzimmer: „Oktoberfest 1900“ heißt der bildgewaltige Sechsteiler, der in dieser Woche angelaufen ist. Zwei Wolfratshauser, der Sensenlehrer Thomas „Isi“ Isermann, und Claudia Sappl haben an der aufwendigen Produktion mitgewirkt.

Der kräftig gebaute Sensenmann aus der Flößerstadt, hauptberuflich bei der Post beschäftigt, war bereits vor einigen Jahren an einem „Rosenheim“-Krimi beteiligt. Im Juni 2019 erreichte Isermann die telefonische Anfrage des „Oktoberfest 1900“-Regieassistenten Johannes Fröhlich: „Man suche Leute, die mit einer Sense umgehen können – und man brauche sie extrem kurzfristig“, berichtet Isermann im Gespräch mit unserer Zeitung. Und: Benötigt würden Mäher „sowie Damen, die Garben binden können“. Beides konnte der Sensenlehrer dank seines Netzwerks auftreiben, als Garbenbinderin gewann er die Wolfratshauserin Claudia Sappl.

Drehort war ein riesiges Gerstenfeld in der Nähe von Landshut

Die Szenen, die in der fünften Folge der TV-Serie am 23. September zu sehen sein werden, entstanden auf einem riesigen Gerstenfeld in der Nähe von Landshut. Nein, sagt Isermann, Schauspieler Klaus Steinbacher (alias Brauerei-Sproß Roman Haflinger), der aus Reichersbeuern stammt, habe zuvor noch nie eine Sense in der Hand gehabt. „Ich habe ihm das einen Abend vor dem Dreh beigebracht.“ Steinbacher erwies sich als ein äußerst gewandter Lehrling. „Er ist ein echtes Bewegungstalent“, lobt Meister Isermann.

Isermanns Name taucht im Abspann leider nicht auf

Der 53-Jährige selbst ist in den Mahd-Szenen auch zu sehen. „Nun ja,“ sagt der Wolfratshauser, „wer mich kennt, wird mich vermutlich erkennen“. Aufgemerkt: Küsst Brauerei-Zögling Haflinger seine schwangere Freundin Clara, die Tochter seines Kontrahenten, des Großgastronomen Curt Prank aus Nürnberg, steht Isermann vollformatig im Hintergrund. Was den Wolfratshauser ein wenig betrübt: „Im Abspann des Films taucht mein Name leider nicht auf“, die Laiendarsteller müssen sich allesamt mit dem Hinweis „und viele andere mehr“, kurz u. v. a. m. begnügen.

Eine Woche lang haben Isermann und seine Kollegen vom Sensenkolleg den Drehplatz in Landshut vorbereitet. Zudem mussten sie ihre Arbeitsgeräte dem historischen Vorbild angleichen: „Moderne Imbusschrauben mussten natürlich verdeckt werden.“ Auch auf die richtige Körperhaltung, das heißt, die professionellen Bewegungsabläufe bei den Schauspielern achtete Ausbilder Isermann: „Das soll ja gescheit ausschauen.“

Lächelnd erinnert sich der 53-Jährige an den Termin, als er sowie die übrigen Mäher sowie Garbenbinderin Sappl von der Requisite eingekleidet wurden. Dazu muss man wissen: Isermann trägt privat gerne Lederhose und Lodenmantel – genau so war er am Set erschienen. Gut eine halbe Stunde nahm niemand Notiz von ihm, „bis mich jemand fragte, ob mir mein Kostüm so gut gefällt, dass ich es gar nicht mehr ausziehen wolle“.

„Ich denke, dass die Bierkönige damals keine Heiligen waren – und sie es auch heute nicht sind.“

Thomas Isermann, Sensenlehrer aus Wolfratshausen

Der intrigenreiche, mitunter sehr blutige Kampf zweier Brauerei-Dynastien um die Vorherrschaft auf dem Münchner Oktoberfest: „Ein super Film“, urteilt Isermann, der das Gesamtwerk erst in diesen Tagen zu sehen bekam. Der Sechsteiler beruht auf einer wahren Begebenheit. „Ich denke, dass die Bierkönige damals keine Heiligen waren – und sie es auch heute nicht sind“, meint der 53-Jährige. Die Mitwirkung an der Produktion – die ersten beiden Episoden sahen 4,42 Millionen Fernsehzuschauer – „war eine tolle Erfahrung“. Er stehe für weitere Drehs Gewehr bei Fuß. „Die Regisseure und Produzenten dürfen gerne bei mir anrufen“, sagt Isermann mit einem Augenzwinkern. (cce)

Sendetermine

Die komplette Staffel steht in der ARD-Mediathek zur Verfügung, die letzten beiden Folgen werden am Mittwoch, 23. September, um 20.15 Uhr in der ARD ausgestrahlt. Netflix hat die internationalen Rechte an dem Werk erworben und wird die Serie ab dem 1. Oktober unter dem Titel „Oktoberfest – Beer & Blood“ weltweit in neun Sprachen anbieten.

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