Helgard Schmid aus Wolfratshausen, Andenkenverkäuferin auf der Wiesn
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Vermisst die gute alte Bavaria: Helgard Schmid verkauft seit rund 35 Jahren Andenken auf der Wiesn.

Kein Oktoberfest 2020

Andenkenverkäuferin Helgard Schmid vermisst die Bavaria

  • Sabine Hermsdorf-Hiss
    vonSabine Hermsdorf-Hiss
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Koa Wiesn ist das Motto für 2020. Andenkenverkäuferin Helgard Schmid findet das schade. Und vermisst vor allem das Münchner Wahrzeichen.

Wolfratshausen – Ein wenig vermisst Helgard Schmid ihre alte Freundin Bavaria. Der 170 Jahre alten Statue oberhalb der Theresienwiese galt immer ihr erster Gruß, wenn sie zu ihrem Stand auf der Wiesn ging. „Wenn man das 36 Jahre lang gemacht hat, fehlt einem das schon a bisserl.“

Seit 1984 ist die Wolfratshauserin ununterbrochen mit ihrem Andenken-Stand auf dem Oktoberfest vertreten. Bevor sie sich zum ersten Mal um einen Platz bewarb, arbeitete die heute 78-Jährige im Catering für Fernseh- und Filmproduktionen und hatte in der Olympiahalle einen Imbiss. „Ich hatte schon immer gerne mit Menschen zu tun“, sagt sie.

Je höher der Alkoholkonsum, desto mutiger die Hutwahl

Am Anfang ihrer Wiesn-Zeit hingen die Andenken – Stofftiere und Hüte – noch wie Trauben an einer Stange. Dann bekam Schmid ihren eigenen Stand und eine Handvoll Mitarbeiter. Sohn und Enkel unterstützten sie beim Verkauf. Das Sortiment wechselte von Jahr zu Jahr. Mal waren Filzberghüte der absolute Renner, mal Plüschtiere. „Die Hendl-Hüte wären dieses Jahr bestimmt gut gegangen“, sinniert Helgard Schmid. Generell gilt: Je höher der Alkoholkonsum, desto mutiger die Hutwahl.

„Es ist anstrengend und kostet schon mal Nerven“, sagt die Wolfratshauserin über ihren Wiesn-Job. „Aber der Spaß steht immer im Vordergrund.“ Besonders dann, wenn alte Bekannte oder genauer gesagt Kollegen ihr einen kurzen Besuch abstatten. „Der Hans Ketelhut zum Beispiel.“ Seit 16 Jahren sorgt der „Bayern-Hans“ aus Geretsried mit seinen Gstanzln und Liedern im Stiftl-Festzelt für Spaß und gute Laune unter den Gästen. „Auf dem Weg dorthin ist er oft zu mir gekommen, hat mir auf die Schulter geklopft und gesagt, ,Und? Pack ma’s wieder an?‘“ Jetzt sehen sich die beiden wenigstens „ab und zu auf der Straße“.

Schmid sagt: Gesundheit geht einfach vor

Für die Absage des Oktoberfestes in diesem Jahr hat die 78-Jährige Verständnis. „Gesundheit geht einfach vor.“ Allerdings sieht sie auch die finanziellen Ausfälle, unter denen viele ihrer Kollegen leiden. „Gerade diejenigen, die große Teile einlagern mussten, trifft es hart.“ Sie selbst hat ihre Waren gut unterbringen können. „Zum Glück habe ich T-Shirts ohne Jahreszahlaufdruck im Sortiment. Die gehen nächstes Jahr auch noch.“

Helgard Schmid hofft, dass es 2021 wieder auf der Theresienwiese heißt: „O’zapft is“. Dann will sie auf jeden Fall dabei sein. Ihre Unterlagen für die Bewerbung bis Ende Dezember hat sie griffbereit. Geht alles gut, wird die Wolfratshauserin dann wieder jeden Morgen und jeden Abend ihr alte Freundin Bavaria begrüßen, die von der Ruhmeshalle aus über das bunte Treiben zu ihren Füßen wacht.

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