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Schwerer Gang: Eine kleine Trauergemeinde folgte der Urne von Oscar-Preisträger Herbert Strabel. Links im Bild sein Bruder Günter Strabel, daneben Trauerredner Leopold Augustin.

Herbert Strabel beigesetzt

Oscar-Preisträger wird zu Grabe getragen: „Mach et jut, Herbert“

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Der einzige Oscar-Preisträger, der je in Wolfratshausen gewohnt hat, ist am Montag in kleinem Kreis auf dem Nantweiner Friedhof zu Grabe getragen worden – der Filmarchitekt und Szenenbildner Herbert Strabel. Auf ehemalige Filmgrößen wartete man vergeblich.

Wolfratshausen – Irgendwann war der Moment gekommen, dass Günter Strabel (88) von seinem Bruder endgültig Abschied nehmen musste. Er warf eine Schaufel Erde auf die Urne, ging ein paar Mal auf und ab und sagte dann, kaum hörbar und auf Berlinerisch: „Macht et jut, Herbert.“

Günter Strabel ist der letzte Angehörige von Herbert Strabel. Jenem Mann, der 1973 einen Oscar dafür bekommen hat, dass er das – zum Großteil in den Bavaria Filmstudios gedrehte – Filmmusical „Cabaret“ eindrucksvoll ausgestattet hat. In seiner Wahlheimat Wolfratshausen wusste niemand auch nur das Geringste davon, dass der höfliche, zurückhaltende Mann die größte Auszeichnung der Filmbranche erhalten hat. Aus dem einfachen Grund, weil er es stets für sich behalten hat.

„Ein großer Mensch und Künstler ist von uns gegangen.“

Weil Herbert Strabel und seine im März verstorbene Frau konfessionslos waren, sprach zu der Trauergemeinde – bestehend aus einigen Nachbarn und zwei ehemaligen Mitarbeitern des Bavaria-Filmstudios – kein Pfarrer, sondern der selbstständige Trauerredner Leopold Augustin. Er hob die Verdienste Strabels für den deutschsprachigen Nachkriegsfilm hervor und sagte: „Ein großer Mensch und Künstler ist von uns gegangen.“ Nach seiner kurzen Rede wurde als letztes Musikstück „Sag zum Abschied leise Servus“ eingespielt. Dann setzte sich der Trauerzug an diesem tristen Novembernachmittag in Bewegung.

Robert Eldredge vom Bavaria Filmstudio erinnerte sich nach dem Trauerakt an den Verstorbenen als einen Chef, der sehr genaue Vorstellungen hatte. Als junger Mann hatte Eldredge noch bei letzten Produktionen Strabels im Szenenbild mitgewirkt, bei der „Unendlichen Geschichte“ (1983), „Geliebter Feind“ (1985) sowie „Ödipussi“ (1987). Wenn er mit etwas unzufrieden war, sagte der Berliner gerne den Satz: „Dett können wir so nicht verkoofen“. Das heißt: Keinem Regisseur anbieten. „Doch, er konnte schon auch streng sein“, erinnerte sich Eldredge.

Von der Hektik beim Film ließ sich Herbert Strabel nie anstecken

Requisiteur Friedl Leeb bewunderte den Verstorbenen für seine Ruhe, die in der Branche eher untypisch ist. „Im Film herrscht ja immer Hektik, doch davon hat sich der Herbert nie anstecken lassen“, sagte er. „Er blieb immer gelassen.“ Dass kein offizieller Vertreter der Bavaria-Filmstudios da war, dafür brachte Leeb ein gewisses Verständnis auf: „Es ist alles doch schon 30 Jahre her.“ Ein bisschen hatte er gehofft, dass der berühmte deutsche Szenenbildner Rolf Zehetbauer („Das Boot“) seinem ehemaligen Mitarbeiter die letzte Ehre erweist. Doch dem war nicht so. „Er ist ja inzwischen auch fast 90 Jahre alt“, sagte Leeb.

Die Nachbarn erzählten davon, dass sie bis zuletzt nicht gewusst haben, mit welcher Berühmtheit des deutschen Films sie Tür an Tür an der Gebhardtstraße gewohnt haben. „Man wird ja nachträglich richtig andächtig, wenn man so was hört“, sagte einer. Er erinnerte sich, wie Strabel und seine Frau Bärbel noch im hohen Alter, gebückt und händchenhaltend, spazieren gegangen sind. Herbert Strabel habe immer gesagt: „Wenn meine Frau stirbt, will ich auch nicht mehr leben.“ Bärbel Strabel starb im März dieses Jahres. Jetzt, im November, folgte ihr Mann im Alter von 90 Jahren.

Günter Strabel erzählte nach der Beisetzung, dass er zu seinem Bruder keinen sonderlich engen Kontakt hatte. „Irgendwie hat jeder sein Leben gelebt.“ Gelegentlich habe er Herbert in Bayern besucht, und dann sind sie zusammen von Mittenwald aus in die Berge gegangen. Dass Herbert niemandem vom Oscar erzählt hat, wundert ihn nicht: „Er war einfach sehr bescheiden.“ Den Oscar will Günter Strabel auf keinen Fall haben: „Ach was, ick bin doch auch schon 88“, sagte er. „Watt will ick damit?“    Der Oscar sorgt derzeit im Seniorenheim in Holzkirchen für Aufregung.

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