Eine Menschenschlange.
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Der Andrang vor der Corona-Teststation im Kosmetikstudio Jungbrunnen in der Wolfratshauser Altstadt war am vergangenen Samstag extrem groß.

Teststation-Betreiberin räumt „Versehen“ ein

Panne in Wolfratshauser Corona-Teststation: So reagiert das Landratsamt

  • Carl-Christian Eick
    VonCarl-Christian Eick
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In einer Teststation in Wolfratshausen gab‘s eine Panne. Es wurden negative Corona-Bestätigungen versendet - ohne dass die betreffenden Personen getestet worden sind.

Wolfratshausen/Bad Tölz - In der Corona-Teststation im Kosmetikstudio Jungbrunnen in der Wolfratshauser Altstadt ist es wie berichtet zu einer Panne gekommen. Durch „ein Versehen“, das räumt Betreiberin Miriam Altinisik ein, sind am vergangenen Samstag negative Corona-Bestätigungen versendet worden – ohne dass die betreffenden Personen tatsächlich getestet worden sind. „Wir beobachten die Situation intensiv und aufmerksam“, stellt dazu die Pressesprecherin des Landratsamts in Bad Tölz, Sabine Schmid, gegenüber unserer Zeitung fest.

Nach ihren Worten haben Mitarbeiter des Tölzer Gesundheitsamts „auch eine Begehung vor Ort durchgeführt“. Schmid betont mit Blick auf die Panne: „Sollten sich derartige Vorkommnisse häufen, sind weitere Schritte – wie das Widerrufen der Beauftragung – denkbar.“ Derzeit gebe es aber keine Hinweise, „die generelle Zweifel an der Zuverlässigkeit des Betreibers begründen“.

Der Bericht vom 1. September: Thomas Müller (Name geändert) erholt sich zurzeit mit seiner Ehefrau, deren Mutter sowie seiner Tochter auf einer griechischen Insel. Die Fluggesellschaft verlangte von dem Quartett, das laut Müller „komplett durchgeimpft ist“, einen negativen Corona-Test, bevor es in den Ferienflieger einsteigen durfte.

Corona-Teststation: Familie aus Landkreis Starnberg bekommt per Mail Ergebnis - ohne Test

Die vier Nachweise bekamen Müller, der in der Gemeinde Berg im Landkreis Starnberg wohnt, und seine drei Mitreisenden per E-Mail von der Teststation Jungbrunnen in Wolfratshausen. Allerdings, das beteuert der 51-Jährige gegenüber unserer Zeitung: „Wir haben uns in Wolfratshausen nicht testen lassen.“ Jungbrunnen-Betreiberin Miriam Altinisik räumt „ein Versehen“ ein.

Vor dem Urlaub: Familie vereinbart Corona-Testtermin - und lässt sich dann wo anders testen

Einen Termin hatten die vier im Kosmetikstudio Jungbrunnen in der Altstadt online vereinbart. Doch als sie am vergangenen Samstag um 11.50 Uhr vor Ort waren, mussten sie feststellen: „Da standen zirka 80, 90 Leute“, darunter offenbar viele, „die wie wir auch einen 12-Uhr-Termin hatten“. Müller und seine Familie wollten nicht warten. „Da ich noch einen geschäftlichen Termin in der Nähe von Hofolding hatte, haben wir kurz entschlossen entschieden, uns dort testen zu lassen.“ Das Ergebnis gab’s um 17 Uhr schwarz auf weiß: Alle Tests waren negativ ausgefallen, der Urlaubsreise stand nichts mehr im Wege.

„Alle vier Nachweise haben wir im mobilen Schnelltestzentrum am Geldhauser-Betriebshof in Hofolding in Papierform erhalten“, berichtet der 51-Jährige. „Kurioserweise“ hätten er und seine Mitreisenden jedoch kurze Zeit später jeweils eine E-Mail erhalten, die unserer Redaktion vorliegt. Absender: Miriam Altinisik, Betreiberin des Kosmetikstudios Jungbrunnen. Inhalt: „Bestätigung über einen negativen Test auf das Coronavirus SARS-CoV-2.“ Laut E-Mail erfolgte der Abstrich der vorderen Nasenhöhlen der vier besagten Personen am Samstag, 28. August, um 16.14 Uhr.

Nach Corona-Panne: Betreiberin der Teststation räumt „ein Versehen“ ein

Er sei kein „Dipflscheißer“, sagt Müller. Aber die Angelegenheit komme ihm spanisch vor: „Nochmals: Wir haben in Wolfratshausen keinen Test gemacht, wir haben die Teststation nicht einmal betreten.“ Falls erforderlich, könne er belegen, dass er zur fraglichen Zeit an einem anderen Ort gewesen sei.

Miriam Altinisik räumt das „Versehen“, wie sie es nennt, auf schriftliche Nachfrage unserer Redaktion in einem Telefongespräch ein. Zunächst spricht sie von insgesamt 16 E-Mails, die am Samstag mit einer jeweils negativen Bestätigung versendet worden seien – ohne dass in diesen Fällen tatsächlich ein Test durchgeführt worden sei. 13 Personen, so Altinisik, seien unmittelbar, nachdem sie „den Fehler“ bemerkt habe, informiert worden.

Alle 13 hätten sich in der Folge noch am selben Tag tatsächlich testen lassen. In einem zweiten Telefongespräch eine halbe Stunde später korrigiert Altinisik: Ihre „intensive Recherche“ habe ergeben, dass „nur vier Personen“ ein negatives Testergebnis übermittelt bekommen hätten – ohne dass bei ihnen ein Abstrich genommen worden sei. Bei diesen vier Personen handele es sich „vermutlich“ um eben jene aus der Gemeinde Berg.

DLRG betreibt nur Teststation in Loisachpassage

Die DLRG Schäftlarn-Wolfratshausen, die wie berichtet gemeinsam mit Ines und Peter Lobenstein, dem Kulturverein Isar-Loisach, der Bergwacht Wolfratshausen und der Weidacher Feuerwehr in der Hochzeit der Pandemie zahlreiche Teststationen in der Flößerstadt aus dem Boden stampfte, betreut aktuell nur noch die Corona-Testation in der Loisachpassage. Das teilt DLRG-Ortsvorsitzender Robert Klingel auf Nachfrage unserer Zeitung mit. Klingel legt Wert auf die Feststellung: „Die Teststation Jungbrunnen liegt in der alleinigen Verantwortung von Frau Altinisik.“ Sie habe eine „eigene Beauftragung vom Landratsamt“. (cce)

Mehr als 330 Frauen, Männer und Kinder seien am vergangenen Samstag im Jungbrunnen getestet worden, berichtet die Chefin. Der Druck sei enorm. Nicht zuletzt, „weil das BRK in Geretsried seine große Teststation geschlossen hat“. Altinisik gibt zu bedenken: „Die Arbeit in einer Teststation ist für alle Beteiligten enorm anstrengend. Da kommen einem zwei Stunden wie sieben Stunden vor.“ In ihrer Teststation „arbeiten Menschen“, da seien „menschliche Fehler“ nicht auszuschließen, so Altinisik, die den Vorfall „sehr bedauert“.

Corona-Teststation in Wolfratshausen: Mindestens eine Person wurde „ausfällig“

Zum konkreten Fall stellt sie fest: Das Quartett sei am Samstag („an dem Tag herrschte extremer Stress“) um kurz vor zwölf bereits „eingecheckt gewesen“ und habe „schon eine Testnummer gehabt“. Da sich jedoch mindestens eine Person aus der Gruppe „sehr ausfällig aufgeführt hat“, über die Testpflicht gespöttelt „und meine Mitarbeiterin ausgelacht hat“, habe sie die vier nach kurzem Disput „weggeschickt“.

Unterm Strich sei es so zu einem internen Missverständnis gekommen, eine Mitarbeiterin hätte fälschlicherweise den vier „Eingecheckten“ jeweils ein Testergebnis gemailt, für das es keine Grundlage gab. Sie habe den „Fehler“ sehr schnell bemerkt, sagt Altinisik, und sei sofort eingeschritten. Thomas Müller hat allerdings nach eigenen Angaben bis dato keine Info, dass es in der Teststation Jungbrunnen offenbar zu einer Panne gekommen ist.

Altinisik betont, ihre Lehren aus dem Vorfall gezogen zu haben. Seit Samstag „sitze ich – und nur ich – am PC“. Die Datenerfassung und die korrekte Ausstellung der Testbestätigungen „läuft wieder – wie bisher – wie am Schnürchen. Hier wird sehr gewissenhaft gearbeitet“.

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