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Skeptische Blicke: Der Vorschlag von CSU-Stadtrat Alfred Fraas (re.), ein Parkdeck über der Loisach neben der Andreasbücke zu bauen, stieß in der Veranstaltung „CSU spricht Tacheles“ auf Widerspruch. Vize-Bürgermeister Fritz Schnaller (li.) vertrat die Meinung: Die Realisierung der Idee wäre „kommunalpolitischer Selbstmord“. 

Diskussion geht weiter

Parkbrücke „wäre kommunalpolitischer Selbstmord“

Der CSU-Stadtrat Alfred Fraas hat gemeinsam mit seinem Parteifreund Harald Thomas das Konzept einer Parkbrücke über der Loisach entwickelt. In der Gesprächsreihe „CSU spricht Tacheles“ stellte der Software-Entwickler den Vorschlag vor – und musste sich aus CSU-Kreisen Kritik anhören.

Wolfratshausen – Der CSU-Stadtrat Alfred Fraas hat gemeinsam mit seinem Parteifreund Harald Thomas das Konzept einer Parkbrücke über der Loisach entwickelt. Das imposante Bauwerk soll auf acht Halbetagen Platz für summa summarum 264 Pkw bieten. Auf dem Dach könnte laut Fraas ein Veranstaltungsraum für 250 Gäste entstehen. Im Rahmen der neu installierten Gesprächsreihe „CSU spricht Tacheles“ stellte der Software-Entwickler den Vorschlag am Donnerstagabend im Wirtshaus Flößerei vor – und musste sich aus CSU-Kreisen Kritik anhören. „Wir würden Wolfratshausen von der Optik her kaputt machen“, schimpfte Armin Drexl. Er forderte: „Wir sollten diese Idee schnell beerdigen!“

Was werden die Bürger dazu sagen?

Fraas wies den Vorwurf des ehemaligen CSU-Ortsvorsitzenden zurück: „Die Fassade muss natürlich optisch so gestaltet sein, dass sie den Häusern in der Marktstraße angepasst ist“. Auch die Begrünung einer Fassadenseite wäre möglich, sodass von einer Verunstaltung des Loisachufers nicht die Rede sein könne. Der Bürger Heinz Wensauer gab zu bedenken, dass das Wasserwirtschaftsamt Weilheim den ambitionierten Plan zunichtemachen könne. Zudem erfolge teilweise ein Eingriff in Fauna-Flora-Habitat-Gebiete. CSU-Mitglied Johannes Schneider sah die Realisierung einer Parkbrücke ebenfalls skeptisch. „Was werden wohl die Wolfratshauser Bürger dazu sagen?“, fragte er rhetorisch in die Runde. Seine ernüchternde Einschätzung für Fraas: „Für diesen Vorschlag kriegen Sie keine Mehrheit.“

Wie realistisch sind die Kosten?

Zudem bezweifelte Schneider, ob die von Fraas angesetzten Kosten für das Projekt realistisch sind. Fraas geht von einer Summe von 7000 bis maximal 10 000 Euro pro geschaffenen Parkplatz aus. Die Baukosten würden damit bei 1,8 bis 2,6 Millionen Euro liegen. „Das ist nicht einzuhalten“, konstatierte Immobilienexperte Schneider. Fraas räumte ein, dass die Fassadengestaltung beziehungsweise die Einrichtung eines Veranstaltungsraums auf dem Dach in seiner Kalkulation noch nicht berücksichtigt sei.

Ingrid Schnaller: Parkplatzsituation laut Umfrage erst an dritter Stelle

Für Ingrid Schnaller, Vorsitzende des Werbekreises Einkaufsstadt Wolfratshausen, ist die Schaffung von zusätzlichen Pkw-Stellflächen ohnehin kein Allheilmittel für die Aufwertung der Altstadt. Sie verwies auf eine aktuelle Umfrage, die in 121 deutschen Städten durchgeführt worden ist. Die Auswertung von rund 60 000 Antworten habe ergeben, dass vor allem das Flair und die Einkaufsvielfalt für den Besuch einer Stadt entscheidend seien. „Die Parkplatzsituation kam erst an dritter Stelle“, berichtete Schnaller.

Parkbrücke laut Fritz Schnaller (SPD) „kommunalpolitischer Selbstmord“

Ihr Ehemann, Vize-Bürgermeister Fritz Schnaller (SPD), nahm den Stadtrat in die Pflicht: „Die Entscheidungen müssen wir Stadträte treffen, das nimmt uns kein Gutachter ab.“ Er rechne damit, dass in puncto Parkplatzbau „irgendeine Kröte“ geschluckt werden muss. Ob es ausgerechnet die Parkbrücke sein wird, ließ der Vize-Rathauschef dahingestellt – machte aus seiner persönlichen Meinung aber kein Hehl: „Das wäre kommunalpolitischer Selbstmord. Die Bürger werden da ebenso sensibel reagieren wie beim Bürgerentscheid zum Stadtarchiv am Loisachufer.“ Die entsprechenden Pläne waren nicht zuletzt aufgrund der Größe des geplanten Baukörpers bei den Wolfratshausern durchgefallen.

Susanne Thomas (CSU): Brücke könnte ein Lösungsansatz sein

CSU-Ortsvorsitzende Susanne Thomas dagegen sagte, dass die von Fraas vorgestellten Pläne ein Lösungsansatz sein könnten – zumal damit keine Flächen in der Wolfratshauser Altstadt für Parkplätze geopfert werden müssten. „Man sollte zumindest mal mit dem Gedanken spielen“, regte sie abschließend an.

Von Peter Herrmann

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