Mitglieder der DLRG.
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Sehr enttäuscht: In großer Zahl waren die Mitglieder der DLRG Schäftlarn-Wolfratshausen am Mittwochabend zur Stadtratssitzung in der Wolfratshauser Loisachhalle erschienen. Die Wasserretter kämpfen wie berichtet für den Bau eines neuen Lehrschwimmbeckens am Hammerschmiedweg. Doch Bürgermeister Klaus Heilinglechner strich das Thema zu Beginn der Sitzung von der Tagesordnung.

Rathauschef nimmt Thema von der Tagesordnung

Paukenschlag: Altbürgermeister Brockard (83) blockiert neues Schulzentrum in Wolfratshausen

  • Carl-Christian Eick
    vonCarl-Christian Eick
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Die Sanierung und Erweiterung der Grund- und Mittelschule in Wolfratshausen beschäftigt den Stadtrat seit Monaten. Jetzt liegt ein Einwand von Altbürgermeister Erich Brockard (83) vor.

  • 60 Millionen Euro: So teuer wird die Sanierung der Grund- und Mittelschule am Hammerschmiedweg in Wolfratshausen.
  • Am Mittwochabend wollte der Stadtrat über Einsparungsmöglichkeiten beraten. Doch dazu kam‘s nicht.
  • Der Grund: Im Rathaus ist „ein Einwand“ von Altbürgermeister Erich Brockard (83) eingegangen.

Wolfratshausen – Die Mitglieder der DLRG Schäftlarn-Wolfratshausen waren am Mittwochabend zur Stadtratsitzung in einer Stärke angetreten, als ob es gelten würde, ein Großschadensereignis zu bewältigen. Die Ehrenamtlichen interessierte brennend, ob das im Rahmen der Sanierung und Erweiterung der Grund- und Mittelschule am Hammerschmiedweg angedachte Lehrschwimmbecken gebaut wird. Oder ob das knapp vier Millionen Euro teure Modul aus Kostengründen dem Rotstift zum Opfer fällt.

Doch die Wasserretter, die wie berichtet ein breites Bündnis fürs Bad geschmiedet haben, wurden wie alle anderen Besucher der Ratssitzung enttäuscht: Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) nahm das Thema kurzerhand von der Tagesordnung. Es habe „einen Einwand“ gegeben, so der Rathauschef. Dieser müsse noch „geprüft“ werden, aus diesem Grund könne hier und heute kein Beschluss gefällt werden. Die Räte waren offenbar eingeweiht, sie nahmen die knappen Ausführungen des Bürgermeisters ohne Gegenrede zur Kenntnis.

Altbürgermeister bezieht sich auf „Eingemeindungsvertrag“ von 1975

Am Morgen nach der Sitzung stand fest, wer hinter dem Einwand steckt: Altbürgermeister Erich Brockard, von 1966 bis 1978 Rathauschef der seinerzeit eigenständigen Gemeinde Weidach und von 1978 bis 1990 sozialdemokratischer Bürgermeister der Stadt Wolfratshausen.

Brockard bezieht sich auf den „Eingemeindungsvertrag“, den Weidach und Wolfratshausen aufgrund der Gebietsreform 1975 geschlossen haben. „In diesem Vertrag ist unter anderem festgehalten, dass die Grundschule Weidach mit Schwimmbecken und Turnhalle aufrechtzuerhalten ist“, betont der 83-Jährige in seinem Brief an Heilinglechner (53), der unserer Zeitung vorliegt. „Bezug nehmend auf die Vertragserfüllung darf ich die Stadt auffordern, umgehend das Schwimmbad der Weidacher Grundschule zu sanieren und baldmöglichst wieder in Betrieb zu nehmen“, so Brockard weiter. Die „Einhaltung“ der „festgeschriebenen Vertragsvereinbarungen“ sei im Bürgerlichen Gesetzbuch verankert.

Der 83-Jährige, der seit langer Zeit in Lechbruck im Ostallgäu lebt, pocht in seinem Brief ganz grundsätzlich auf dem Erhalt der Weidacher Schule. Nicht zuletzt, „um den Kindern gefährliche Wege (...) zu ersparen“. Im Stadtrat ist es dagegen Konsens, den Standort Weidach aufzulösen, um am Hammerschmiedweg ein Schulzentrum zu schaffen. Die Sanierung der Weidacher Schule würde rund sechs Millionen Euro kosten. „Wenn sich die Stadt auf den Weg macht, die Zukunft der Schule zu planen, die unsere Kinder die nächsten Jahrzehnte besuchen, dann ist es alleine unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten legitim, den Standort Weidach zu hinterfragen“, sagte Fritz Meixner (SPD), Schulreferent des Stadtrats, kürzlich in einem Interview mit unserer Zeitung.

Lehrschwimmbad in Weidach ist seit Jahren geschlossen

„Ich hoffe auf baldigen Vollzug“, insbesondere was das Weidacher Bad betrifft, lässt Brockard seinen Amtsnachfolger Heilinglechner wissen. Das Lehrschwimmbecken ist seit Jahren geschlossen, eine Wiederinbetriebnahme würde etwa 2,5 Millionen Euro kosten. Komme die Kommune seiner Aufforderung nicht nach, müsse er das Landratsamt oder die Regierung von Oberbayern „bemühen“, kündigt der Altbürgermeister an.

Ich hoffe auf baldigen Vollzug (...), um nicht die Aufsichtsbehörde des Landratsamts Bad Tölz oder die Regierung von Oberbayern bemühen zu müssen (...).“

Erich Brockard, Altbürgermeister von Wolfratshausen

Heilinglechner hat den Brief nach eigenen Worten erst wenige Stunden vor der Stadtratssitzung bekommen: „Ich darf dazu nicht mehr sagen.“ Nur so viel: Die Prüfung erfolge nun durch das Landratsamt. Danach sehe man weiter. Sollte sich der Einwand Brockards als nicht stichhaltig erweisen, stehe das Thema Sanierung und Erweiterung der Hammerschmiedschule im November wieder auf der Tagesordnung des Stadtrats. (cce)

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