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Machen nicht nur beim BCF Wolfratshausen gemeinsame Sache: Ex-Bürgermeister Helmut Forster (li.) und der Ex-Fraktionschef der CSU, Dr. Manfred Fleischer (hier im Herbst 2016 mit Ex-Ministerpräsident Dr. Edmund Stoiber im Isar-Loisach-Stadion) wollen in der Flößerstadt eine neue politische Gruppierung ins Leben rufen.

In Wolfratshausen formiert sich neue politische Gruppierung

Paukenschlag in Wolfratshausen: Ex-Bürgermeister Forster verlässt BVW-Fraktion

  • Carl-Christian Eick
    vonCarl-Christian Eick
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Es ist ein Paukenschlag, der die kommunalpolitische Landkarte in Wolfratshausen verändern wird: Ex-Bürgermeister Helmut Forster gründet mit weiteren prominenten Mitstreitern eine neue politische Gruppierung.

Wolfratshausen – Paukenschlag wenige Monate vor den Kommunalwahlen: In der Flößerstadt formiert sich eine neue politische Gruppierung, ein äußerst prominentes Mitglied ist der ehemalige Bürgermeister Helmut Forster. Er hat am Freitag der Bürgervereinigung Wolfratshausen (BVW) nach eigenen Worten den Rücken gekehrt.

In einem Vier-Augen-Gespräch hat Forster, der im Mai 1995 zu den Gründungsvätern der BVW zählte, den Vorsitzenden Thomas Eichberger am Freitagvormittag über seine Entscheidung informiert. „Bei der Bürgervereinigung gibt es kein Hintenrum“, betont Eichberger im Gespräch mit unserer Zeitung. „Wir haben ein ganz offenes Wort gesprochen“, so der BVW-Chef. Er respektiere die Entscheidung seines „Freundes“. Mit Forster verliere die Bürgervereinigung „ein sehr wichtiges Mitglied mit einer ungeheuren Erfahrung“, bedauert Eichberger.

Forster: „Mein Entschluss steht fest.“

Böses Blut fließe nach der Trennung definitiv nicht. Die BVW habe bis dato mit allen Fraktionen im Stadtrat gut zusammengearbeitet. Das gelte auch mit Blick auf eine neue Gruppierung, die eventuell künftig in dem Gremium vertreten sein könnte.

„Mein Entschluss steht fest“, stellt Forster auf Nachfrage fest. Die Bürgervereinigung nach Jahrzehnten zu verlassen „fällt mit nicht leicht“, gibt er zu. Zu den Gründen will sich der Ex-Bürgermeister und Wirtschaftsreferent des Stadtrates noch nicht äußern. Vor der Gründung der neuen Gruppierung „müssen noch einige Formalitäten erledigt werden“. Im Anschluss würden sich er und seine Mitstreiter öffentlich erklären. Interessant wird die Antwort auf die Frage, ob man mit einer eigenen Kandidatenliste (vielleicht sogar mit einem Bürgermeisterkandidaten) in den Kommunalwahlkampf zieht.

Neben Forster zählt laut Informationen unserer Zeitung der ehemalige Fraktionschef der CSU, Stadtrat Dr. Manfred Fleischer, zu den Gründungsmitgliedern der neuen Gruppierung. Ein weiterer Name, der durch die Gerüchteküche gerufen wird: Richard Kugler, 2008 Bürgermeisterkandidat der CSU, aktuell parteifreier Stadtrat in den Reihen der Christsozialen. „Stimmt, ich bin dabei“, sagt Kugler frank und frei. Er macht kein Hehl aus der Tatsache, dass das Tischtuch zwischen ihm und der CSU schon lange zerschnitten ist. Zunächst hatte er wie berichtet laut über einen Wechsel zur BVW nachgedacht. „Aber die haben nichts von sich hören lassen.“ Mutmaßlich, so Kugler, „weil ich eine eigene Meinung habe, die nicht alle hören wollen“. Nun also plant er einen Neustart, zu dem Kugler noch nichts Konkretes sagt. „Zu gegebener Zeit werden wir alle gemeinsam Rede und Antwort stehen.“

Auch der Dritte Bürgermeister will die Seiten wechseln

Der Ortsvorsitzenden der CSU, Susanne Thomas, sind „die Gerüchte“ bereits zu Ohren gekommen: „Wenn es so ist, wünsche ich beiden, Herrn Dr. Fleischer und Herrn Kugler viel Glück.“ Verabschieden muss Thomas aber offenbar auch Helmuth Holzheu (parteifrei für die CSU). Der Dritte Bürgermeister wechselt mit hoher Voraussicht die Seiten. „Er könnte sich vorstellen, Mitglied der Bürgervereinigung zu werden“, verrät BVW-Vorsitzender Eichberger. Holzheu selbst sagt: „Das kann sein.“ Er führe derzeit „sehr konkrete Gespräche mit Herrn Eichberger“. Holzheu legt jedoch Wert auf die Festellung, dass er sich „bis zum letzten Tag dieser Legislaturperiode“ für die CSU-Fraktion engagieren werde. Was nach der Kommunalwahl am 15. März 2020 geschehe, „wird sich zeigen“, so der Dritte Bürgermeister.

Bereits im Herbst vergangenen Jahres ließ der ehemalige CSU-Ortsverbandschef Armin Drexl in einer öffentlichen Veranstaltung im Wirtshaus Flößerei kein gutes Haar an Fleischer, Kugler sowie Holzheu. „Keine Träne“ werde er Fleischer nachweinen, sollte er der CSU den Rücken kehren, konstatierte Drexl. Dasselbe gelte für die zwei parteifreien Stadträte. Dazu muss man wissen: Drexl lotste Fleischer 2002 im Auftrag des damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Edmund Stoiber zur Wolfratshauser CSU – Fleischer war zuvor Sprecher der Grünen im Bayerischen Landtag. Bei der Bürgermeisterwahl 2002 unterlag er Reiner Berchtold (SPD), 2006 kam es zur Spaltung der CSU-Fraktion. Angelika Sesto, Heinz Bröker, Florian Wurm und Paul Brauner kündigten Fleischer die Zusammenarbeit auf. Das Quartett setzte die kommunalpolitische Arbeit als „Union Wolfratshausen“ bis zur Kommunalwahl 2008 fort.

Im Frühling 2014, nach dem Misserfolg des Bürgermeisterkandidaten Peter Plößl, rumorte es bei den Christsozialen erneut mächtig. Das Ende vom Lied: Günther Eibl wurde zum Nachfolger Fleischers als Fraktionschef gewählt.

Fleischer hatte im Juli dieses Jahres in der Hauptversammlung des BCF – er ist Vorsitzender des Gesamtvereins, Helmut Forster Vorsitzender der Fußballabteilung des BCF – angekündigt, dass er 2020 nicht erneut als Stadtrat kandidieren wolle. Allerdings sagte er auch: „Vielleicht muss man irgendwann einmal eine eigene Liste mit Leuten aufstellen, die sich für Umwelt und Sport einsetzen.“ Diese Idee scheint mittlerweile gereift zu sein.

Fleischer war für unsere Redaktion am Freitag nicht erreichbar.

Rathauschef bedauert Entscheidung seines Vorgängers Forster

Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) hat nach eigenen Worten am Freitag erfahren, dass sein bisheriger Fraktionskollege und Mentor Forster das politische Lager wechselt. „Ich bedauere das sehr“, sagt Heilinglechner. Sein Amtsvorgänger habe nicht zuletzt in den sechs Jahren als Rathauschef „sehr viel für die Stadt getan“. Auch für Heilinglechner persönlich machte sich Forster stark. Nachdem fest stand, dass er selbst aus Altersgründen 2014 nicht erneut kandidieren durfte, plädierte er mit Nachdruck dafür, dass die BVW mit dem Bio-Bauern aus Weidach ins Rennen geht. Unterm Strich ging die Rechnung für die Bürgervereinigung auf.

Ab sofort zählt Forster nun zu den politischen Widersachern Heilinglechners. „Ja“, sagt der Rathauschef, „das ist jetzt definitiv eine andere Situation.“ cce

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