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„Chronisch unterbesetzt“: Laut dem Landtagsabgeordneten Florian von Brunn fehlen in Bayern derzeit mehr als 2400 Polizeibeamte.

Ist die Sicherheit gefährdet?

Personalmangel bei der Polizei: 15 Stellen fehlen

Bad Tölz-Wolfratshausen – Abgeordnete kritisieren den Personalmangel bei der Polizei. In Wolfratshausen sind elf Stellen unbesetzt, in Geretsried fünf. Ist die Sicherheit gefährdet?

Elf Vollzeitstellen fehlen bei der Polizeiinspektion Wolfratshausen, fünf bei der in Geretsried: Das berichtet Landtagsabgeordneter Florian Brunn (SPD) nach einer Anfrage an das Innenministerium. „Die bayerische Polizei ist chronisch unterbesetzt“, konstatiert er in einer Mitteilung an unsere Zeitung. In ganz Bayern hätten zum Stichtag am 1. Februar 2472 Beamte gegenüber der Sollstärke gefehlt. Neun Prozent aller Stellen seien unbesetzt. Um das auszugleichen, müssten Beamte längere Dienste schieben, kritisiert Brunn.

Auf Nachfrage räumt Christian Neubert, Vize-Dienststellenleiter in Wolfratshausen, einen Missstand ein. „Es ist kein Geheimnis, dass wir zu wenig Mitarbeiter haben und uns mehr Personal wünschen“, sagt er. Insgesamt würden 40 Beamte in der Dienststelle arbeiten. Das Soll sei in den vergangenen sechs Jahren nie erreicht worden. „Da geht es uns wie den meisten anderen Polizeidienststellen.“

Einbußen bei der Sicherheit gebe es für die Bürger aber nicht, betont Neubert. „Die Einsatzbereitschaft ist zu jeder Zeit gewährleistet.“ Der Mindestpersonalstand sei nie unterschritten worden.

In Wolfratshausen machen die Polizisten im Schnitt 32 Überstunden pro Jahr und Polizist, in Geretsried sind es 34 Stunden. „Das ist natürlich viel“, sagt Johann Brandhubert, stellvertretender Leiter der Geretsrieder Polizeiinspektion. Es könnten aber „auch wieder Zeiten kommen, in denen weniger Zusatzstunden anfallen“. Besonders Großeinsätze rund um den G7-Gipfel im Juni  2015 und Einsätze als Flüchtlingshelfer hätten zu Überstunden geführt. „So wie wir Unterstützung aus anderen Kommunen bekommen, wenn hier Großveranstaltungen stattfinden, entsenden wir Beamte in andere Regionen, um zu helfen“, erklärt Brandhuber.

Gibt es aus der Misere einen Ausweg? Reinhold Merl, Personalratsvorsitzender der Polizei für das Gebiet Oberbayern, ist skeptisch. Probleme wie im Nordlandkreis gebe es „in nahezu allen kleineren Dienststellen. Es gibt dort zu wenige Beamte, da fallen nun einmal Zusatzschichten an.“ Das Problem könnte sich sogar noch verschärfen. Dem Landkreis stünde eine „Pensionierungswelle“ bevor, sagt Merl. Selbst wenn nun viele Beamte neu angestellt würden, käme die Entlastung zu spät. Denn: „Bevor die neu angeworbenen Polizisten in die Dienststellen versetzt werden, durchlaufen sie eine dreijährige Ausbildung bei der Bereitschaftspolizei.“

Auf die Personalknappheit hat auch Florian Streibl, Landtagsabgeordneter der Freien Wähler, hingewiesen. In einer Mitteilung forderte er „dringend mehr Unterstützung“ der Polizei. Dass die Staatsregierung laut Streibl den Menschen vormacht, man könne mit Kräften der bayerischen Polizei die Grenzen sichern, sei „dreist“ und schüre Verdrossenheit. Die Politik müsse die personellen Ressourcen in den Dienststellen verbessern. Streibl: „Die Staatsregierung scheint damit leider überfordert zu sein.“

von Dominik Stallein und Sebastian Dorn

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