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So wird’s gemacht: Förster Robert Nörr (vorne, 2. v. re.) zeigt, wie die Baumwurzel richtig in den Waldboden gepflanzt wird. 100 junge Bäume haben die freiwilligen Helfer im Bergwald gepflanzt.

Pflanzaktion in Wolfratshausen

100 Bäume für den Bergwald

Die Stadt Wolfratshausen hat zusammen mit dem Forstrevier und dem Bund Naturschutz zu einer Pflanzaktion im Bergwald aufgerufen. Rund 20 Freiwillige halfen mit.

Wolfratshausen – Es schaut aus, als habe ein Sturm eine Schneise in den Bergwald geblasen: Bäume liegen kreuz und quer herum – dicke Stämme, schlanke und ganz dünne. Zwischen dem Gewirr aus Stämmen und Gestrüpp stolpern einige Leute durchs Unterholz, bewaffnet mit Spaten, die sie wuchtig in die feuchte Erde rammen. Sie arbeiten meist paarweise. Einer buddelt ein Loch, in das der andere die Wurzel eines Weißtannentriebs hineinsteckt. Dann wird das Erdloch vorsichtig wieder mit Erde gefüllt.

Der Bergwald soll so vielfältig wie möglich sein

Knapp 20 Männer und Frauen folgen am Freitagnachmittag dem Aufruf von Stadt, Forstrevier und Bund Naturschutz, im Bergwald junge Bäume anzupflanzen. „Was wir hier machen, ist eigentlich völlig überflüssig“, sagt Förster Robert Nörr zu Beginn der Aktion, um nach einer kurzen Pause angesichts der überraschten Gesichter ringsum zu ergänzen: „Wenn man mit wenig zufrieden ist.“ Man könne es getrost der Natur selbst überlassen, ihr Wachstum zu regeln. Das würde letztlich jedoch immer wieder die gleichen Bäume hervorbringen. Das ist den Verantwortlichen der Flößerstadt zu wenig. „Die Stadt hat den Anspruch, den Bergwald so vielfältig wie möglich zu gestalten“, erläutert Nörr. Deshalb werden an diesem Nachmittag 50 Weißtannen und 50 Elsbeeren gepflanzt. Die jungen Bäume sollen in einigen Jahren den Verlust zahlreicher Eschen, die Nörr und seine Kollegen jüngst wegen des rasch um sich greifenden Eschentriebsterbens fällen mussten, ausgleichen. Bewusst habe man sich für Weißtanne und Elsbeere als Ersatz entschieden, erklärt Nörr. Beides sind sogenannte Tiefwurzler, deren Wurzeln tief in den Boden treiben und dadurch den Hang stabilisieren.

Schutz für junge Triebe

Die Tannen sprießen in einem Bereich oberhalb des Walderlebnispfads, zehn Elsbeeren am Steilhang darunter, der Rest am Hang über der alten Polizei. „Wir muten Euch viel zu, in diesem Verhau zu pflanzen“, sagt der Förster. Aber auf diese Weise werde für einen natürlichen Schutz der jungen Triebe gesorgt. Denn dorthin, wo die freiwilligen Forsthelfer unsicher durchs Gehölz kraxeln, verirrt sich kein Reh oder anderes Wild. So sind die zierlichen Bäumchen vor Verbiss geschützt.

„Zwei Sachen sind noch wichtig“, erklärt Nörr den Helfern, während er mit beiden Beinen auf seinen Spaten springt und das erste Pflanzloch in den Waldboden sticht. „Schaut, dass keine Wurzel oberhalb der Erde liegt, dann gehen sie nicht an. Und biegt die Wurzel unten nicht um – sonst wird aus dem Tiefwurzler ein Flachwurzler.“

„Man kann nicht immer nur fordern und meckern“

Den freiwilligen Helfern, darunter Bürgermeister Klaus Heilinglechner, dessen Stellvertreter Fritz Schnaller und die Stadtratskollegen Fritz Meixner, Hans Schmidt sowie Rathausmitarbeiter Wolfgang Mucha, scheint die ungewohnte Abwechslung zu gefallen. „Man muss auch mal was für die Allgemeinheit tun. Man kann nicht immer nur fordern und meckern“, begründet Roberta Quien-Egold, selbst Waldbesitzerin, ihr Kommen. „Die ein, zwei Stunden darf man schon mal opfern.“

Ähnlich sehen das ihre Tochter Marie und deren Freundin Deborah Much, die eine zusätzliche Motivation mitbringt. „Mein Opa hat da oben die Allee gepflanzt. Da kann ich hier auch mal was tun“, sagt die 21-Jährige und zeigt lächelnd zum Hang am Golfplatz hinauf.

„Der Bergwald muss erhalten bleiben“

„Ich kenne den Wald in- und auswendig“, meint ein Anwohner. Er wohnt am Fuße des Bergwalds und hat seinen eigenen Spaten gleich mitgebracht. „Ich habe hier schon als Kind Räuber und Gendarm gespielt“, erzählt der Mann seinem Enkel, der ihm beim Pflanzen hilft. Deshalb sei es für ihn keine Frage gewesen, dass er die Aktion unterstützt. „Der Bergwald muss erhalten bleiben. Wir haben hier viel kaputtes Holz, deshalb ist die Vermischung mit anderen Arten richtig, sonst kommt immer dasselbe wieder.“

Von Rudi Stallein

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