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Am Marienplatz verschmelzen Realität und virtuelle Welt: Lena sieht auf ihrem Handybildschirm die Umgebung. Die Pokémon Go App blendet dazu virtuelle Monster ein.

Menschen, die auf Handys starren

Pokémon Go: Die beliebtesten Orte im Nordlandkreis

Wolfratshausen – Rattfratz, Glumanda und Pikachu erobern auch den Nordlandkreis. Diese drei und 147 weitere Monster sind die Hauptdarsteller des neuen, unfassbar populären Handyspiels „Pokémon Go“. Ein Jagdbericht.

Pokéstop: Beim Gasthof Lacherdinger in Ascholding gibt es die begehrten Pokébälle.

Lena steht mitten in Wolfratshausen vor dem Gasthaus Humplbräu und schaut auf ihr Smartphone. Ein Blick auf das Display verrät: Um sie herum tummeln sich jede Menge Pokemon. Wo genau die kleinen Monster sind, muss Lena noch herausfinden. Sie marschiert durch die Rathauspassage, vorbei am Schuhgeschäft, den Blick immer aufs Handy gerichtet. Am Sebastianisteg wird sie fündig. „Ein Zubat“, sagt sie, nicht sonderlich glücklich. Dieses schwache, wenig beliebte und ebenso wenig ansehnliche Pokemon sieht aus wie eine Fledermaus und flattert vor der Holzbrücke umher. Ein kurzer Wischer – und das Zubat ist gefangen.

Das Prinzip klingt futuristisch, ist aber einfach

Pokemon am Edeka in Waldram

Das Prinzip von „Pokémon Go“ klingt futuristisch. Wer auf die Jagd gehen will, muss sich das Programm herunterladen. Das Handy des Spielers wird über GPS geortet, auf seinem Display sieht er seine Umgebung auf einer Karte. Darauf sind verschiedene virtuelle Stationen eingezeichnet. Die Monster tauchen völlig willkürlich auf – in Hofeinfahrten, in Vorgärten oder eben am Sebastianisteg. Nur Spieler können die Pokémon durch das Smartphone sehen. Alle anderen sehen nur Menschen, die auf ihr Handy starren.

Um Lena herum sind einige so genannte Pokéstops – geschichtsträchtige reale Orte, an denen die Spieler Pokébälle ergattern können. Das sind virtuelle Hilfsmittel für die Jagd. Das Humplbräu ist solch ein geschichtsträchtiger Ort. Vor dem Gasthaus poppt ein kleines Info-Fenster auf Lenas Handy auf. „Humplbräu Wolfratshausen – das Gebäude wurde gegen 1500 erbaut.“ Das ist das Besondere an diesem Spiel: In „Pokémon Go“ verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Monsterjagd. Die Spieler müssen raus und durch die Stadt tigern. „Bei anderen Handyspielen sitzen die Leute bloß zuhause. So kommt man wenigstens an die frische Luft und bewegt sich“, sagt Lena.
 
Ein weiterer „Pokéstop“ wird der 18-Jährigen angezeigt. Das Denkmal für Gefallene der beiden Weltkriege vor der Flößerei, ganz in der Nähe. Gesehen hat die Abiturientin die Gedenktafel noch nicht. Dank der App lernt sie ein Wahrzeichen der Flößerstadt kennen.

Nur wer viel unterwegs ist, kann Pokémon fangen

Ein Paras am Karl-Lederer-Platz in Geretsried. Hier spielen viele User besonders gern.

Insgesamt 150 verschiedene Pokémon gibt es momentan – fangen kann sie nur, wer viel unterwegs ist. Lena besitzt bereits 16. „Ich spiele aber auch erst drei Tage.“ Wie viele Kilometer sie mit ihrem neuen Hobby bereits zurückgelegt hat, verrät ihr ein in die App integrierter Schrittzähler. „Ich bin deswegen jetzt aber nicht ständig unterwegs und jage Pokémon“, sagt Lena.
 
Wenn sie allerdings einmal – wie zuletzt am Wochenende – längere Wartezeiten überbrücken muss, zückt sie das Handy und durchforstet ihre Umgebung. „Ich war zwei Stunden in München unterwegs, weil ich auf einen Termin warten musste“, berichtet sie. Damit war sie nicht alleine: „Im Hofgarten stand eine Gruppe von über 100 Leuten herum, und jeder hatte die App geöffnet.“ Und auch am Karl-Lederer-Platz in Geretsried stehen zurzeit ständig Monstersammler. Noch ein Unterschied zu vielen anderen Handyspielen: „Man kommt ins Gespräch und lernt andere Spieler kennen.“

Die Arena beim Gorilla in der Egerlandstraße hat Team Blau besetzt.

Nächste Station: das Ostufer der Loisach. Plötzlich taucht ein Schillock auf, ein sehr seltenes, starkes Pokémon. Jetzt ist Geschick gefragt: Mit gezielten Würfen eines Pokeballs – oder besser gesagt: einem gekonnten Wischen über das Display – versucht Lena, das Biest einzufangen. Doch dieses Mal hat sie kein Glück. Das Wesen befreit sich und flüchtet. Die Jagd geht weiter.

Dominik Stallein

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