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Außerhalb der Praxis-Öffnungzeiten können sich Patienten an den ärztlichen Bereitschaftsdienst wenden. Hinter den Kulissen ändert sich in der Region im Herbst einiges. Das ruft Kritiker auf den Plan.  

Dienst ab Oktober nur noch in Bad Tölz

Politik erhöht den Druck: Bereitschaftsärzte sollen bleiben

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Die Aussicht, dass es ab Oktober keine Bereitschaftsärzte mehr im Nordlandkreis gibt, schreckt die Bürger auf. Mehr als 1700 Unterschriften sind dagegen gesammelt worden. Auch der Wolfratshauser Bürgermeister will sich jetzt stark machen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Wen die Grippe erwischt, der geht zum Hausarzt. Wen die Grippe nachts, sonn- oder feiertags erwischt, für den ist der Ärztliche Bereitschaftsdienst da. Unter der Nummer 11 61 17 werden aktuell Patienten im Nordlandkreis zu demjenigen Hausarzt durchgestellt, der Dienst hat, sei es in Geretsried oder sei es in Wolfratshausen. Doch das soll sich nach dem Willen der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern (KVB) ändern. Ab Oktober gibt es im Landkreis nur noch einen Standort, nämlich in Bad Tölz. Dann müssen sich Patienten wohl oder übel mit Fieber und Schmerzen auf die Reise machen. Wobei man freilich auch auf die Nachbarlandkreise ausweichen kann.

Einer, der gegen die Pläne mobil macht, ist Dr. Klaus Röttger aus Wolfratshausen. Inzwischen liegen ihm Unterschriften von 1600 Patienten aus verschiedenen Praxen vor. Röttgers Ziel sind 3000 Unterschriften bis März, die er dann dem Landrat übergeben will, damit der sich für das Anliegen stark macht. „Die Politik kann hier letztlich nicht entscheiden, aber sie kann sehr wohl durch einen Appell an die KVB den Druck erhöhen.“ Was Röttger vorschwebt, ist die Einrichtung einer Bereitschaftspraxis in der Kreisklinik.

Das allerdings wird wohl ein Wunschtraum bleiben. „Es ist kaum möglich, die notwendigen zusätzlichen Räume zu schaffen“, sagt Geschäftsführer Hubertus Hollmann. Im Jahr 2016 habe man einen intensiven Austausch mit der KVB gehabt, aber: „Damals hieß es klipp und klar, dass der Standort Wolfratshausen nicht infrage kommt.“ Vor zwei Jahren wäre es vielleicht möglich gewesen, einen Bereitschaftsdienst zu integrieren. Doch die Zeiten haben sich geändert. „Durch die Kooperation mit Starnberg bei der Geburtshilfe gibt es praktisch keine Kapazitäten mehr.“ Hollmann steht dem Ansinnen von Röttger „positiv-neutral“ gegenüber. Doch beeinflussen kann er die Entscheidung nicht.

Politische Unterstützung für Röttger gibt es durchaus. Nicht von Landrat Josef Niedermaier – der hatte schon erklärt, dass er die bayernweite Reform eher für eine interne Sache der Ärzte hält –, sondern die Ickinger Bürgermeisterin Margit Menrad, die im Rathaus eine eigene Liste ausgelegt hat. 125 Unterschriften sind zusammengekommen. „Ich finde es nicht in Ordnung, dass wir bei einem Thema, das schließlich alle Menschen angeht, vor vollendete Tatsachen gestellt werden“, so Menrad. Nach Tölz existiere sonn- und feiertags praktisch kein öffentlicher Nahverkehr. „Und wenn man einen Arzt kommen lässt, macht es einen Unterschied, ob der aus Wolfrathausen oder Tölz kommt.“

Auch der Wolfratshauser Bürgermeister Klaus Heilinglechner will sich des Themas demnächst annehmen. „Ich finde, wir können uns da nicht ruhig zurücklehnen und zuschauen“, sagt er. Heilinglechner kommt es „unlogisch“ vor, dass ab Oktober Wolfratshauser Ärzte nach Tölz fahren sollen, um dort ihren Bereitschaftsdienst zu leisten – und Wolfratshauser Patienten sich ebenfalls in Richtung Süden auf den Weg machen. Der Rathauschef hat durchaus Hoffnung, dass sich noch etwas verbessern lässt. Jedenfalls hat er diesen Eindruck aus einer Info-Veranstaltung der KVB im Dezember mitgenommen. „Da hat es geheißen, dass Anpassungen schon noch möglich sind.“

Da klingt die Antwort, die Klaus Röttger von der KVB bekommen hat, allerdings ganz anders. „Die Option der Einrichtung einer Bereitschaftspraxis in Wolfratshausen wurde überprüft. Es ist jedoch für die Region die Entscheidung gefallen, an den Standorten Bad Tölz, Starnberg und Agatharied Bereitschaftspraxen zu betreiben“, heißt es in dem Schrieb vom 4. Januar kurz und bündig. Und: „Für die Einrichtung weiterer Praxen besteht derzeit weder unter Versorgungsgesichtspunkten ein Bedarf, noch wäre dies unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten gerechtfertigt.“ Nach Nachbesserungen klingt das eher nicht.

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