Bettler mit Hund in München
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Bettler mit Hund: In München ist das ein gewohntes Bild, im Landkreis eher selten. Die Polizei spricht von gelegentlichen Fällen, ein strukturelles Problem ist die Bettelei zwischen Icking und der Jachenau nicht.

Nur manchmal werden Schnorrer und Hausierer rabiat

Polizei: Bettelei im Landkreis „kein strukturelles Problem“

  • vonPeter Borchers
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In den drei großen Städten des Landkreises sind Bettler selten. Doch es gibt sie: In Wolfratshausen ist Schnorren sogar eine „Familienangelegenheit“.

Bad Tölz-Wolfratshausen – In der Münchner Fußgängerzone sieht man sie alle paar hundert Meter sitzen, oft mit einem Hund an ihrer Seite. Der Vierbeiner soll das Herz der Passanten erweichen – wenn es sein Herrchen nicht schafft. Getreu dem Motto: Dem Armen hilf, den Bettler verjag! Schnorrer gehören rund um den Marienplatz zum Stadtbild. Im Landkreis gibt es sie auch, dort aber sind sie längst nicht so augenscheinlich. „Wir bekommen immer wieder Hinweise“, sagt Steffen Frühauf, stellvertretender Leiter der Wolfratshauser Polizeiinspektion. Das Problem: „Die Bettler hier sind ziemlich mobil, tauchen plötzlich auf und verschwinden genauso schnell wieder.“

Die Bettler hier sind ziemlich mobil, tauchen plötzlich auf und verschwinden genauso schnell wieder.

Steffen Frühauf, stellvertretender Leiter der Wolfratshauser Polizeiinspektion

Wie beim jüngsten Vorfall am 5. Oktober: Gegen 13.15 Uhr erfuhr die Polizei von Bettlern im Bereich der Sudetenstraße. „Wir hatten gerade die Bereitschaftspolizei da“, erzählt Frühauf. „Die Kollegen fuhren mit drei Fahrzeugen los und suchten den Bereich ab. Von den beschriebenen Personen war nichts mehr zu sehen.“ Generell rät der Inspektions-Vize dazu, Betteleien sofort der Polizei zu melden. „Sofern wir nicht anderweitig gebunden sind, kommen wir schnell und haben die Chance, die Leute zu stellen.“ Und ihnen sogar Geld abzuknöpfen: Frühauf hatte vor einiger Zeit im Rathaus angeregt, Bettler „bar verwarnen zu dürfen“. Bis zu 50 Euro müssen sie abdrücken, falls sie erwischt werden. Das tut weh.

Den Bettelmarkt, wenn man ihn so nennen will, dominiert an der Loisach seit rund zwei Jahren eine etwa zehnköpfige Familie aus Rumänien, Altersspanne 14 bis 47 Jahre. Die Gruppe ist unterwegs in zwei Kleinbussen, nächtigt bisweilen auf Supermarkt-Parkplätzen sowie in der Pupplinger Au und spricht mal hier, mal dort Passanten an – besonders gerne auf dem Sebastianisteg. Das dürfen die Rumänen eigentlich nicht, denn über die Sondernutzungssatzung der Stadt „ist geregelt, dass Betteln in ganz Wolfratshausen untersagt ist“, sagt Bauamtsleiterin Susanne Leonhard. Spreche man die Leute an, „tun sie erst so, als verstehen sie einen nicht. Fällt in der Folge das Wort Polizei, sind sie ganz schnell weg“.

Bettler packt ältere Frau am Arm

Am 20. August beispielsweise habe eine junge Frau Fußgänger auf dem Holzsteg um Geld angehauen, erzählt Hauptkommissar Frühauf. Eine Mitarbeiterin des Rathauses informierte die Polizei. Wie sich herausstellte, wurde die 20-jährige Rumänin per Haftbefehl gesucht. Ein Bekannter, den die Frau anrief, wendete den gegen sie vorliegenden Haftbefehl gegen eine Zahlung von 300 Euro ab. Rabiater ging ein junger Mann, auffälliges Merkmal Oberlippen- und Spitzbart, Mitte September eine 74-jährige Wolfratshauserin auf der Weidacher Brücke an. Er packte die Frau am Arm und forderte 20 Euro. Das Auftauchen einer Passantin nutzte die eingeschüchterte Rentnerin, um sich in einen nahe gelegenen Supermarkt zu flüchten. Der Täter verschwand unerkannt. Frühauf legt Wert auf die Feststellung, dass der Mann nicht zur polizeibekannten Familie gehört. „Ihn mit ihr in einen Topf zu werfen, wäre gegenüber den Rumänen nun auch nicht fair.“

Die Nachbarstadt Geretsried scheint ein weit weniger lohnendes Ziel zu sein, obwohl das Betteln dort laut Thomas Loibl, Sprecher der Stadt, „nur in den Grünanlagen“ explizit verboten ist. Emanuel Luferseder, Vize der Geretsrieder Polizeiinspektion, erinnert sich an einen Mann, der eine Zeit lang an der Egerlandstraße saß und vorbeieilende Menschen um Geld bat. Doch den hat er „seit mindestens einem Jahr nicht mehr gesehen“. Ansonsten erreichen die Dienststelle gelegentlich Meldungen über „durchreisende“ Hausierer, die an Türen klingeln. „Die sind dann aber auch ganz schnell wieder weg.“ Grundsätzlich, sagt Luferseder, „ist die Bettelei hier keine große Sache“. Und würde sie zu einer werden, versichert Rathaussprecher Loibl, „würde die Stadt schnell mit einer überarbeiteten Satzung reagieren“.

Im Februar übernahm Johannes Kufner die Leitung der Inspektion in Bad Tölz. Seitdem ist dem Polizeihauptkommissar „keine Einsatzhäufung“ in Sachen Bettler aufgefallen – „was aber nicht heißt, dass es sie bei uns nicht gibt“. Der Computer spuckt nach einem Suchlauf tatsächlich sieben Mitteilungen aus, darunter die Beschwerde über einen Mann, der von Haus zu Haus zog. Von den Kollegen weiß der Tölzer Polizeichef, dass „wohl früher auch mal organisierte Bettelgruppen unterwegs waren“. Die Leute wurden abgesetzt und dann wieder aufgelesen. Kufners Fazit: „Ein strukturelles Problem haben wir mit Bettlern nicht in Tölz.“ Man gehe aber selbstverständlich jedem Hinweis nach, „denn es könnte hinter jedem Fall ja auch ein anderes Vergehen stecken“.

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