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Ausgesperrt: Dubiose Schlüsseldienste nutzen solche Situationen schamlos aus. Eine 75-jährige Wolfratshauserin sollte am Wochenende für das Öffnen ihrer Wohnungstür 2100 Euro zahlen. 

Aktueller Fall in Wolfratshausen

Polizei warnt vor betrügerischen Schlüsseldiensten

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Wolfratshausen  - Ein aktueller Fall in Wolfratshausen zeigt: In der Schlüsseldienst-Branche tummeln sich viele unseriöse Anbieter. Die Polizei appelliert an die Bevölkerung, im Zweifelsfall die 110 zu wählen. 

Wolfratshausen – Vielen ist das schon passiert. Drinnen die köchelnde Suppe auf dem Herd, draußen man selbst ohne Schlüssel – und dazwischen eine zugefallene Wohnungstür. Der Scheckkarten-Trick funktioniert leider nur im ARD-Tatort. Also muss ein Schlüsseldienst her. Nur beginnt damit oft das Problem. Denn in der Not, in der Eiseskälte oder unter Zeitdruck landet man rasch bei dubiosen Schlüsseldiensten.

Am Wochenende traf es eine 75-jährige, kranke Wolfratshauserin, die sich ausgesperrt hatte (wir berichteten). Erst 2100, dann 1700 Euro sollte die Dame für einen neuen Schließzylinder und drei Arbeitsstunden zahlen. „Absoluter Wucher“, sagt Richard Geyer. Er betreibt in Geretsried einen Schlüsseldienst und war am Samstagvormittag selbst in der Nachbarstadt unterwegs: Einer Wolfratshauserin war der Schlüssel im Schloss abgebrochen, der 61-Jährige kam und reparierte die Sache – für 75 Euro. Weil die Kundin auf einen neuen Zylinder bestand, da ihre anderen Schlüssel ebenfalls schon Risse zeigten, nahm Geyer schließlich 120 Euro – ein fairer Preis. Die zwielichtigen Bauernfänger in seinem Gewerbe kennt der Geretsrieder, seit 27 Jahren im Geschäft, zur Genüge – auch jene Firma, die die 75-Jährige angerufen hatte. „Eine 0800er-Nummer, sie sitzt in Nordrhein-Westfalen“, sagt Geyer. Einen ganzen Stapel von Rechnungskopien habe er bei sich im Büro liegen, denn diese Firmen hatten teilweise behauptet, „ich sei in ihrem Auftrag gekommen“. Wie das möglich ist? „Mein Name ist nicht geschützt“, sagt Geyer. So sei es für diese Nepper ein Leichtes, ihn auf ihrer Internetseite zu nennen. Diese Seiten würden eine Zeit lang online stehen, bis genügend Opfer auf sie reingefallen sind, dann würden sie wieder aus dem Netz genommen und durch neue ersetzt.

Sind die Subunternehmer dieser Dienste vor Ort, droht neben einer saftigen Anfahrtspauschale oft Kleinholz. „Die haben meist keine Ahnung“ von der Materie“, sagt Richard Geyer, „und machen viel kaputt.“ Bisweilen auch absichtlich, um die Rechnung nach oben zu treiben. Zudem arbeiten sie mit Druck. Er erzählt von einem Fall, bei dem eine dieser „Fachfirmen“ eine Tür ausgehängt und die Arbeiten dann eingestellt habe, bis die Rechnung komplett beglichen ist. Da die Eigentümer nicht genügend Bargeld daheim hatten, blieb ihr Haus über Nacht offen – bis Richard Geyer die Situation am nächsten Tag rettete.

Die Betrüger bewegen sich in einer Grauzone

Michael Bayerlein sind vieler dieser Praktiken bekannt. Gegen die Wucherer vorzugehen, sagt der Wolfratshauser Polizei-Vize, sei schwierig. Denn die bewegen sich in einer rechtlichen Grauzone. Bayerlein empfiehlt jedem Ausgesperrten, 0800er-Nummern zu meiden und, wenn möglich, einen ortsansässigen Schlüsseldienst oder Schlosser zu rufen. In diesem Zusammenhang sinnvoll: Man sollte sich frühzeitig informieren, nicht erst im Ernstfall, wenn die Zeit drängt. Zudem rät der Polizeihauptkommissar dazu, sich vor Beginn der Arbeiten nach dem Preis zu erkundigen. Falls die angeblichen Handwerker im Anschluss massiv ihre Forderungen durchsetzen wollen – laut Bayerlein „ist das auch eine ihrer Maschen“ – sollten die Betroffenen sich nicht scheuen, die 110 zu wählen. „Zehn Minuten später sind wir da, und dann sollen die Herrschaften mal uns gegenüber erklären, was sie da tun.“

Auch Experte Geyer warnt davor, besagte 0800er-Nummern zu wählen oder in Telefonbüchern beziehungsweise im Internet weit oben aufgelistete Firmen zu kontaktieren. Für ebenso bedenklich hält der 61-Jährige „diese Neun- oder Zwölf-Euro-Angebote“. Als Richtwert gibt er etwa 70 Euro für das Öffnen einer zugefallenen Haustür an. „Das genügt in 95 Prozent aller Fälle.“

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