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Polizeiauto angezündet: Brandstiftung hat Nachspiel für Zeugen

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Der Streifenwagen
Brandstiftung: Einen Streifenwagen setzte Ende Juni 2019 ein Wolfratshauser am Obermarkt in Brand. © Carl-Christian Eick

Vor einer Spielothek in Wolfratshausen wurde ein Polizeiauto angezündet. Der Täter wurde inzwischen verurteilt - nun saß sein Bekannter auf der Anklagebank.

Wolfratshausen – Der Fall sorgte für Schlagzeilen: In der Nacht auf den 30. Juni 2019 war vor einem Spielsalon am Obermarkt ein Streifenwagen angezündet worden. Für die Tat wurde ein 30 Jahre alter Wolfratshauser zu zwei Jahren und vier Monaten Gefängnis verurteilt (wir berichteten). Nun saß ein ebenfalls in Wolfratshausen lebender Bekannter des Brandstifters wegen der Sache auf der Anklagebank.

Polizeiauto angezündet: Brandstiftung in Wolfratshausen hat Nachspiel für Zeugen

Der 33-Jährige (der kurzzeitig selbst als Tatverdächtiger galt) musste sich wegen falscher uneidlicher Aussage und versuchter Strafvereitelung verantworten. Er verließ das Gericht mit einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt ist.

Der Mann hatte am 13. Januar 2020 in der Hauptverhandlung gegen den damals noch mutmaßlichen Brandstifter am Wolfratshauser Amtsgericht als Zeuge ausgesagt. Er behauptete, der Angeklagte sei in der besagten Nacht die ganze Zeit neben ihm an einem Tisch am Eingang des Lokals gestanden. Mithin könne er das Feuer, das am hinteren rechten Radkasten des BMW X 1 ausgebrochen war, gar nicht entfacht haben. Diese Aussage stand im Widerspruch zu den Angaben, die er wenige Tage nach dem Brand gegenüber den Kripobeamten, die ihn an seinem Arbeitsplatz aufsuchten, gemacht hatte: Sein Bekannter habe in der Tatnacht gesagt, „das zünde ich jetzt an“. Er sei auch nicht dauerhaft bei ihm gestanden.

Falschaussage im Brand-Prozess? Zeuge sitzt auf der Anklagebank

Mit dem Widerspruch konfrontiert, gab er als Begründung an, er habe sich von der Polizei unter Druck gesetzt gefühlt. Er habe schon bei der Vernehmung erklären wollen, dass der Beschuldigte nicht der Täter sei, aber die Polizei habe keine Ruhe gegeben. In seiner eigenen Verhandlung gab sich der 33-Jährige reumütig. „Ich entschuldige mich dafür, dass ich gesagt habe, er sei es nicht gewesen.“ Sein Geständnis bewahrte ihn vor dem Gefängnis. Der Angeklagte war nur wenige Wochen vor der Brandstiftung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Zwar wurde er zu einer weiteren Freiheitsstrafe von zehn Monaten verurteilt, allerdings erneut mit einer Bewährungschance.

Amtsgericht Wolfratshausen fällt Urteil für Falschaussage nach Brandstiftung

Angesichts der positiven Entwicklung, die der Bewährungshelfer dem Angeklagten bescheinigte, „wäre das Gefängnis kontraproduktiv und dient auch nicht ihrer persönlichen Entwicklung“, erklärte Oberstaatsanwalt Frank Gellhaus. „Deutlich zu ihren Gunsten fällt außerdem in die Waagschale, dass der Täter inzwischen rechtskräftig verurteilt werden konnte.“ Richterin Friederike Kirschstein-Freund folgte in ihrem Urteil dem Antrag des Oberstaatsanwalts, machte dem Mann auf der Anklagebank aber auch deutlich: „Das ist alles in allem ein sehr unschönes Bild. Sie haben versucht, eine schwere Straftat zu vereiteln. Da sind zehn Monate eine sehr milde Strafe.“ Als Auflage muss der Verurteilte 1000 Euro an den Trägerverein Jugend- und Sozialarbeit zahlen. Der Angeklagte nahm das Urteil an.

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