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Unfall auf der B11: Porsche- und Mercedesfahrer streiten vor Gericht

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Von: Angela Walser

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Unter den Augen von Justitia trafen sich zwei Unfallgegner vor Gericht wieder. Sie waren im November 2020 auf der B11 bei Bad Heilbrunn kollidiert.
Unter den Augen von Justitia trafen sich zwei Unfallgegner vor Gericht wieder. Sie waren im November 2020 auf der B11 bei Bad Heilbrunn kollidiert. © dpa

Eine Kollision beim Überholen auf der B11 führte die Fahrer vor das Landgericht. Die Unfallgegner halten sich gegenseitig für den Schuldigen.

Bad Tölz-Wolfratshausen/München – Wenn Schöffen vereidigt werden, beinhaltet die Eidesformel auch den Hinweis, dass sie stets ohne Ansehen der Person eine Entscheidung treffen müssen. Diese Regel dürfte in einem Zivilverfahren nicht unbedeutend gewesen sein. Vor dem Landgericht München II trafen ein Porsche- und ein Mercedes-Fahrer aufeinander. Die hintereinanderfahrenden Autos der Männer hatten sich im November 2020 bei einem Überholvorgang auf der B11 bei Bad Heilbrunn touchiert. Jeder hielt den anderen für den Verursacher des Unfalls, bei dem es gottlob nur Blechschaden gab.

Porsche gegen Mercedes´: Unfall auf B11 führt vors Landgericht

Der Kläger im Porsche war an jenem Tag im November gegen 15.45 Uhr in nördlicher Richtung hinter einem Van gefahren, dessen Lenker mit 60 bis 70 Stundenkilometern unterwegs war. Zwischen den Einmündungen Letten und Brandl setzte der Porschefahrer kurz vor einer Linkskurve zum Überholen an. In der Kurve kam es zu einer seitlichen Kollision der beiden Fahrzeuge. Der Überholende verlangte Ersatz für seinen Fahrzeugschaden. Er behauptete, der Familienvater im Mercedes-Van habe aus Unachtsamkeit die Kurve geschnitten. Das bestritt der Beklagte und behauptete, dass der Porschefahrer in sein Auto hineingefahren sei.

Unfallursache ist unklar: Porsche- und Mercedes-Fahrer beschuldigen sich gegenseitig

Die Zivilkammer hörte beide Parteien an, die Ehefrau des Van-Fahrers wurde als Zeugin vernommen, ein Sachverständiger angehört. Dieser hielt beide Versionen für technisch möglich. Der Van-Fahrer könnte also die Kurve geschnitten, der Porsche-Pilot könnte während des Überholens allerdings auch tangential in der Kurve aus seiner Fahrspur gedriftet sein. Letzteres wäre insbesondere dann möglich gewesen, wenn der Kläger in der Kurve beschleunigt oder verlangsamt hätte. Denn beides bewirke eine Verringerung der Seitenführungskräfte, so der Experte. Der Sachverständige erklärte, dass das schon dann passieren könnte, wenn der Kläger in der Kurve den Fuß vom Gas genommen habe.

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Der Porschefahrer wollte ein Driften aus der Kurve aber kategorisch ausschließen. Er absolviere jährlich ein Fahrsicherheitstraining, Im Jahr 2020 hatte er nach eigenen Aussagen sogar an einem Rundstreckentraining auf der Nordschleife des Nürburgrings teilgenommen. Er sei bestens mit seinem Fahrzeug vertraut, behauptete der Mann.

Nach B11-Unfall: Landgericht regt Vergleich an

Der Sachverständige hielt allerdings dagegen, dass sich angesichts der von beiden Parteien übereinstimmend angegebenen Geschwindigkeiten ein Überholmanöver in der Unfallkurve gar nicht sicher durchziehen lasse, und zwar nicht einmal mit dem Porsche des Klägers. Vor diesem Hintergrund regte das Landgericht München II einen Vergleich an. Die Versicherung des Van-Fahrers übernimmt 30 Prozent des vom Porschefahrer eingeklagten Betrags. Oder anders ausgedrückt: Der Porschefahrer bekommt knapp 3000 Euro, verlangt hatte er etwa 7000 Euro.

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Nicht berücksichtigt wurde im Verfahren allerdings der Schaden an dem Mercedes. Darüber müssen sich beide Seiten noch einigen, oder der Familienvater muss den Betrag eventuell noch einklagen.

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