Stehen hinter dem Projekt: (oben v. li.) Dr. Jens Klein, Bürgermeister Klaus Heilinglechner, (unten v. li.) Gabriele Strauhal (AWO-Demenzzentrum), Jugendreferentin Jennifer Layton, Ines Lobenstein und Daniela Satzinger vom Kulturverein Isar-Loisach.
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Stehen hinter dem Projekt: (oben v. li.) Dr. Jens Klein, Bürgermeister Klaus Heilinglechner, (unten v. li.) Gabriele Strauhal (AWO-Demenzzentrum), Jugendreferentin Jennifer Layton, Ines Lobenstein und Daniela Satzinger vom Kulturverein Isar-Loisach.

Ines Lobenstein: „Wir sind es ihnen schuldig“

Privatinitiative betreibt Corona-Teststation am Schwankl-Eck bis Ende Januar weiter

  • Sabine Hermsdorf-Hiss
    vonSabine Hermsdorf-Hiss
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Um Menschen den Besuch ihrer Angehörigen in einem Senioren- oder Pflegeheim zu ermöglichen, betreibt eine Wolfratshauser Privatinitiative eine Teststation am Schwankl-Eck. Die Aktion wird gut angenommen - und nun verlängert.

Wolfratshausen – 250 Frauen und Männer haben mittlerweile die in Privatinitiative betriebene Corona-Schnellteststation in Wolfratshausen genutzt. Ines und Peter Lobenstein hatten sie gemeinsam mit dem HNO-Arzt Dr. Jens Klein sowie vielen freiwilligen Helfern kurz vor Weihnachten im Gebäude am Schwankl-Eck eröffnet (wir berichteten). Sie ist für Angehörige gedacht, die einen Bewohner eines Senioren- oder Pflegeheims besuchen wollen. Dazu müssen diese einen negativen Covid-19-Test vorweisen.

Aufgrund der großen Nachfrage wollen die Initiatoren und ihre Helfer – dazu gehören Ehrenamtliche der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) sowie des Kulturvereins Isar-Loisach (KIL), der die Räume zur Verfügung stellt – das Angebot bis Ende Januar verlängern. „Dann werden wir sehen, wie die Situation sich weiterhin darstellt“, sagten die Beteiligten bei einem Pressetermin am Donnerstag.

 Wir haben einen gewissen Betrag, der für Senioren gedacht ist, und den wir nun einsetzen

Bürgermeister Klaus Heilinglechner

Für Menschen aus dem gesamten Landkreis, die im Besitz einer Sozialcard sind oder nur über ein geringes Einkommen verfügen, sollen die Schnelltests weiterhin kostenlos sein. Sowohl die Caritas als auch die Stadt Wolfratshausen unterstützen das Projekt. „Wir haben einen gewissen Betrag, der für Senioren gedacht ist, und den wir nun einsetzen“, sagte Bürgermeister Klaus Heilinglechner, der gemeinsam mit der Jugendreferentin des Stadtrats, Jennifer Layton, den Betreibern für ihr Engagement dankte. Gerade heute sei im Rathaus für die Testkits eine Rechnung über 1500 Euro eingetroffen. „Aber das ist es uns wert.“

Nach den Vorgaben der Politik sollten eigentlich die Heime die Besucher testen. Eine Anweisung, die nicht durchführbar ist, kritisierte Gabriele Strauhal vom AWO-Demenzzentrum in Wolfratshausen. „Wir haben noch nicht einmal die Räumlichkeiten dazu.“ Ganz zu schweigen von der Bürokratie, die zu bewältigen wäre, und den Kräften, die für die Testungen speziell geschult sein müssten. Zudem müssten bereits Tests und zum Teil auch die dazu benötigten Kits für die eigenen Mitarbeiter organisiert werden, so Strauhal.

Ohnehin sollten Besucher bereits beim Betreten einer Einrichtung ein negatives Testergebnis vorlegen. Das muss allerdings möglichst frisch sein. So ist vorgeschrieben, dass POC-Antigen-Schnelltests nicht älter als 48 Stunden, PCR-Labortests nicht älter als 72 Stunden sein dürfen. Dazu kommen die Kosten. „Manche Ärzte – vorausgesetzt man hat einen gefunden, der Tests durchführt – verlangen mittlerweile bis zu 80 Euro“, berichtete Strauhal. „Welche Rentnerin, die beispielsweise ihren Ehepartner im Heim besuchen möchte, kann sich das leisten?“

Zwar gibt es in Bad Tölz ein kostenfreies Corona-Testzentrum, aber die Anmeldung soll möglichst online erfolgen. „Und wenn man kein Internet hat?“, fragte Ines Lobenstein. Auch müssten Menschen, die nicht mobil sind, auf öffentliche Verkehrsmittel zurückgreifen. „Und das gleich zweimal, da sie erst drei Tage später das Ergebnis bekommen“, monierte die Caritas-Mitarbeiterin. Ein weiteres Problem: „Wenn erst nach drei Tagen das Ergebnis kommt“, so Strauhal, „entspricht der Beleg nicht mehr den Vorgaben bezüglich der Drei-Tages-Frist.“

Für Ines Lobenstein war dies alles der Grund, zusammen mit Ehemann Peter die Schnellteststation ins Leben zu rufen. „Ich arbeite an der Basis – zu mir kommen die Menschen, die in Not sind“, sagt die Caritas-Mitarbeiterin. „Sie stehen da und haben Tränen in den Augen, weil sie ihre Angehörigen nicht besuchen können. Ich finde, wir sind es schuldig, hier Abhilfe zu schaffen, hier einfach zu helfen.“

sh

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