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Bericht einer Aussteigerin: Franziska Schreiber (re.) schilderte auf Einladung der SPD ihre Zeit bei der AfD. 

Sie gilt als scharfe Gegnerin der Partei

Provokation als Politik: AfD-Aussteigerin berichtet in Wolfratshausen

Sie war Vorstandsmitglied der Jungen Alternative, dann trat sie aus: Franziska Schreiber spricht  in der Flößerei über die Strategie der AfD.

Wolfratshausen – Franziska Schreiber stammt aus einem „politischen Haushalt“. In ihrer Familie wurde viel über Politik gesprochen. Man wählte die SPD oder auch mal ganz links. Schreiber selbst schloss sich der AfD in Sachsen an, verbrachte ihre gesamte Freizeit mit der sogenannten Alternative für Deutschland. Sie wurde schnell Vorstandsmitglied der Jungen Alternative, der AfD-Nachwuchsorganisation. Ende 2017 verließ sie die Partei und wurde mit dem Buch „Inside AfD: Der Bericht einer Aussteigerin“ als scharfe Gegnerin der AfD bekannt.

Vor über 70 Gästen sprach die 28-Jährige zusammen mit LMU-Professor Martin Schulze Wessel im Wirtshaus Flößerei über den Umgang mit den Rechtspopulisten und die Instrumente der AfD. Alle Ortsvereine der SPD im Nordlandkreis hatten zu der Veranstaltung eingeladen.

Beatrice Wagner, Vize-Vorsitzende der Ickinger SPD, schilderte eine Erfahrung, die wohl die meisten Gäste bereits gemacht haben: „Im Gespräch mit einer Freundin tauchten auf einmal Wörter wie Dunkeldeutschland und Pauschalisierungen der Asylbewerber auf.“ Wagner fragt sich seitdem, wie sich die Bekannte politisch so weit nach rechts orientieren konnte – und wie sie mit ihrer Freundin nun umgehen soll.

„Ich habe mich gefragt, was die mit meiner Stimme gemacht haben.“

Franziska Schreiber nutzte ihre eigene politische Karriere zur Veranschaulichung der AfD-Mitgliederwerbung. Nachdem sie – in jugendlicher Rebellion gegen ihre Eltern – die CDU gewählt hatte, formierte sich die Große Koalition. „Ich habe mich gefragt, was die mit meiner Stimme gemacht haben.“ Weil die AfD als Bürgerpartei für sich warb, die nichts mit Berufspolitik zu tun haben wollte und in der es keine Denk- und Sprechverbote geben sollte, „habe ich mir das mal angesehen“. Schreiber wurde freundlich empfangen, arbeitete als gemäßigte Nachwuchspolitikerin am Landesprogramm mit und „hatte ein wirklich schönes erstes Jahr“. Dann habe sich die AfD schleichend radikalisiert – „einige Politiker haben immer wieder mit Skandal-Aussagen mediale Beachtung gefunden“. Schreiber erkannte ein System dahinter: „Die Partei ist intelligent genug, provokante Sachen zu sagen, die aber gerade noch nicht justiziabel sind.“ Das berühmte Zitat von Björn Höcke, das Holocaust-Mahnmal in Berlin sei ein „Denkmal der Schande“, nannte sie als Beispiel.

Martin Schulze Wessel erklärte eine zweite Strategie nationalistischer Gruppe: „Diese Parteien verkaufen sich als die einzigen wahren Vertreter der Nation.“ Die Parole „Wir sind das Volk“ würde von der AfD und ihren Sympathisanten „als Ausschluss der Fremden“ verstanden und nicht als Beitrag zum Zusammenhalt aller Menschen.

Ein Problem, das beide Redner im politischen Diskurs erkannten, benannte Schulze Wessel: „Alle Parteien stehen gemeinsam gegen die AfD.“ Für den Wähler sei es immer schwieriger, zwischen den Programmen einzelner Parteien zu unterscheiden. „Aber Politiker müssen auch mal polarisieren, um interessant zu sein.“ Wie Franziska Schreiber sagte, habe die AfD genau dies verstanden – und verursache auch deshalb regelmäßig ganz bewusst politische Skandale.

Dominik Stallein

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