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Sehen den Radverkehr als wichtige Mobilitätsalternative (v. li.): AGFK-Geschäftsführerin Sarah Guttenberger, Johannes Ziegler von der Obersten Baubehörde, Robert Burschik vom ADFC Bayern, die stellvertretende AGFK-Vorsitzende Susanne Lender-Cassens, Bürgermeister Klaus Heilinglechner und Susanne Leonhard vom Bauamt der Stadt Wolfratshausen.

„Fahrrad-Begeisterung wecken“

Radfreundliche Kommune: Wolfratshausen will das Verkehrsproblem entschärfen

Im Herbst könnte Wolfratshausen „Radfreundliche Kommune“ werden. Laut Bürgermeister der leichteste Weg, um die Verkehrsproblematik zu bekämpfen. Beim Radkonzept gibt es aber Nachbesserungsbedarf.

Wolfratshausen – Seit sechs Jahren setzt sich die Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen in Bayern (AGFK) für eine Verbesserung der Radinfrastuktur ein. Doch nicht jede Stadt erfüllt die strengen Kriterien des Vereins. Kürzlich trafen sich deshalb Vertreter des Landratsamts, des Straßenbauamts, der Polizei, der Verkehrswacht, der AGFK und des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) mit Stadträten sowie Verwaltungsmitgliedern, um eine sogenannte Hauptbereisung im Wolfratshauser Stadtgebiet durchzuführen.

Nach der anderthalbstündigen Radtour und einer kurzen Beratungsrunde stand fest: Die AGFK empfiehlt der neuen bayerischen Verkehrsministerin Ilse Aigner (CSU), die Flößerstadt mit dem prestigeträchtigen Prädikat auszuzeichnen. Die Verleihung soll im Herbst stattfinden. „Die Stadt hat in den vergangenen neun Jahren rund 1,5 Millionen Euro für den Fuß- und Radverkehr ausgegeben“, sagte Susanne Leonhard vom städtischen Bauamt.

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Leonhard leitet seit 2010 eine Projektgruppe, die seither stetig neue Radroutenkonzepte ausarbeitete und schon einige Verbesserungen wie beispielsweise neue Radständer oder Schutzstreifen durchgesetzt hat. Dass sich dieser Aufwand ausgezahlt hat, bestätigte die stellvertretende AGFK-Vorsitzende Susanne Lender-Cassens. „Wir haben eine kontinuierliche Weiterentwicklung des Radkonzepts feststellen können“, berichtete sie. So spiele beispielsweise die Berücksichtigung des Radverkehrs in der städtischen Bauleitplanung eine immer größere Rolle.

Dennoch erkannte die Jury an einigen Stellen Nachbesserungsbedarf. „Die Beschilderung mit Piktogrammen könnte noch erweitert werden“, sagte Lender-Cassens. Schließlich gäbe es in Wolfratshausen auch einen starken Zuzug an Bürgern, die sich auf den Straßen erst zurechtfinden müssten. Zudem könnte auf der städtischen Homepage mit noch deutlicheren Schlagworten für den Radverkehr geworben werden. Erleichtert werden sollte nach Ansicht der AGFK-Prüfer auch das „Einfädeln der Radfahrer in den fließenden Verkehr“ – etwa dann, wenn ein Radweg endet und in eine Straße mündet.

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„Uns wurde klar, dass wir noch einiges verbessern können“, gab sich Bürgermeister Klaus Heilinglechner nach der Hauptbereisung selbstkritisch. Die Empfehlung für die Auszeichnung „fahrradfreundliche Kommune“ zu erhalten, sei nicht nur wegen des touristischen Aspekts wichtig. „Wir wollen die Fahrrad-Begeisterung in der Bürgerschaft wecken“, kündigte Heilinglechner an. Das sei der leichteste Weg, um die Verkehrsproblematik in der Flößerstadt zu entschärfen.

Robert Burschik vom ADFC Bayern warnte die Wolfratshauser, sich auf den frisch erworbenen Lorbeeren auszuruhen. „Wir zertifizieren keinen Endzustand, die Anforderungen für einen besseren Radverkehr gehen immer weiter“, sagte er. Daran, dass das bayerische Verkehrsministerium der Empfehlung folgt, hat aber auch er keinen Zweifel.

Peter Herrmann

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