„Als Warnung und Gesinnungsstrafe“

Radlunfall kommt Münchner richtig teuer zu stehen

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Das Auto biegt unvermittelt ab, deswegen muss ein Radfahrer so stark bremsen, dass dieser über die Lenkerstange fliegt. Das Amtsgericht muss nun die Schuldfrage klären.

Münsing/Wolfratshausen Es geschah am 11. Juni vorigen Jahres gegen 18 Uhr im Gemeindegebiet von Münsing: Als ein BMW auf der Seeuferstraße am Starnberger See unvermittelt nach links abbog, stürzte der hinter ihm fahrende Radfahrer bei einer Vollbremsung über die Lenkstange. Der 18-jährige Schüler zog sich Prellungen und Hautabschürfungen zu. Der Autofahrer, ein 70-jähriger Münchner, fuhr nach einem kurzen Disput davon. Nun musste sich der Geschäftsführer vor dem Amtsgericht Wolfratshausen verantworten. Wegen fahrlässiger Körperverletzung, Beleidigung und Unfallflucht wurde er zu 10.440 Euro Geldstrafe verurteilt.

„Diese Darstellung trifft nicht zu“, empörte sich der Beschuldigte, nachdem die Staatsanwältin die Anklageschrift verlesen hatte. „Ich habe mich nicht einfach entfernt“, sagte der Münchner. Der junge Mann habe gar kein Interesse an seinen Daten gehabt. „Er hat das Ganze bagatellisiert“, behauptete der 70-Jährige. Außerdem habe eine leider nicht mehr auffindbare Zeugin bestätigt: „Das war klar die Schuld des Radfahrers.“

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Die Zeugenaussage deckte sich mit der des BMW-Fahrers. Demnach war er vom rechten Fahrbahnrand nach links in eine Einfahrt eingebogen, „um dem Gegenverkehr Platz zu machen“. Als er stand, habe er starkes Bremsen des Radfahrers vernommen – unsinnigerweise. „Da muss man nicht so abbremsen, dass man über den Lenker geht“, meinte der Autofahrer. Er soll den jungen Radler zudem mit den Worten „Sind alle Rennradfahrer so blöd?“ und „Depp“ beleidigt haben. Die Beschimpfungen räumte der Angeklagte ein. Für die Verletzungen des Radlers hatte er vor Ort keinen Blick – und für die verspätete Anzeige auch kein Verständnis.

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Erst nachdem der Münchner sich entfernt hatte, hatte der Jugendliche realisiert, dass seine Verletzungen womöglich schwerer waren, als er im ersten Schockmoment wahrgenommen hatte. „Dass es mir nicht gut ging, konnte man sehen. Ich hatte kein Gefühl mehr in Armen und Beinen, habe mich vor Schmerzen gekrümmt.“ Die Prellungen und Schürfwunden sind inzwischen verheilt. Das Halswirbelsäulen-Syndrom, das er sich beim Sturz zugezogen hat, bereite ihm noch immer Probleme. Den Unfall habe er nicht vermeiden können. „Ich musste stark bremsen, sonst wäre ich in den Kofferraum gefahren“, erklärte der 18-Jährige. Ein Zeuge, der an jenem Abend ebenfalls mit dem Fahrrad am See unterwegs war, bestätigte die Version des Jugendlichen.

Das Gericht sah die Schuld des Münchners in allen drei Anklagepunkten für erwiesen an. Richter Helmut Berger verurteilte den Geschäftsführer zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 116 Euro und verhängte zudem „als Warnung und Gesinnungsstrafe“ ein dreimonatiges Fahrverbot. 

 rst

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