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Aufweichen oder hart bleiben? Die Verantwortlichen in Wolfratshausen fürchten um ihre Innenstadt, sollte man dem Möbel-Mahler-Nachfolger XXXLutz in puncto Angebot zu viel Freiraum gewähren.

Möbelgigant XXXLutz will mehr Spielraum

Randsortiment: Was ist im Gewerbegebiet erlaubt?

Wolfratshausen – Wer zieht ins geschlossene Möbel-Mahler-Gebäude im Gewerbegebiet ein? Das ist unklar, momentan wird über das Randsortiment verhandelt. Dafür gibt es seit ein paar Jahren strikte Beschränkungen.

Noch ist völlig unklar, ob und wann der neue Möbelmarkt am Hans-Urmiller-Ring eröffnet. Schon jetzt wird allerdings über das Sortiment des Nachfolgers von Möbel Mahler diskutiert. Kürzlich meldete sich bereits der Handelsverband Bayern (HBE) zu Wort. Der Landkreischef des HBE, Volker Reeh, forderte, die Sortimentsbeschränkung, die im Wolfratshauser Gewerbegebiet gilt, keinesfalls für den neuen Möbelhändler aufzuweichen (wir berichteten).

Auf der Monatsversammlung der Bürgervereinigung Wolfratshausen (BVW) stieß Rathauschef Klaus Heilinglechner in dasselbe Horn: „Wir müssen unsere Antennen sehr empfindlich einstellen, was XXXLutz vorhat.“ Die österreichische Firma ist Eigentümer der Immobilie. Im Gespräch mit unserer Zeitung bestätigte Pressesprecher Julian Viering kürzlich, dass die Sortimentsbeschränkung Gegenstand der Verhandlungen ist. Der Wirtschaftsreferent des Wolfratshauser Stadtrates, Helmut Forster (BVW), sieht dafür keine Notwendigkeit. „Ich halte nichts davon, diese Beschränkung aufzuweichen.“ Zwar dürfe es, wie bereits bei Möbel Mahler, ein Randsortiment geben. Mehr Spielraum möchte Forster dem Nachfolger jedoch nicht eröffnen. „Wir können nicht einerseits um unsere Innenstadt kämpfen und andererseits die Sortimentsbeschränkung kippen.“

Ingrid Schnaller sieht das genauso. Die Vorsitzende der Werbekreises Einkaufsstadt Wolfratshausen betont im Gespräch mit unserer Zeitung, dass die Beschränkung „überlebensnotwendig für unsere Innenstadt“ ist. In der Einzelhändlervereinigung sei das die einhellige Meinung. „Wir sprechen uns ganz klar dafür aus, dass das erhalten bleibt.“ Bleibe die Auflage bestehen, könnte auch die Innenstadt vom neuen Möbelmarkt profitieren. „Es ist durchaus denkbar, dass einige auswärtige Lutz-Kunden auch die Altstadt besuchen“, vermutet die Werbekreis-Chefin.

Beim möglichen Einzug eines Elektrohändlers – zuletzt wurde öffentlich darüber diskutiert, ob Media Markt das Gebäude gemeinsam mit Lutz nutzen könnte – müsste jedoch erneut über die Händlerauflage gesprochen werden. „Der Standort ist ganz klar ein Sondergebiet für Möbel“, erläuterte Heilinglechner. Ein Elektrogeschäft könne also nicht „ganz problemlos“ einziehen. Er, Heilinglechner, wünsche sich zwar einen solchen Fachhandel in der Loisachstadt. „Am liebsten wäre es mir aber natürlich in Innenstadtnähe.“

Das sieht auch der Werbekreis ähnlich. „Wir sehen diese Überlegungen durchaus kritisch“, ergänzt Ingrid Schnaller. Zwar seien auch die Mitglieder des Händlerverbunds einem Elektromarkt in Wolfratshausen gegenüber grundsätzlich aufgeschlossen. Ob das Gewerbegebiet dafür der optimale Standort ist, bezweifle man allerdings. „Es ist schwierig, wenn die Büchse einmal geöffnet ist“, sagt die Wolfratshauserin mit Blick auf die Sortimentsbeschränkung.

Wie realistisch die Zusammenarbeit zwischen Möbel- und Elekroriese in Wolfratshausen derzeit ist, vermochte der Rathauschef nicht einzuschätzen. „Ich habe länger nichts über die Verhandlungen zwischen Lutz und Media Markt gehört“, erklärte der Bürgermeister.

Auch die beiden Unternehmen hüllen sich in Schweigen: „Wir kommentieren Standortgerüchte nicht“, sagt Media Markt-Sprecherin Eva Simmelbauer. Julian Viering, Pressesprecher des österreichischen Möbelhändlers, möchte sich ebenfalls nicht zum aktuellen Stand der Verhandlungen äußern.

Die Sortimentsbeschränkung

Die Sortimentsbeschränkung basiert auf dem Handelskonzept der Cima. Das Beratungsunternehmen hat eine Liste mit „zentrenrelevanten Sortimenten“ erstellt. Diese Waren dürfen nicht – oder nur kleinflächig – im Gewerbegebiet verkauft werden. Dazu zählen unter anderem:

  • Arzneimittel und andere medizinische Produkte
  • Bekleidung
  • Haus- und Heimtextilien
  • Bettwaren
  • Lederwaren
  • Papier- und Schreibwaren
  • Bürobedarf
  • Spielwaren
  • Glas, Porzellan, Keramik
  • Geschenkartikel
  • Haushaltswaren

Außerdem wurde eine Liste mit einem „nicht-zentrenrelevanten Sortiment“ angefertigt, das auch außerhalb der Innenstadt angeboten werden darf. Hierzu zählen:

  • Autoteile und -zubehör
  • Badeeinrichtung
  • Sanitärerzeugnisse
  • Baumarktartikel
  • Fahrräder und Zubehör
  • Gartenartikel und -bedarf
  • Leuchten und Zubehör
  • Möbel, Küchen
  • Zooartikel, Tiere, Tiernahrung und -pflegeartikel

von Dominik Stallein

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