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Geschlossen: Ob und wann das ehemalige Rathauscafé in der Altstadt wieder öffnet – diese Frage kann derzeit niemand beantworten.

Städtische Immobilie muss saniert werden

Rathauscafé: Wolfratshauser Stadtrat fällt weitreichende Entscheidung

  • Carl-Christian Eick
    vonCarl-Christian Eick
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Seit Monaten steht das Rathauscafé in der Wolfratshauser Altstadt leer. Nun hat der Stadtrat eine Entscheidung getroffen - die die potenziellen Pächterinnen nicht freut.

Wolfratshausen – Die Modernisierung des städtischen Gebäudes, das bis vor einigen Monaten das Rathauscafé beherbergte, geht weiter. Doch die Vorstellung des Stadtrats von der Dimension des Vorhabens deckt sich nicht mit der der designierten Pächterinnen der prominenten Immobilie. Fest steht: Die bis dato vom Rat bereitgestellten 445 000 Euro reichen nicht aus. Und: Eine zirka eine Million Euro teure Maximallösung kommt für das Gremium nicht in Frage.

Die Summe, die der Stadtrat im April dieses Jahres für die Arbeiten genehmigt hatte, mit der die Dienstleistungs-GmbH der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft (StäWo) beauftragt worden ist, war genau genommen aus der Luft gegriffen. Erst jetzt, nachdem mehrere Besichtigungen des Objekts mit Planern stattgefunden haben, liegt „eine sehr grobe Kostenschätzung“ auf dem Tisch, so Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) am Dienstagabend in der Stadtratssitzung in der Loisachhalle. Ausschlaggebend für die Investitionshöhe seien nicht zuletzt die geplanten Nutzungen des Erd- und Untergeschosses.

Potenzielle Pächterinnen pochen auf Produktionsstätte im Keller

Die potenziellen Pächterinnen des irgendwann runderneuerten Rathauscafés pochen auf eine Produktionsstätte im Keller sowie eine Küche, in der rund 100 warme Essen täglich zubereitet werden können. Das setze den Einbau aufwendiger Technik voraus, erklärte der Bürgermeister. „Die von den designierten Pächterinnen gewünschte Maximallösung“ koste die Kommune zirka eine Million Euro, bilanzierte der Rathauschef.

Ja, Eigentum verpflichte, stellte SPD-Fraktionschef Fritz Meixner fest. Doch „aktuell ist nicht die Zeit für finanzielle Experimente“. Vize-Bürgermeister Günther Eibl (CSU) betonte, dass seine Fraktion auf dem eingeschlagenen Weg bleiben wolle: 445 000 Euro aus dem Stadtsäckel, eine „einfache Küche“ im Erdgeschoss „und im Keller ein Lager“. Auch der Sprecher der BVW, Josef Praller, lehnte die gewünschte Produktionsstätte ab, die mit rund 300 000 Euro zu Buche schlagen würde. Es sei keine Pflichtaufgabe der Kommune „einen Café-Betrieb einzurichten“, pflichtete ihm Fritz Schnaller (SPD) bei.

Dritte Bürgermeisterin Annette Heinloth (Grüne) baute eine Brücke: Es sei erklärtes Ziel des Stadtrates, die Innenstadt aufzuwerten, dem Rathauscafé komme in diesem Kontext zentrale Bedeutung zu. Mit einer „Aufwärmküche“ ließe sich kein zukunftsfähiges gastronomisches Konzept verwirklichen. Deswegen plädierte sie „für eine große Küche“ und appellierte an StäWo-Geschäftsführer Lothar Ortolf, gemeinsam mit den potenziellen Pächterinnen eine Lösung zu finden.

Forster: „Große Chance nicht leichtfertig verspielen“

Die „große Chance“, wieder ein „Stadtcafé“ zu bekommen, dürfe „nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden“, meinte Wirtschaftsreferent Helmut Forster (Liste WOR). Mit Blick auf die beschlossene Neugestaltung des westlichen Loisachufers (Rathausseite) sprach sich Forster für eine große Küche aus – langfristig betrachtet sind die Investitionen in seinen Augen „sinnvoll“. Gerlinde Berchtold (SPD) gab indes zu bedenken, „dass das Café nicht auf Kosten der Stadt hergerichtet werden darf“. Berchtold: „Wir vermieten die Räume“, alles andere sei Sache des Pächters.

Nach gut 90-minütiger Debatte schuf der Stadtrat Tatsachen: Die Deckelung der Investitionskosten von 445 000 Euro wurde einstimmig aufgehoben, im Erdgeschoss werden Vorbereitungen für den Einbau einer großen Küche getroffen (20:5 Stimmen), eine Produktionsstätte im Keller des Gebäudes lehnten alle Räte mit Ausnahme von Manfred Menke (SPD) ab. „Der Pächter kann ja selbst entscheiden, was er im Untergeschoss machen will“, merkte Richard Kugler (Liste WOR) an. Die Option, im ehemaligen Rathauscafé Büro- und Lagerräume für die Stadtverwaltung zu schaffen, verwarfen die Bürgervertreter mit 25:0 Stimmen.

Wie geht‘s nun weiter?

Wie geht’s nun weiter? „Wir werden die designierten Pächterinnen jetzt offiziell über das Ergebnis der Sitzung informieren“, sagte Bauamtsleiterin Susanne Leonhard am Mittwoch auf Nachfrage. Sollten die zwei Damen sich von ihrem Vorhaben verabschieden, werde der Pachtvertrag neu ausgeschrieben.

Wie sich die Abstriche an den Baumaßnahmen auf die Kostenschätzung auswirken, steht laut Leonhard noch nicht fest. Auskunft darüber gibt nach Überarbeitung der Pläne die Dienstleistungs-GmbH der StäWo. cce

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