1. Startseite
  2. Lokales
  3. Geretsried-Wolfratshausen
  4. Wolfratshausen

Rathauscafé in Wolfratshausen: Designierte Pächterinnen werfen das Handtuch

Erstellt:

Kommentare

Rita Schmid (li.) und ihre Geschäftspartnerin Barbara Schramm-Kastl stehen vor einem Schaufenster
Traum geplatzt: Rita Schmid (li.) und ihre Geschäftspartnerin Barbara Schramm-Kastl werden das Rathauscafé nicht übernehmen. © Sabine Hermsdorf-Hiss

Die Stadt steht erneut ohne Pächter für das Rathauscafé da. Die beiden Frauen, die eine Kombination aus Konditorei und Speiselokal eröffnen wollten, haben abgesagt.

Wolfratshausen – Die dunklen Wolken brauten sich bereits seit Monaten über dem Rathauscafé zusammen. Nun lässt die designierte Wirtin der städtischen Immobilie die Katze aus dem Sack: „Wir haben der Stadt mitgeteilt, dass wir das Café nicht übernehmen werden“, sagt Rita Schmid auf Nachfrage unserer Zeitung. Das habe sie gemeinsam mit ihrer Geschäftspartnerin Barbara Schramm-Kastl dem Rathaus schriftlich mitgeteilt. Der Grund für das Aus: Der Stadtrat hatte entschieden, den Keller des Gebäudes am Loisachufer nicht zu sanieren. Die geschätzten Kosten von einer Million Euro für die von Schmid präferierte „Maximallösung“ waren dem Gremium zu hoch. Die Kommune steht nun ohne Pächter für die prominente Immobilie da.

Für Schmid war es „ein völliger Schock“, als sie während der Stadtratssitzung in der Loisachhalle auf der Besucherempore erfuhr, dass ihr „großer Traum“ zu platzen drohte. Der Stadtrat verwarf den Plan, eine Produktionsstätte im Keller des Gebäudes zu errichten, die mit rund 300 000 Euro zu Buche geschlagen hätte – die rund eine Million Euro teure „Maximallösung“ war dem Rat zu viel. „Wir haben im Vorfeld mehrmals besprochen, dass es für uns und unser Konzept ohne diese Räumlichkeiten nicht weitergehen kann“, sagt Schmid rückblickend. Mit einer einzigen Küche im Erdgeschoss könne sie nicht arbeiten: „Dort, wo wir Mittagessen und Frühstück zubereiten, können wir nicht auch noch Kuchen, Torten und Pralinen herstellen.“ In den Gesprächen mit der Stadt sei „niemals auch nur zur Debatte gestanden, dass der Keller möglicherweise nicht hergerichtet wird“, betont die 68-Jährige. Von der Entscheidung sei sie kalt erwischt worden. Sie sei „sehr, sehr enttäuscht“.

Für Rita Schmid platzt ein Traum

Das machte die Gastronomin bereits nach der Juli-Sitzung klar – und äußerte in diesem Zuge diesem Zuge öffentlich Kritik am Stadtrat, von dem sie sich „kaltschnäuzig abgefertigt“ und „ausgebremst“ fühlte. Sie kündigte an, eine Bedenkzeit zu benötigen, in der sie entscheiden wollte, ob ein Rathauscafé ohne Produktionsstätte im Keller irgendwie doch umsetzbar sei. Das Ergebnis: „keine Chance, leider. Und das tut sehr, sehr weh.“ Für Schmid, die seit acht Jahren das Kaffee Ratscherl an der Königsdörfer Straße betreibt, platzt ein Traum. „Ich bin davon überzeugt, dass unser Konzept gut ist und das Café gut laufen würde.“ Mit einer Kombination aus Konditorei und Speiselokal wollte sie viele Gäste in die Immobilie zwischen Marktstraße und Loisach lotsen – wäre da nicht das Problem mit der Kellersanierung. „Es ist definitiv nicht möglich, diese Maßnahmen selbst zu finanzieren“, sagt Schmid. Neben Geräte-Neuanschaffungen und Ausstattung für das Café „schaffen wir das finanziell nicht“. Sie hätte genau das von der Stadt erwartet, die in den vergangenen 25 Jahren „fast nichts“ in das Café investiert habe.

Stadt wird vermutlich per Ausschreibung nach neuem Pächter suchen

Wie es mit dem Rathauscafé weitergeht, steht nun in den Sternen – genau wie die persönliche Zukunft von Schmid. Sie hatte bereits vor Monaten den Mietvertrag für ihren bisherigen Betrieb gekündigt; „unabhängig vom Rathauscafé“, wie sie schon früh erklärt hatte. Seit bekannt wurde, dass sie den Zuschlag für die städtische Immobilie erhalten würde, habe sie ihre Suche nach einem neuen Standort eingestellt. „Vielleicht ist in drei Wochen alles aus für uns“, sagt Schmid, die das Ratscherl mit ihrer Tochter Hedwig betreibt. So lange läuft der Vertrag an der Königsdorfer Straße noch – und das auch nur, weil ihre Nachmieterin der 68-Jährigen entgegenkam, die eigentlich bereits im August hätte ausziehen müssen. Schmid „weiß nicht, ob sich noch etwas für uns ergibt“, große Hoffnungen auf einen schnellen Neuanfang macht sie sich allerdings nicht.

Darauf dürfen auch die Stadträte im Rathauscafé kaum hoffen. Nach dem Ausstieg Schmids und Schramm-Kastls möchte die Kommune per Ausschreibung einen neuen Pächter für das seit Mai 2019 leer stehende Café am Loisachufer finden. Dieses Vorgehen hatte Rathauschef Klaus Heilinglechner zuletzt angekündigt. Für eine Stellungnahme zu den aktuellen Entwicklungen war der Bürgermeister urlaubsbedingt nicht zu erreichen.

Dominik Stallein

Noch mehr lokale Geschichten gibt es in unserem wöchentlichen Regionen-Newsletter für Wolfratshausen, Geretsried und die Region.

Auch interessant

Kommentare