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Erinnerte sich an ihre Kindheit in Waldram: Kreisheimatpflegerin Maria Mannes (re.).

Schwarzmärkte und aufgebahrte Leichen

Reihe „Begegnungen“: So war es früher im Ortsteil Waldram

In der Veranstaltungsreihe „Begegnungen“ erinnerte sich diesmal Kreisheimatpflegerin Maria Mannes an ihre Kindheit in Waldram und gab Anekdoten zum Besten.

Wolfratshausen – Seit vier Jahren findet im Gemeindesaal der evangelischen Kirche St. Michael jeden zweiten Montag im Monat die Veranstaltungsreihe „Begegnungen“ statt. Diesmal zeigte Kreisheimatpflegerin Maria Mannes historische Aufnahmen aus dem ehemaligen Lager Föhrenwald beziehungsweise Waldram und gab einige Anekdoten zum Besten.

Frauen und Männer damals strikt getrennt

Mannes erinnerte an die Entstehungsgeschichte, die den meisten der rund 40 Besucher freilich größtenteils bekannt war. Demnach begann 1940 in Föhrenwald die Errichtung von 302 Häusern. Dort waren laut der Kreisheimatpflegerin Arbeiter und Arbeiterinnen, die in den Geretsrieder Munitionsfabriken beschäftigt waren, untergebracht. „Frauen und Männer waren damals strikt getrennt, und es gab auch Zwangsarbeiter“, berichtete sie. Letztere kamen meist aus Tschechien, Frankreich, der Ukraine, Polen und Weißrussland.

Mannes zeigte ein Schwarz-Weiß-Bild des Eingangstores, das sich auf Höhe der heutigen Einmündung der Korbinian- in die Faulhaberstraße befand. Denn ebenso wie Geretsried war auch Föhrenwald damals mit Stacheldraht umgeben und konnte nur mit Ausweis betreten werden. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs entstand dort ein Lager für heimatlose Ausländer – sogenannte Displaced Persons.

Übergangslager wurde schnell zur Heimat

„Der ursprünglich nur als Übergangslager vorgesehene Ort wurde für die jüdischen Flüchtlinge schnell zur Heimat“, erklärte Mannes. „Viele wollten gar nicht mehr weg.“ So entstanden dort sechs Synagogen, ein Kino, Restaurants und Sportstätten. „In Föhrenwald gab es außerdem eine sehr hohe Geburtenrate“, ergänzte Mannes.

Am 12. März 1957 wurde das Lager Föhrenwald endgültig aufgelöst. Bereits zwei Jahre zuvor hatte das Katholische Siedlungswerk der Erzdiözese München und Freising die Liegenschaft erworben, die nun nach dem Abt Waldram aus dem Kloster Benediktbeuern benannt wurde. Mannes, die diese Zeit als Kind erlebte, erinnerte sich an Begegnungen zwischen orthodoxen Juden und Katholiken und an einen großen Schwarzmarkt: „Da waren Betonpfosten und ein Zaun drumrum, unter dem die Kinder immer wieder durchgekrochen sind.“

„Heute ist Waldram grüner“

Einige Hausdurchgänge und Straßenecken in Waldram waren aber auch ihr nicht ganz geheuer. „Da standen oft Jungs, vor denen ich weggelaufen bin“, gestand sie. Zudem haben die Schüler die damals noch öffentlich im Leichenhaus aufgebahrten Toten angeschaut. „Es hat uns gegraust, aber sehen mussten wir es trotzdem“, erinnerte sie sich.

Auch das ehemalige Bahnhofshäuschen am Ortseingang, in dem heute ein Café untergebracht ist, ließ Mannes nicht außen vor. „Es brannte 2006 ab, das war wohl ein warmer Abriss“, vermutet sie. Am ehemaligen Badehaus, das derzeit zum Begegnungs- und Dokumentationszentrum umgebaut wird, endete die unterhaltsame Zeitreise der Kreisheimatpflegerin. Beim Vergleich der historischen mit den aktuellen Bildern fiel ihr vor allem auf: „Heute ist in Waldram alles viel grüner als damals.“ 

Peter Herrmann

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