Im Gespräch mit dem Seniorenbeirat

Rente sichern: Norwegen macht es vor

  • schließen

Rente braucht jeder. Aber wie lässt sich das langfristig finanzieren? Hermann Lappus, Vorsitzender des Seniorenbeirats im Landkreis, hat konkrete Ideen. Norwegen spielt dabei eine Rolle.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Der Seniorenbeirat des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen nimmt sich an diesem Freitag, 27. Oktober, eines Themas an, das alle angeht: die Rente. „Wie gelingt die künftige Rentenfinanzierung?“ lautet die Frage, über die das Gremium ab 14 Uhr im Landratsamt in Bad Tölz diskutiert. Mit Hermann Lappus, dem Vorsitzenden des Seniorenbeirats, sprach im Vorfeld Redakteur Volker Ufertinger.

Herr Lappus, am Dienstag hat sich der neue Bundestag konstituiert. Was würden Sie den Politikern beim schwierigen Thema Rente raten?

Ich würde ihnen raten, nicht immer nur in Wahlperioden zu denken. Ein neues Rentenkonzept muss langfristig angelegt werden. Dazu gehört Mut und Ausdauer. Ich rede hier von 30 oder 40 Jahren.

Woran krankt das Rentensystem?

Das Rentensystem beruht auf den Voraussetzungen von 1957. Damals war die Welt noch eine ganz andere: Es herrschte Vollbeschäftigung, die Lebenserwartung war geringer, die Lebensläufe waren geradlinig. All das hat sich im Lauf der Jahrzehnte geändert. Folglich ist das Rentennivau in den vergangenen sechs Jahrzehnten allmählich gesunken.

Zinsen sind ein Problem

Was ist mit dem lange favorisierten Drei-Säulen-Konzept, bestehend aus gesetzlicher, betrieblicher und privater Vorsorge?

Das hat sich nicht unbedingt als tragfähig erwiesen. Ein Problem sind natürlich auch die dauerhaft niedrigen Zinsen. Kurz: Die staatliche Rente schrumpft, die private bringt wenig. Wir können nicht weitermachen wie bisher.

Manche erhoffen sich etwas von der Rente mit 67.

Davon sollte man sich nicht zu viel versprechen, selbst wenn irgendwann nicht mehr von 67, sondern von 70 oder 80 Jahren die Rede sein sollte. Zum einen kann man die Menschen nicht unbegrenzt lange belasten, es gibt eine biologische Grenze. Zum anderen darf man nicht vergessen: Für die Zeit, die die Menschen länger arbeiten, haben sie auch einen höheren Anspruch. Das frisst einen Teil wieder auf.

Bürgerversicherung ist kein Allheilmittel

Was ist mit der Bürgerversicherung?

Sie ist gewiss kein Allheilmittel. Sinn hätte sie nur, wenn alle einzahlen. Aber was machen wir mit den Beamten, Richtern und Berufssoldaten, deren Pensionen aus Steuergeldern bezahlt werden? Da bräuchte es eine Grundgesetzänderung. Und selbst wenn: Der schleichende Systemwechsel – die älteren Beamten bekommen noch ihre Pensionen, die jüngeren zahlen in die Bürgerversicherung ein – brächte viele Risiken mit sich.

Früher hat es manchmal geheißen: Wenn jede Frau zwei Kinder kriegt, ist die Rente sicher. Derzeit erleben wir ja einen Babyboom.

Auch das kann auf Dauer keine Lösung sein. Generationsübergreifend herrscht eine Art Schneeballsystem. Wenn wir in der nächsten Generation schon zwei oder drei Kinder brauchen, um die Renten zu sichern, brauchen wir in der übernächsten fünf, um denselben Effekt zu erzielen. Und so weiter und so fort. Dieses Argument taucht in der Debatte auch schon länger nicht mehr auf.

Norwegen ist Vorbild

Wo sehen Sie die Lösung?

Experten weisen schon seit einiger Zeit auf das Vorbild Norwegen hin. Dort fließen die Überschüsse, die mit Öl und Gas erwirtschaftet werden, in einen Pensionsfonds. Und der legt nach strengen Richtlinien das Geld in Aktien an.

Deutschland hat keine Rohstoffe wie Norwegen.

Aber Deutschland hat eine erstklassige Bonität. Es bestünde also die Chance, sich günstig zu verschulden und so über einige Jahrzehnte hinweg einen Kapitalstock aufzubauen. Wenn man nur ein Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung in diesen deutschen Fond investieren würde, könnte das durchaus helfen, die Rente zukunftsfest zu machen. Aber wie gesagt: Dazu bräuchte die Politik einen langen Atem.

In welchem Umfang würde der Bürger profitieren?

Ich habe mir das Ganze einmal durchgerechnet. Aber zu viel will ich an dieser Stelle nicht verraten. Wer sich dafür interessiert, ist am Freitag herzlich eingeladen.

Können auch Zuhörer mitdiskutieren?

Ja, selbstverständlich, mit Wortmeldungen haben wir keine Probleme. Ich freue mich, wenn über dieses wichtige Thema geredet wird.

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Wann haben Unterdrückung und Willkür der Mächtigen ein Ende?
In der Serie „Gott und die Welt“ macht sich diesmal Eva Buchner, katholische Dekanats-Altenheim-Seelsorgerin aus Geretsried, Gedanken. 
Wann haben Unterdrückung und Willkür der Mächtigen ein Ende?
Geretsriederin besucht ein peruanisches Männergefängnis
Um jungen Menschen ihre Arbeit näher zu bringen, bietet die deutsche Kolpingjugend internationale Begegnungsreisen an. Jennifer Becker aus Geretsried begleitete einen …
Geretsriederin besucht ein peruanisches Männergefängnis
Der erste Umweltjournalist der Republik feiert 90. Geburtstag
Der bekannte Publizist Christian Schütze feiert diesen Samstag seinen 90. Geburtstag. Auf Initiative seines Sohnes Justus werden etwa 100 Gäste aus ganz Europa kommen.
Der erste Umweltjournalist der Republik feiert 90. Geburtstag
XXXLutz zeigt Flagge in Wolfratshausen
Wer durch die Pfaffenrieder Straße und den Hans-Urmiller-Ring fährt, dem fallen sie ins Auge: Mehrere neue Fahnen flattern auf dem Gelände des ehemaligen …
XXXLutz zeigt Flagge in Wolfratshausen

Kommentare