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Amtsgericht

Rentnerin (75) kann das Klauen nicht lassen

Wolfratshausen – Ist die Frau krank oder sucht sie einfach nur den Nervenkitzel? Diese Frage beschäftigte das Gericht im Fall einer Rentnerin aus Wolfratshausen, die zum siebten Mal auf der Anklagebank saß.

Wie bei den sechs Verhandlungen zuvor ging es wieder um Diebstahl: In einem Geretsrieder Supermarkt hatte die 75-Jährige eine Tüte Salbeibonbons, Weißwürste und ein Päckchen Waschpulver im Wert von insgesamt 6,57 Euro an der Kasse vorbeigeschafft, nachdem sie zuvor einige andere Artikel bezahlt hatte.

„Ich war selber überrascht, als der Detektiv sagte, ich hätte noch was eingesteckt“, erklärte die Angeklagte vor Gericht. Nach einem Arztbesuch in der Früh sei sie „vollkommen durcheinander“ gewesen. Erst in dem Moment, als sie aufgehalten wurde, sei ihr bewusst geworden, „dass noch was in der Stofftasche war“, die sie am Handgelenk hängen hatte. Das Geld, das sie zuvor am Bankautomaten abgehoben hatte, ging für die Fangprämie drauf.

Für die unbezahlten „Einkäufe“ in den früheren Jahren, die immer deutlich unter 100 Euro lagen, habe seine Mandantin alles in allem bislang rund 12 000 Euro Strafe bezahlt, rechnete Verteidiger Manfred Fuchs dem Gericht vor. Für die letzte Geldstrafe habe sie einen Kredit aufnehmen müssen, den sie noch einige Zeit abzuzahlen habe. „Man würde meinen, beim dritten Mal müsste sie geheilt gewesen sein“, sagte der Rechtsanwalt. Deshalb vermute er, dass den Taten ein krankhaftes Verhalten zugrunde liege, das behandelt werden müsse. Er plädiert dafür, seine Mandantin zu einer Gefängnisstrafe auf Bewährung zu verurteilen und diese an eine entsprechende Therapie zu koppeln. „Wenn es Bewährung gibt, dann ist Feuer unterm Dach. Wenn noch mal was vorkommt, dann schützt auch das Alter nicht vor der Haft“, gab Richter Helmut Berger zu bedenken.

Therapeutische Behandlung notwendig

„Sie braucht Hilfe, nicht Strafe“, argumentierte der Verteidiger, der ebenso gut wie der Vertreter der Staatsanwaltschaft wusste, dass es eine nochmalige Geldstrafe für die Frau nicht geben würde. Richter Berger verurteilte die Rentnerin zu drei Monaten Gefängnis (der Staatsanwalt hatte acht Monate beantragt) und setzte diese für drei Jahre zur Bewährung aus.

„Ich sag’s so drastisch: Sie sind nicht neben sich gestanden. Ich bin überzeugt, dass Sie den Reiz wieder haben wollten: Schaffe ich es, die Sachen an der Kasse vorbei zutragen?“, hielt Berger der Verurteilten vor, die sich für mindestens ein Jahr in eine therapeutische Behandlung begeben muss. 

Von Rudi Stallein

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